• vom 13.09.2016, 16:03 Uhr

Österreich

Update: 13.09.2016, 16:36 Uhr

Börse

Rasinger wirbt für rot-weiß-rote Aktien




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  • Kleinanlegervertreter wirft der Politik Desinteresse am heimischen Kapitalmarkt vor.

Wilhelm Rasinger sieht den österreichischen Kapitalmarkt über Jahre "extrem vernachlässigt". - © apa/Techt

Wilhelm Rasinger sieht den österreichischen Kapitalmarkt über Jahre "extrem vernachlässigt". © apa/Techt

Wien. (apa/kle) Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA), wirbt für mehr Veranlagungen in Aktien heimischer Firmen. Der Sparwille sei in Österreich ungebrochen, man könne "fast von Angstsparen sprechen", aber trotz "homöopathischer" Zinsen fließe nur wenig Geld in Aktien, sagte der Kleinanlegervertreter am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Ein Dilemma für Österreich sei, dass es kaum ein anderes EU-Land gebe, in dem der Anteil ausländischen Kapitals ähnlich hoch sei. "Wir geben uns der Illusion hin, ein reiches Land zu sein, nur gehört uns immer weniger", so Rasinger. Das liege auch daran, dass der Kapitalmarkt über Jahre "extrem vernachlässigt wurde". Rasinger schwebt vor, dass möglichst viele österreichische Privatanleger in heimische Unternehmen investieren. Dazu müssten das Finanzwissen gestärkt, aber auch die Kapitalmarktkultur weiter entwickelt werden. Vorbildlich sei Schweden, wo es viele Konzerne mit Weltbedeutung gebe.

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"Ideen ins Ausland verkauft"
Rasinger kann auch der aktuellen Fördereuphorie für Start-ups, also Jungunternehmen mit kreativen Ideen und Wachstumspotenzial, wenig abgewinnen. Die ersten 50.000 bis 150.000 Euro an Finanzierung zu bekommen, sei heute kein Problem. Aber dann die Anschlussfinanzierung aufzustellen, um ein Produkt auf den Markt zu bringen, werde viel schwieriger. Hier könnte die Wiener Börse einspringen. Voraussichtlich würden aber die erfolgreichen Firmen wohl an große ausländische Unternehmen oder Börsen abwandern - "die Ideen werden ins Ausland verkauft". Wenn das so weitergehe, werde Österreich als Tourismusland mit Billigarbeitsplätzen übrig bleiben, befürchtet Rasinger.

Kein Verständnis hat Rasinger für Politiker, die "es fast als Qualitätszeichen sehen, keine Aktien zu haben". Durch den Wechsel von Christian Kern an die Spitze der Regierung rechnet Rasinger zwar mit keinem "Paradigmenwechsel". Aber Kern habe "bessere Voraussetzungen als bisherige Altbundeskanzler", weil er schon in einem börsennotierten Unternehmen gearbeitet habe (beim teilstaatlichen Stromerzeuger Verbund). Allerdings müsse er auf verschiedene Flügel in seiner Partei Rücksicht nehmen. Nach Rasingers Einschätzung fehlt aber in Österreich vor allem der Wille, in Bezug auf den Kapitalmarkt Veränderungen herbeizuführen.

Kritische "Kleinheit" droht
Extrapoliere man die Börsenabgänge, könne man sich jetzt schon "ausrechnen, wann Österreich keine börsennotierten Unternehmen mehr haben wird". Rasinger gab zu bedenken, dass sich die Wiener Börse einer kritischen "Kleinheit" nähere, unter der sie nicht mehr funktionieren würde: "Viel kleiner kann es nicht mehr werden." Dabei ziehen sich zunehmend Mittelstandsfirmen von der Börse zurück, weil das Einhalten der vielfältigen Regeln zu aufwendig werde; zuletzt etwa die Miba.

Rasinger beklagte die Vielzahl von Verwaltungsbestimmungen, die den börsennotierten Unternehmen das Leben schwer machten. Die Regeln für den Kauf und Verkauf eigener Aktien etwa seien für Unternehmensvorstände inzwischen so komplex, dass sich viele nicht mehr trauten, eigene Aktien zu kaufen. Prospekte beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung seien "größtenteils Nonsens" und würden nur die Berater fördern. Die Börse brauche auch "faire Delistingbestimmungen", also Regeln, wie man die Börse wieder verlassen kann. Wer seine Aktien sehr lange behält, sollte von der Besteuerung ausgenommen werden, ist einer der Wünsche Rasingers an die Politik.




Schlagwörter

Börse, Aktien, IVA, Wilhelm Rasinger

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-13 16:08:12
Letzte nderung am 2016-09-13 16:36:25




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