• vom 08.03.2017, 17:56 Uhr

Österreich

Update: 09.03.2017, 14:51 Uhr

Lehrlingsausbildung

Ausgebildet, um Kaffee zu kochen




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Von Petra Tempfer

  • Jeder zweite Lehrling hat einer Umfrage zufolge das Gefühl, dass ihm alles zu viel wird. Mit ein Grund: Er wird wie eine Hilfskraft behandelt.

- © Fotolia/marinabh

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Wien. Kaffeekochen, Zusammenkehren, Müll-Wegtragen. In diesen Bereichen fühlen sich Lehrlinge mitunter besser ausgebildet als in ihrem Beruf selbst. Das hat eine Umfrage der Notrufeinrichtung "147 - Rat auf Draht" des SOS Kinderdorfs unter 901 Lehrlingen ergeben, die am Mittwoch präsentiert worden ist. Jeder zweite Lehrling fühlt sich demnach überfordert - unter anderem deshalb, weil er wie eine Hilfskraft behandelt wird. Sieben Prozent waren schon einmal von Mobbing in Form von Beschimpfungen vor allem durch den Vorgesetzten betroffen.

Konkret sind es 67 Prozent der weiblichen und 41 Prozent der männlichen befragten Lehrlinge, die das Gefühl haben, dass ihnen alles zu viel wird. Ein Großteil fühlt sich nicht gut genug für den Arbeitsalltag nach der Lehre ausgebildet. Sie hätten die Motivation, etwas zu lernen und zu erleben, sagte Elke Prochazka, Psychologin der Notrufeinrichtung. Sobald sie bemerken, dass sie stattdessen Hilfsarbeiten erledigen müssen, fehle den meisten der Mut, der Chefin oder dem Chef ihre Unzufriedenheit mitzuteilen. "Aus Angst, die Lehrstelle zu verlieren", sagt Prochazka.

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Rund 16 Prozent der
Lehrlinge scheiden aus

Die Arbeiterkammer kommt zu einem ähnlichen Schluss. "Das deckt sich mit unseren Befragungen", sagt Edith Kugi-Mazza, die in der Arbeiterkammer Wien für den Lehrlings- und Jugendschutz verantwortlich ist. Vor allem in der Gastronomie, unter den Maler- und Friseurlehrlingen würden die Rahmenbedingungen bei der Ausbildung schlecht eingeschätzt. Sich als Lehrling gegen den Ausbilder zu stellen, sei aber tatsächlich ein Problem. Viele wollten daher lieber weg, als ein kompliziertes Verfahren zu beginnen. Die Drop-out-Rate liege bei rund 16 Prozent. "Kaum einer der Abbrecher wechselt in einen anderen Lehrberuf, die wenigsten gehen zurück in die Schule. Die meisten scheiden aus dem System aus", so Kugi-Mazza.

Freilich gebe es gesetzliche Ausbildungsvorschriften, an die sich jedes Unternehmen zu halten habe, und bei deren Nichteinhaltung die Ausbildungsberechtigung entzogen werden könne. "Das nachzuweisen ist aber ganz schwierig", sagt Kugi-Mazza zur "Wiener Zeitung". "Viel schwieriger als zum Beispiel in einer Schule." Problematisch in diesem Zusammenhang sei nämlich auch, dass die Lehrlinge der Wirtschaftskammer zugeordnet seien - die wiederum die Interessenvertretung der Unternehmen ist.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-08 17:59:11
Letzte nderung am 2017-03-09 14:51:48



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