Wien/Vaduz. Der mutmaßliche Finanzjongleur und Gründer der Money Service Group (MSG), Michael Seidl, war einst ein Hans-Dampf in den Boxengassen der Formel 1, Sponsor des Schweizer Rennstalls Sauber und des Kapperls von Niki Lauda. Jetzt hat er seinen ersten Strafprozess hinter sich. Das Fürstliche Landgericht in Liechtenstein verurteilte Seidl, der eigentlich in der Schweiz inhaftiert ist, zu neun Jahren Haft wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges, obwohl der Staatsanwalt nur sieben bis acht Jahre gefordert hatte. Seidl legte Berufung ein, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Finanzzampano, zu dessen Opfern auch der ehemalige Skirennläufer Harti Weirather zählen soll, soll im Liechtensteiner Fall zumindest 30 Millionen Euro Schaden verursacht haben. Doch das ist nur eine Facette des mutmaßlichen Betrugskonglomerats MSG. Laut Anlegeranwalt Klaus Hartmann von der Dornbirner Kanzlei Clemens Pichler sind gegen den Mastermind und weitere Personen Ermittlungsverfahren in der Schweiz (St. Gallen) und in Deutschland (München) anhängig.
Noch mehr Geschädigte
"In diesem Verfahren waren nur die Geschädigten mit Bezug zu Liechtenstein als Privatbeteiligte zugelassen, wir vertreten vor allem Geschädigte aus der Schweiz, Deutschland und Österreich", sagt Hartmann. "Es geht insgesamt um einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag." Nachsatz: "Nachdem das Verfahren in Liechtenstein in erster Instanz abgeschlossen ist, wird die Staatsanwaltschaft St. Gallen ihr Verfahren fortsetzen." Auch Deutsche sollen wesentlich bei MSG in der Schweiz investiert haben.
"In Österreich ist kein Ermittlungsverfahren anhängig, es gibt auch verhältnismäßig wenige Geschädigte", sagt Hartmann. Die Dornbirner Anlegeranwälte wollen den MSG-Gründer vor allem auf dem Zivilrechtsweg verfolgen. "In erster Linie werden wir gegen Herrn Seidl und die Vermittler Klagen einbringen", sagt der Rechtsanwalt. "Die große Frage ist aber, was bei Herrn Seidl noch zu holen ist." Im Zuge des Strafverfahrens in der Schweiz sollen nur einige hunderttausend Franken sichergestellt worden sein. Seidl wird vorgeworfen, mit den Anlegergeldern u.a. seinen hohen Lebensstandard finanziert zu haben. Im Verfahren in Vaduz bestritt er alle Betrugsvorwürfe.