• vom 26.03.2015, 18:33 Uhr

Österreich

Update: 27.03.2015, 08:03 Uhr

Vermögen

Reiche steuern Rekordgewinne an




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  • Die expansive Geldpolitik der EZB lässt die Superreichen noch reicher werden - auf dem Papier.

Wien. (sir) Wenn die Nachbarn mehr als das Zehnfache besitzen, ist das eine Art moderne Tragödie. Es ist freilich anzunehmen, dass die Blicke Frank Stronach aus seinem Schloss am Wörthersee hinüber zu den Piëchs nicht allzu neidisch ausfallen, selbst wenn das Vermögen des Austro-Kanadiers von geschätzten 3,9 Milliarden Euro im Vergleich zu jenem der Familie Piëch (Porsche, Volkswagen) eher gering ausfällt. Laut "trend"-Ranking beträgt dieses Vermögen nämlich 44,8 Milliarden Euro.

Abgesehen von dieser Kluft, die offenbar auch die Superreichen nicht verschont, bot das Vorjahr für die sehr schmale Bevölkerungsgruppe mit der sehr großen Brieftasche fast nur gute Nachrichten. Laut einer aktuellen Schätzung der Erste Bank ist allein das Finanzvermögen der reichsten Österreicher (Euro-Millionäre) im Jahr 2014 um acht Milliarden auf 138 Milliarden Euro gestiegen. Und die Reichen sollen nach Ansicht der Bank am Ende dieses Jahres noch reicher als reich sein und 147 Milliarden Euro an Finanzvermögen besitzen. Die Villa am Wörthersee ist da naturgemäß nicht mitgerechnet.

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Hinter diesen Zahlen steckt eine triviale Erklärung: Die Europäische Zentralbank hat die Geldmenge massiv erhöht. Sie will damit die Konjunktur ankurbeln, will mit sehr niedrigen Zinsen den Kreditkreislauf am Leben erhalten und durch den abgewerteten Euro die Exporte aus der EU beflügeln. Und dass die Staaten dank des niedrigen Zinsniveaus ihre Haushalte so günstig wie noch nie refinanzieren können, ist auch ein durchaus angenehmer Nebeneffekt.

Höchststand bei Finanzvermögen
Dass die Superreichen noch reicher werden, ist allerdings auch so ein Nebeneffekt, einer der weniger beabsichtigt, aber logisch ist. "Wir verzeichnen derzeit beim Finanzvermögen der reichsten Österreicher einen Höchststand - mit klarer Tendenz nach oben", sagt Wolfgang Traindl, Leiter des Private Bankings der Erste Bank. Das Geldinstitut hält nach eigenen Angaben derzeit einen Marktanteil von rund 25 Prozent im Bereich Private Banking, das sich dank der expansiven Geldpolitik zuletzt als überaus lukrativ erweist. So lukrativ, dass beispielsweise die Deutsche Bank überlegt, sich gänzlich aus dem Massengeschäft zurückzuziehen.

So reizvoll die Verlagerung des Kerngeschäfts für Banken angesichts der derzeit erzielten Margen scheint, steckt hinter den "gigantischen Verschiebungen in der Vermögensverteilung", wie Ökonom Franz Hahn vom Wifo sagt, nur ein temporärer Effekt. Denn irgendwann wird die EZB wieder ihre Politik ändern.

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Dokument erstellt am 2015-03-26 18:38:04
Letzte nderung am 2015-03-27 08:03:26



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