• vom 04.12.2012, 13:45 Uhr

Österreich

Update: 04.12.2012, 14:22 Uhr

IT-Branche

Burnout-Alarm in der IT-Branche




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Von Andrea Möchel

  • Studie belegt: IT-Beschäftigte sind gefährdeter als Arbeitnehmer im Gesundheitsbereich
  • Coaching und Supervision können das Risiko deutlich verringern.

Wien. Menschen, die in der IT-Branche arbeiten, haben es gut: Sie haben viel Freiraum, können ihre Kreativität ausleben und genießen außerdem unverschämt flexible Arbeitszeiten. So oder so ähnlich lauten die gängigsten (Vor-)Urteile über das Leben von IT-Beschäftigten. Die Realität sieht anders aus.

Erschöpft, ausgebrannt, arbeitsunfähig: Viele kennen dieses Gefühl - doch man muss es nicht so weit kommen lassen.

Erschöpft, ausgebrannt, arbeitsunfähig: Viele kennen dieses Gefühl - doch man muss es nicht so weit kommen lassen.© Foto: fotolia Erschöpft, ausgebrannt, arbeitsunfähig: Viele kennen dieses Gefühl - doch man muss es nicht so weit kommen lassen.© Foto: fotolia

Das belegt die Studie "Burnout in der IT-Branche", die der ehemalige IT-Manager Tim Sturm im Rahmen seines Studiums "Supervision & Coaching" an der Donau-Universität Krems erarbeitet hat. Sturms Motivation, die tatsächliche Burnout-Gefährdung von IT-Mitarbeitern zu untersuchen, ist eine sehr persönliche: "In meiner 20-jährigen Tätigkeit in der IT-Branche konnte ich den Wandel der Arbeit dort hautnah miterleben, mein Burnout hat mein Leben völlig verändert", gesteht Sturm. Für die bisher größte Untersuchung zu diesem Thema hat Sturm einen Fragebogen verfasst, der von 1155 IT-Mitarbeitern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beantwortet wurde. "Die Ergebnisse sind dramatisch und höchst alarmierend", lautet sein Fazit. "Sie zeigen nichts weniger, als dass IT-Mitarbeiter besonders oft unter Burnout-Symptomen leiden."

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Laut Studie sind 53 Prozent der IT-Beschäftigten Burnout-gefährdet, wobei 13 Prozent von ihnen bereits eine kritische Burnout-Symptomatik aufweisen und daher dringend einer Behandlung bedürfen. Auffallend: Die deutschen IT-Beschäftigten sind um zehn Prozent gefährdeter als die Kollegen in Österreich oder der Schweiz.

Sisyphusarbeit macht krank
"Ein Problem für die IT-Fachkräfte ist offenbar die Projektarbeit. Dabei kommt es zu unterschiedlichen betrieblichen Arbeitsanforderungen und Sozialordnungen, die als belastend erlebt werden", skizziert Sturm die Ursachen. Dazu komme, dass IT-Arbeit immer kleinteiliger wird, weshalb es für die Beteiligten schwieriger wird, Ziele selbstverantwortlich zu erreichen. Gleichzeitig werden sie aber für das Gelingen des Gesamtprojekts verantwortlich gemacht. Und: Durch Smartphone & Co wird der Grad der Verfügbarkeit immer höher. "Dadurch steigt die Arbeitszeit, und die Entspannungsphasen werden geringer."

80 Prozent der Fach- und Führungskräfte in der Informationstechnologie arbeiten derzeit 40 bis 53 Stunden pro Woche. "Das ist ziemlich viel, und jede weitere Stunde lässt die Wahrscheinlichkeit eines Burnouts weiter ansteigen", warnt Sturm: Die Studie kann einen signifikanten Zusammenhang zwischen Burnout-Risiko und Arbeitszeit belegen. Wer mehr als 54 Wochenstunden arbeitet, ist demnach um zwölf Prozent stärker gefährdet als jene Kollegen, die kürzertreten. Neben den Frauen sind vor allem jene Personen gefährdet, die im Support tätig sind. 65 Prozent jener Mitarbeiter, die im Bereich Hardware-Services oder User-Help-Desk tätig sind, können bereits als Burnout-gefährdet eingestuft werden. Mehr als 17 Prozent befinden sich in einem "kritischen" Zustand.

Ein weiteres Ziel der Studie war es, zu überprüfen, ob Mitarbeitergespräche, Mentoring, Coaching oder Supervision tatsächlich wirksame Instrumente zur Burnout-Prävention darstellen. "Die Antwort ist ein eindeutiges Ja", betont Sturm. "Je höher der Grad der Reflexion, desto besser ist das ,Selbst-Bewusst-Sein‘ einer Person und desto geringer das Burnout-Risiko." Durch Inanspruchnahme von Coaching und Supervision kann das Burnout-Risiko um bis zu 30 Prozent verringert werden. Derzeit nehmen allerdings nur zwölf Prozent der IT-Beschäftigen diese Beratungsmethoden in Anspruch.

Gefährdeter als Ärzte
Vergleicht man die Studienergebnisse mit Untersuchungen der Arbeiter- und Ärztekammer, so zeigt sich laut Sturm, dass IT-Beschäftigte sogar noch wesentlich gefährdeter sind als Arbeitnehmer im Gesundheitsbereich. Sowohl die emotionale Erschöpfung als auch die als "Depersonalisation und Zynismus" (DPZ) bezeichnete zweite Burnout-Phase sind besonders stark ausgeprägt.

Dass DPZ in der IT-Branche besonders präsent ist, weist laut Experten klar darauf hin, dass sich die Befragten bereits in einem fortgeschrittenen Burnout-Stadium befinden. "Wenn es so weitergeht, wird nicht die Wirtschaftskrise unser Untergang sein, sondern der Verschleiß an Menschen, die arbeitsunfähig werden und von der Allgemeinheit langfristig finanziert werden müssen", warnt Sturm.




Schlagwörter

IT-Branche, Burnout, Gesundheit

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-12-04 13:47:04
Letzte nderung am 2012-12-04 14:22:39



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