• vom 19.02.2017, 08:30 Uhr

Österreich

Update: 23.02.2017, 15:27 Uhr

Start-ups

Startschwierigkeiten




  • Artikel
  • Lesenswert (12)
  • Drucken
  • Leserbrief





Staatliches Abenteuerkapital
"Start-ups beschweren sich über zu viele Förderungen. Sie verlieren den Durchblick. Aber wenn das ihr größtes Problem ist", lacht Daniel Cronin. Er ist Mitbegründer von "Austrian Start-ups" und kennt die Szene bestens. Österreichs gutes Fördersystem ist europaweit bekannt. Und auch wichtig, findet Cronin. Denn hierzulande gebe es kaum privates "venture capital". Also: Wagnis- oder Abenteuerkapital. Geld, das in hochriskante Geschäfte fließt. Derzeit übernimmt dieses Abenteuer der Staat.

Für Claus Raidl, Präsident der Oesterreichischen Nationalbank und umtriebiger Investor, ist das unhaltbar. "Start-ups sind ein Hochrisikogeschäft. Solche Geschäfte sollte der Staat nicht tätigen. Es kann nicht sein, dass der Gewinn individualisiert und der Verlust sozialisiert wird." Immerhin gilt als Faustregel, dass acht von zehn Start-ups scheitern.

Die Regierung rechtfertigt die hohen Fördersummen mit den ausbleibenden privaten Investoren. Bundeskanzler Christian Kern rechnet in seinem "Plan A" vor, dass in Österreich um 90 Prozent weniger privates Kapital fließt als im europäischen Durchschnitt. Doch Claus Raidl ist sicher: Würden entsprechende Anreize für Investoren geschaffen werden, gäbe es genügend wohlhabende Geschäftsleute die in junge risikoreiche Unternehmen investieren. Auch Rudolf Dömötör ist von den hohen staatlichen Förderungen nicht restlos überzeugt. "Es kann sein, dass durch das viele öffentliche Geld, die private Seite einfach auslässt."

Dass es auch ohne öffentliche Förderungen geht, zeigen nicht nur die USA mit dem weltweit erfolgreichsten Start-up Standort Silicon Valley, sondern auch die Schweiz. Geld gibt es hier lediglich für Universitäten. Damit sollen sie den Gründergeist ihrer Studenten wecken und Technologien anschaffen, damit sich die Unternehmer in spe ausprobieren können. "In der Schweiz investieren sich Start-ups ausschließlich mit privatem Geld", erklärt Stefan Steiner von "venturekick", das Start-ups in der Schweiz berät.

KMU nicht vergessen
Und das System scheint zu funktionieren. In keinem anderen europäischen Land schaffen innovative Jungunternehmer mehr Arbeitsplätze als hier. Von dem großzügigen österreichischen Fördersystem hält Steiner nicht viel: "Gießkannenartig jedem ein bisschen was zu geben, ist nicht wirklich sinnvoll."

Das Start-up-Paket der Regierung pumpt seit Beginn des Jahres weitere 185 Millionen Euro in den Markt. Das erklärte Ziel: Die Jobbilanz soll besser werden. Doch selbst im europäischen Durchschnitt schafft ein Start-up nur rund 12 Arbeitsplätze. So viel wie ein Kleinunternehmen mit weniger Förderungen. Siegfried Stepke hat mit "E-Dialog" bereits 25 Arbeitsplätze geschaffen. "Ich gönne den Start-ups die Förderungen. Es geht mir einfach darum, dass die normalen Klein- und Mittelunternehmen (KMU) nicht vergessen werden."

Doch diese Rechnung lässt man im Büro des Infrastrukturministers nicht gelten. Jörg Leichtfried hat für die SPÖ das Start-up-Paket verhandelt. Hier gehe es nicht nur um Jobs. Es gehe auch darum, junge, kreative Ideen ins Land zu holen. Von denen auch alteingesessene Betriebe profitieren würden. Etwa, indem sie sich bei ihnen einkaufen. Auch in Berlin hält man die öffentlichen Förderungen gerade deswegen trotzdem für gerechtfertigt. Den Gründergeist, die Aufbruchstimmung und die neuen Ideen würde jedes Land brauchen. Und das alles lässt man sich in Österreich deutlich mehr kosten als anderswo.

zurück zu Seite 1




Schlagwörter

Start-ups, Förderungen

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-17 17:29:05
Letzte nderung am 2017-02-23 15:27:04



Werbung



Firmenmonitor







Werbung


Werbung