• vom 21.10.2013, 17:56 Uhr

Österreich

Update: 21.10.2013, 20:30 Uhr

Industrie

Großindustrie droht abzuwandern




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Von Karl Leban

  • "Industrie-Aversion der EU-Kommission ist nicht mehr zu überbieten"
  • Voestalpine expandiert nur noch außerhalb Europas: in Asien und Amerika.

Verhärtete Fronten bei den Metaller-KV-Verhandlungen: Vor der vierten Runde heute, Dienstag, gab es an drei Betriebsstandorten (wie hier in Wolkersdorf/Niederösterreich) Protestkundgebungen.

Verhärtete Fronten bei den Metaller-KV-Verhandlungen: Vor der vierten Runde heute, Dienstag, gab es an drei Betriebsstandorten (wie hier in Wolkersdorf/Niederösterreich) Protestkundgebungen.© apa Verhärtete Fronten bei den Metaller-KV-Verhandlungen: Vor der vierten Runde heute, Dienstag, gab es an drei Betriebsstandorten (wie hier in Wolkersdorf/Niederösterreich) Protestkundgebungen.© apa

Wien. Wieder einmal geht Wolfgang Eder mit der Industriepolitik Brüssels hart ins Gericht. "Die Industrie-Aversion in großen Teilen der EU-Kommission ist nicht mehr zu überbieten", klagt der Voestalpine-Chef. "Wenn das so weitergeht, ist die Deindustrialisierung Europas nicht aufzuhalten. Dann haben wir bald britische Verhältnisse." Vor allem durch die relativ hohen Energiekosten und Klimaschutzabgaben drohe der Industrie in Europa der Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit, sagt Eder. "Ohne Gegensteuern werden sich die schleichenden Abwanderungstendenzen zu einer Lawine entwickeln."

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Hatte der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt der EU 2010 noch 18 Prozent betragen, so lag er 2012 mit 14 Prozent bereits deutlich niedriger. Laut Eder ist für heuer ein weiteres Absinken auf 12 Prozent zu erwarten. Wie die EU-Kommission es schaffen will, den Industrieanteil bis 2020 wie angekündigt auf 20 Prozent zu erhöhen, ist dem österreichischen Top-Manager ein Rätsel. Für ihn selbst ist die Industrie innerhalb der Wirtschaft ein unverzichtbarer Wohlstandsfaktor.

"Wirtschaftlicher Aufschrei"
Außerhalb Europas seien die Kostenvorteile enorm, gibt Eder, der noch bis Jahresende Präsident des europäischen Stahlverbandes Eurofer und seit kurzem Vizepräsident des Weltstahlverbandes ist, zu bedenken. Dass die Voestalpine seit heuer im US-Bundesstaat Texas ein 550 Millionen Euro teures Werk zur Produktion von Vormaterial für die Stahlerzeugung baut, ist nach seiner Darstellung ein "wirtschaftlicher Aufschrei".

In Europa seien die Gaspreise drei- bis viermal so hoch wie in den USA (Stichwort: Schiefergas). Und Strom sei um 20 bis 40 Prozent teurer als in Nordamerika, so Eder am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Außerdem koste ein Facharbeiter in Linz 50.000 Euro im Jahr, im Süden der USA hingegen nur 37.000 Euro.

Neben den Vereinigten Staaten hat die Voestalpine, die sich mehr und mehr zu einem Stahlverarbeitungs- und Technologiekonzern entwickelt und nun sogar schon Werkstoffe wie Titan, Aluminium und Karbon verarbeitet, vor allem auch Asien als Wachstumstreiber im Blickfeld. So soll in China und Südostasien der Umsatz bis 2020 von derzeit rund 710 Millionen auf mehr als 2 Milliarden Euro verdreifacht werden. Eder: "Wir denken dabei sowohl an Investitionen auf der grünen Wiese (neue Werke, Anm.) als auch an Akquisitionen."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2013-10-21 17:59:04
Letzte Änderung am 2013-10-21 20:30:57




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