• vom 30.04.2014, 15:21 Uhr

Österreich

Update: 01.05.2014, 13:05 Uhr

Plachutta

"Er hat aus mir einen Dieb gemacht"




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Von Clemens Neuhold

  • Der slowakische Kellner Juraj Tatara über seine bittere Entlassung beim Nobelgastronomen Plachutta.

Im Interview: Der slowakische Plachutta-Kellner".

Im Interview: Der slowakische Plachutta-Kellner".

© (Facebook-Screenshot)

Im Interview: Der slowakische Plachutta-Kellner".

© (Facebook-Screenshot)

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Nobelgastronom Mario Plachutta feuerte einen Kellner, weil dieser in seiner Pause seine Erdbeeren mit Plachutta-Zucker staubte. Als die Arbeiterkammer (AK) dagegen klagte und vor dem Arbeitsgericht recht bekam, hielt Plachutta der AK auch noch vor, sich um einen Slowaken zu kümmern. Den Sturm, den er dafür erntete, war ein regelrechter "Shitstorm". So heißt die kollektive Empörung im Internet. Anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai und den 10-Jahresfeiern zur Osterweiterung der EU um Länder wie der Slowakei sprach die "Wiener Zeitung" mit dem Opfer von "Zuckergate", dem slowakischen Kellner Juraj Tatara (43).

"Wiener Zeitung": Wie haben Sie die Zucker-Affäre erlebt?
Juraj Tatara: Ich hatte eine reguläre Pause und habe meine privat mitgebrachten Erdbeeren gezuckert. Der Zucker stand dort wie auch der Pfeffer oder die Zahnstocher. Er ist persönlich vorbeigegangen, hat mich angeschrien und wörtlich gesagt, dass ich fristlos entlassen bin. Dann hat eine Mitarbeiterin aus seinem Büro angerufen ich soll die Uniform abgeben.

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Wie ging es Ihnen danach?
Ich wurde vorher nie entlassen. Im Gegenteil: Jeder Arbeitgeber hat gesagt, ich kann wieder kommen. Das bei Plachutta war eine große Überraschung. Ich wusste sofort, dass ich recht habe, dass das kein Kündigungsgrund sein kann. Und ich wusste auch: Für Herrn Plachutta möchte ich nie wieder arbeiten. Er ist ganz bestimmt ein guter Manager und ein erfolgreicher Mensch, niemand ist perfekt, aber auf der anderen Seite: So kann man mit Mitarbeitern nicht umgehen. Dann bin ich zur Arbeiterkammer gegangen und habe dann 2400 Euro brutto Entschädigung für das bekommen, was mir nicht ausbezahlt wurde.

Wie war Plachutta als Chef?
Der Job dort war gut, die Bezahlung auch, ich habe viel gearbeitet und das gerne gemacht. Aber trotzdem war er nicht zufrieden. Es gab immer Druck, Druck, Druck. Wir sollten mehr lachen und uns noch schneller bewegen, damit wir noch mehr Umsatz machen.

Wie sahen das die Kollegen?
Ich habe erfahren, dass das ganz normal ist bei ihm.

Hatten Sie das Gefühl, dass von den Arbeitnehmerrechten her alles okay war?
Ja, rechtlich war das okay, aber von der menschlichen Seite her war es komisch.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2014-04-30 15:26:30
Letzte nderung am 2014-05-01 13:05:25



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