• vom 15.04.2013, 17:33 Uhr

Österreich

Update: 15.04.2013, 18:08 Uhr

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AK beklagt "Wildwuchs" bei den Managergagen




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  • Im Schnitt 1,4 Millionen Euro
  • Arbeiterkammer für Boni-Deckelung auf 50 Prozent des Fixgehalts.

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Wien. (kle) Sind Managergehälter in Millionenhöhe gerechtfertigt? Ist die Arbeit eines Spitzenmanagers wirklich so viel wert? Soll es Grenzen geben? Und wenn ja - wo soll man sie ziehen? Alles Fragen, die heikel sind und immer wieder für Debatten sorgen.

In Österreich jedenfalls haben die Vorstände jener 20 Konzerne, die im Leitindex der Wiener Börse, dem ATX, notieren, im Vorjahr durchschnittlich 1,4 Millionen Euro kassiert. Ihre Bezüge sind somit gegenüber 2011 um 6,5 Prozent gestiegen, wie die Arbeiterkammer (AK) erhoben hat. Zum Vergleich: "Normalsterbliche" Arbeitnehmer hatten 2012 lediglich um zwei bis drei Prozent mehr Geld im Lohnsäckel.

Laut AK kommen Top-Manager der ATX-Firmen mittlerweile bereits auf das 49-Fache eines durchschnittlichen österreichischen Jahresgehalts (28.570 Euro). Im Jahr 2000 lag der Faktor erst beim 20-Fachen.

Was die AK besonders stört: Gewinnziele und der Börsenkurs dominieren bei den variablen Gehaltsbestandteilen das Anreizsystem. Das "verleitet zu hoher Risikofreude und zu kurzfristiger und kurzsichtiger Unternehmensführung", gibt AK-Betriebswirt Heinz Leitsmüller zu bedenken.

Zu kurz kommt indes eine Belohnung für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung, so etwa durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze oder das Erreichen ökologischer Ziele. Die AK sieht darin einen Verstoß gegen das novellierte Aktiengesetz. Dieses gebe nämlich vor, dass die Gestaltung der Vorstandsbezüge auch darauf beruhen soll, langfristige Anreize für Nachhaltigkeit zu setzen. Hier seien nur Erste Bank und OMV löbliche Ausnahmen, so die AK.

Andritz-Boss an der Spitze
Spitzenverdiener unter den ATX-Vorständen war im Vorjahr Wolfgang Leiter. Der Chef des Anlagenbauers Andritz brachte es auf stolze 5,21 Millionen Euro (da er auch Hauptaktionär ist, kassiert er für 2012 nebstbei eine Dividende in Höhe von gut 36 Millionen Euro). Dann folgen Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), und Wolfgang Eder, Generaldirektor des Stahlriesen Voestalpine, mit jeweils 2,9 Millionen Euro.

Wie berichtet, hat Stepic seinem "Brötchengeber" zwei Millionen zurückgezahlt - aus "Solidarität" gegenüber der Raiffeisenorganisation, der er viel verdanke. Andreas Treichl, Chef der Erste Bank, kam 2012 auf 1,95 Millionen Euro. Beide Institute, RBI und Erste, sitzen nach wie vor auf milliardenschweren Staatshilfen, auf Steuergeld, das bisher noch nicht retourniert ist.

Ruf nach neuen Gesetzen
Im Übrigen sind der AK die aktuellen Managergagen entschieden zu hoch. Sie spricht von "Wildwuchs" und ruft nach neuen Gesetzen. Vor allem fordert sie eine gesetzliche Deckelung der variablen Bezüge: Bonuszahlungen sollen demnach 50 Prozent des Fixgehalts nicht übersteigen. Laut AK war der Bonus im Vorjahr bei einem Drittel der ATX-Manager doppelt so hoch wie das Fixum.




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Dokument erstellt am 2013-04-15 17:38:06
Letzte Änderung am 2013-04-15 18:08:29