• vom 21.10.2014, 16:30 Uhr

Österreich


Landwirtschaft

"Putenhaltung in Österreich steht vor dem Aus"




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Von Sophia Freynschlag

  • Österreichische Erzeuger können aufgrund höherer Standards beim Preis nicht mit ausländischer Konkurrenz mithalten. Konsumenten kaufen zunehmend günstigere Importware - die Herkunft ist häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Heikel in der Haltung: Puten sind anfällig für Krankheiten, nicht alle überleben die Mast.

Heikel in der Haltung: Puten sind anfällig für Krankheiten, nicht alle überleben die Mast.© ZAG Heikel in der Haltung: Puten sind anfällig für Krankheiten, nicht alle überleben die Mast.© ZAG

Wien. Die heimische Geflügelwirtschaft schlägt Alarm: "Die aktuellen Rahmenbedingungen erlauben keine wettbewerbsfähige Putenhaltung in Österreich. Die Putenhaltung in Österreich steht vor dem Aus", sagt Michael Wurzer, Geschäftsführer der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG). Dadurch würden hierzulande viele Millionen Euro an Wertschöpfung und zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen.

Pro Kopf verzehren die Österreicher durchschnittlich 5,9 Kilogramm Truthahn jährlich - mehr als die Hälfte davon stammt aus dem Ausland. Der Selbstversorgungsgrad bei Truthühnern in Österreich ist laut Statistik Austria von 49 auf 45 Prozent im Vorjahr gesunken. Zum Teil werden die Puten im Ausland gemästet und geschlachtet und das Fleisch wird in Österreich verpackt. Die Herkunft ist für die Konsumenten oft nicht mit einem Blick erkennbar - rot-weiß-rote Banderolen oder Fahnen auf der Verpackung täuschen häufig eine österreichische Herkunft vor.


Preis entscheidet beim Kauf
Der Preis, den heimische Geflügelhalter für ihre Produkte bekommen, sei existenzgefährdend niedrig, sagt Wurzer und verweist auf einen Kilopreis von aktuell 3,49 Euro für Hühnerfleisch in Aktion im Einzelhandel - mit AMA-Gütesiegel und gentechnikfreier Fütterung.

"Die Konsumentenwünsche stimmen oft nicht mit der tatsächlichen Kaufentscheidung überein", erklärt Wurzer. Im Supermarkt ist für viele Kunden der Preis das entscheidende Kriterium. Zudem kaufen Gastronomie, Hotellerie und Lebensmittelhersteller häufig ausländisches Geflügel. Es brauche höhere gesetzlich geregelte Besatzdichten - um günstiger produzieren zu können - oder einen höheren Preis, um nach den derzeit gültigen Standards produzieren zu können. Doch Letzteres dürfe nicht dazu führen, dass die österreichischen Erzeuger von Putenfleisch Marktanteile und Wertschöpfung in Österreich verlieren, so Wurzer.

In Ländern wie Polen, Deutschland, Italien, Ungarn, Frankreich oder Slowenien kann Putenfleisch günstiger produziert werden. Der Grund: In der EU gibt es keine einheitlichen Standards, die die maximale Besatzdichte in der Geflügelhaltung regeln. In Österreich ist eine Besatzdichte von höchstens 40 Kilogramm pro Quadratmeter bei Puten erlaubt. Um das in Tieren zu veranschaulichen: Ein gemästeter Truthahn wiegt nach 21 Wochen mehr als 22 Kilogramm, weibliche Tiere wiegen rund 14 Kilogramm, bevor sie geschlachtet werden.

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Dokument erstellt am 2014-10-21 16:35:04



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