• vom 01.12.2016, 17:32 Uhr

Österreich


Arbeitslosigkeit

Noch kein Grund zum Jubeln




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  • Die Zahl der Menschen ohne Job sinkt zum ersten Mal seit fünf Jahren.



Wien. Noch keine echte Trendwende bedeutet für Sozialminister Alois Stöger die im November erstmals seit fünf Jahren gesunkene Arbeitslosigkeit in Österreich. Im Vorjahresvergleich sank die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer (zusammen) um 0,2 Prozent auf 429.139, die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkten Arbeitslosen allein sank um 1,0 Prozent auf 355.669 Personen.

AMS-Chef Johannes Kopf meinte ebenfalls, "Jubel ist absolut unangebracht". Bei einer differenzierten Betrachtung gebe es auch Bereiche mit steigender Arbeitslosigkeit, so seien heuer 7500 geflüchtete Personen mehr auf Arbeitssuche als vor einem Jahr. In der Industrie laufe es besser, daher sinke die Männer-Arbeitslosigkeit. "Was wir wirklich brauchen würden, wäre eine echte Konjunkturbelebung, große Schritte müssten eigentlich auf europäischer Ebene erfolgen", sagte Kopf im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radios am Donnerstag. Die österreichische Politik habe einiges Positives getan, etwa die Mittel für Fachausbildungen erhöht. Bei Menschen mit Lehrabschluss sei die Arbeitslosigkeit nur ein Drittel so hoch wie bei jenen mit nur Pflichtschulabschluss.

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Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) kommentierte die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt bei seinem Besuch einer Baustelle der Wiener U-Bahn: "Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat für mich höchste Priorität. Den öffentlichen Investitionen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Die Modernisierung der Infrastruktur bedeutet Aufträge für unsere Unternehmen und Arbeitsplätze in den Regionen."

Über 10 Prozent weniger Arbeitslose am Bau
Die Arbeitslosenquote nach österreichischer Berechnung lag im November bei 9,0 Prozent, um 0,2 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr. Weiter steigend ist die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten, nämlich um 1,6 Prozent auf 3,515 Millionen. Laut Sozialministerium gab es nur im Gesundheits- und Sozialwasen noch einen Anstieg bei den Arbeitslosenzahlen, während etwa in der Bauwirtschaft Ende November um 10,4 Prozent weniger Personen beim AMS vorgemerkt waren.

In der Warenproduktion gab es um 2,6 Prozent, in der Arbeitskräfteüberlassung um 2,5 Prozent und im Tourismus um 0,9 Prozent weniger Arbeitslose. Im Handel kam es zu keiner Veränderung.

Während die Erwerbslosenzahlen in Wien und Niederösterreich weiter stiegen, setzte sich der rückläufige Trend bei der Arbeitslosigkeit in den westlichen Bundesländern fort. Die regionalen Unterschiede am österreichischen Arbeitsmarkt würden immer deutlicher, so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer.

Forderung nach
"qualifizierter Zuwanderung"

"In der Steiermark, Salzburg und Oberösterreich suchen unsere Betriebe verstärkt qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte er. Acht von zehn Betrieben meldeten Rekrutierungsschwierigkeiten. Neben Reformen im Bildungsbereich sei auch eine qualifizierte Zuwanderung essenziell, so Neumayer. Er forderte bei der Mangelberufsliste eine regionale Betrachtung, um den Bedarf an Fachkräften aufgrund der differenzierten Arbeitsmarktlage abdecken zu können. Der aktuelle Entwurf des Sozialministeriums sei unzureichend.

Laut den Neos kann nur mit nachhaltigen Reformen eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt erreicht werden. Sowohl Notstandshilfe als auch die Mindestsicherung seien "Beihilfefallen, die in ihrer Ausgestaltung kontraproduktiv auf das Arbeitsangebot wirken können", so Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker. Auch die "lauwarmen Zumutbarkeitsbestimmungen" würden verhindern, dass Menschen am Arbeitsmarkt Fuß fassen, kritisiert er.

Von einer "Horrorbilanz" des Sozialministers sprach FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl. "Das Einzige, was Stöger wirklich macht, ist, dass er arbeitsmarkt-und sozialpolitisch Steuergeld persistent von den Österreichern zu Ausländern und Asylanten umverteilt. Die Hauptzielgruppe seines Arbeitsmarktpakets scheinen überhaupt nur Migranten zu sein", meinte Kickl.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl fordert eine Senkung der Körperschaftsteuer von 25 auf 20 Prozent, degressive Abschreibung als Investitionsanreiz sowie die Erhöhung der Forschungsprämie von 12 auf 15 Prozent. Wenn der Regierung sinkende Arbeitslosigkeit etwas wert sei, müssten Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass man sie auch erreichen könne, so Leitl.




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Dokument erstellt am 2016-12-01 17:35:06



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