Wien.

Eine Gruppe von Experten aus dem Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), dem Institut für Höhere Studien (IHS), der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Sustainable Europe Research Institute (SERI) bewertet die Indikatoren und verwendet dafür Piktogramme (von Sonne bis Gewitterwolken). Aktuell herrscht strahlender Sonnenschein, wenn es um das reale BIP pro Kopf, die Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Arbeitsproduktivität geht. Auch die Lebenszufriedenheit und das Sicherheitsempfinden sind hoch, so Pesendorfer am Mittwoch am Tag der Statistik. Dazu kommen ein hoher und steigender Anteil erneuerbarer Energien und ein hoher Anteil biologischer Landwirtschaft. Andererseits wachsen die Haushaltseinkommen langsamer als das BIP, und 1,4 Millionen Menschen in Österreich sind ausgrenzungsgefährdet. Das heißt, dass sie von Armut bedroht sind oder sich wesentliche Gebrauchsgüter nicht leisten können, oder dass im Haushalt eine sehr geringe Erwerbsbeteiligung herrscht. "Die Einkommensschere geht im Aggregat weiter auf", so Pesendorfer weiter. Die niedrigen Jahreseinkommen lagen 2010 um 11 Prozent unter jenen des Jahres 1998, die hohen Einkommen stiegen hingegen um 4 Prozent. Was die Bildung betreffe, weise Österreich mit 23,8 Prozent eine im internationalen Vergleich niedrige Tertiärquote (Anteil der 30- bis 34-Jährigen mit abgeschlossenem Universitäts- oder Hochschulstudium) auf. Wenig rosig sieht es auch bei den Treibhausgasemissionen und beim Energieverbrauch im Bereich Verkehr aus.

Alle Indikatoren - derzeit sind es 30 - sind auf der Homepage der Statistik Austria (www.statistik.gv.at) abrufbar. Eine gute Sache, findet Michaela Moser von der Armutskonferenz, da das BIP als Messgröße für Lebensqualität und Wohlstand nicht ausreicht. Was sie sich noch wünschen würde, wäre eine differenziertere Betrachtung der Lebenszufriedenheit. 78,7 Prozent der österreichischen Bevölkerung (ab 16 Jahren) sind mit ihrem Leben sehr oder ziemlich zufrieden. Moser: "Da müsste man sich genauer anschauen, wie das nach Einkommensgruppen ausschaut."
Bei der Erstellung der neuen Indikatoren stützte sich die Statistik Austria auf die Empfehlungen der Stiglitz-Kommission und des Europäischen Statistischen Systems. Künftig sollen die Ergebnisse jedes Jahr zeitgleich mit der Bekanntgabe des BIP erfolgen, kündigte Pesendorfer an. Die Statistiker hoffen nun auf reges Feedback.