• vom 26.05.2017, 09:30 Uhr

Österreich

Update: 31.07.2017, 19:32 Uhr

Tourismus

Urlaubsdestination Türkei im freien Fall




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Von Thomas Pressberger

  • Die Zahl der Österreicher, die in der Türkei Urlaub machen, ist seit 2015 auf ein Siebentel geschrumpft.

Schön, aber leer: Die türkische Tourismusindustrie bekommt die Rechnung für die Entgleisungen ihres Präsidenten präsentiert.

Schön, aber leer: Die türkische Tourismusindustrie bekommt die Rechnung für die Entgleisungen ihres Präsidenten präsentiert.© Fotolia/Ig0rZh Schön, aber leer: Die türkische Tourismusindustrie bekommt die Rechnung für die Entgleisungen ihres Präsidenten präsentiert.© Fotolia/Ig0rZh

Wien. Der Gästerückgang in der Urlaubsdestination Türkei nimmt immer größere Dimensionen an, aktuelle Zahlen von Reiseveranstaltern sprechen Bände. Bei Ruefa, der Reisebüro-Tochter des Österreichischen Verkehrsbüros, fiel der Umsatzanteil der Türkei 2016 um 60 Prozent, im heurigen Sommer um weitere 63 Prozent. "Das Land rangiert nur noch auf Platz 15 der meistgebuchten Urlaubsziele. 2016 war es noch auf Rang sechs, 2015 gar auf Rang zwei", sagt Verkehrsbüro-Sprecherin Birgit Reitbauer. Im Vergleich zu 2015 wird die Zahl der Österreicher, die noch in die Türkei fahren, im heurigen Sommer laut Buchungslage auf ein Siebtel zurückgehen.

Es wird noch schlimmer kommen, sagt Reitbauer: "Für die Türkei ist keine Erholung in Sicht. Im Gegenteil, durch den Ausgang des Referendums weichen die Österreicher noch mehr auf andere Reiseziele aus." Die beliebtesten Ausweichdestinationen für Türkei-Urlauber sind Griechenland, Spanien, Kroatien, Italien und Zypern. Durch die große Nachfrage sind die Preise in diesen Destinationen um bis zu zehn Prozent gestiegen. Urlauber ziehen daher jetzt auch alternative Fernstrecken in Betracht, sagt Reitbauer. Trotzdem boome das Österreich-Geschäft. Einheimische und auch europäische Nachbarn machten mehr Urlaub hierzulande.

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Ruefa müsse statt der Türkei nun Alternativen anbieten. "Während wir 2016 von den massiven Reisestromverschiebungen überrascht wurden, haben wir uns für 2017 gut vorbereitet", sagt Reitbauer. Diesmal sei man so früh wie noch nie mit Alternativangeboten sicherer Reiseziele am Markt gewesen.

Trend setzt sich fort
Im TUI-Konzern hat die Türkei im vergangenen Jahr im Durchschnitt 40 Prozent der Buchungen verloren, Österreich lag sogar noch darüber. "Der Trend zeichnet sich fort", sagt auch TUI-Pressesprecherin Kathrin Limpel. Sie glaubt, dass weniger die Sorge um die eigene Sicherheit die Touristen abhält, sondern viele wegen der Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht die Türkei besuchen wollen.

Die wenigen, die noch hinfahren, sind jedoch hochzufrieden, sagt Limpel: "Die Bewertungen der Hotels sind überdurchschnittlich gut." Österreich hat laut Limpel im vergangenen Jahr sehr stark von den Sicherheitsbedenken vieler Touristen nach den Terroranschlägen in Paris, Brüssel und Nizza profitiert. Ein Hoffnungsschimmer für die Türkei: "Letztes Jahr sind noch einige Last-Minute-Buchungen gekommen. Das könnte auch heuer der Fall sein", sagt Limpel. Wenn Termine oder Destinationen in Spanien und Griechenland ausgebucht sind, kommen manche doch wieder auf die Türkei zurück.

Dass Österreich zu den Nutznießern der Situation in der Türkei zählt, zeigen mehrere Umfragen, sagt Oliver Fritz, Referent für Tourismus am Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). Und das, obwohl es seitens der Österreich Werbung keine spezifische Strategie dafür gib. Bei den deutschen Urlaubern stünden nahe Auslandsurlaube und Anfahrten mit dem Auto derzeit hoch im Kurs. Außerdem seien die Kapazitäten in den Ausweichdestinationen teils ausgebucht. Beides spricht für einen Urlaub in Österreich, so Fritz.

Laut einer Umfrage der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hat Österreich die Türkei sogar als Nummer drei der beliebtesten Reiseziele der Deutschen abgelöst. Die meisten Türkei-Touristen weichen aber auf andere Mittelmeerdestinationen aus. "Sie wollten Urlaub am Meer machen, daher werden sie Länder fahren, wo das möglich ist", sagt Fritz. In manchen Fällen würden die Touristen die Aufenthaltsdauer verkürzen und zum Beispiel statt zwei Wochen Türkei eine Woche Spanien buchen.

Österreich gut aufgestellt
Dass österreichische und europäische Urlauber der Türkei die kalte Schulter zeigen, könnte sich ändern, wenn die innenpolitischen Themen der Türkei wieder aus den Medien verschwinden, sagt Felix König, Obmann des Fachverbands der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich. Dann könnte eine Erholung auf niedrigem Niveau einsetzen. Für diesen Sommer sei damit aber nicht zu rechnen. Was für die Türkei spricht: "Das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar."

Allerdings kann Österreich auch bei diesem Aspekt mithalten. "Österreich ist seit Jahrzehnten das beliebteste Urlaubsland der Österreicher und ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden." Auch in Österreich sei das Preis-Leistungsverhältnis ein wichtiger Faktor. "Wenn Sie das Preis-Leistungsverhältnis des Salzkammerguts oder Tirols mit der Schweiz vergleichen, dann ist es extrem gut", sagt König. Der Trend gehe immer stärker zu drei Reisen pro Jahr, einem Inlandsurlaub, einem Auslandsurlaub und einem Städtetrip. Die Aufenthaltsdauer sei rückläufig, man fahre kürzer, dafür öfter weg. In Europa zählten Österreich und Italien bei den Autoreisen zu den Gewinnern.

Das deutliche Plus, das Österreich im Sommer 2016 verzeichnet hat, ist zum Teil auf die Rückgänge in der Türkei zurückzuführen, bestätigt Ulrike Rauch-Keschmann, Sprecherin der Österreich Werbung. Die Nächtigungen stiegen um fünf Prozent auf 73 Millionen, die Ankünfte um 4,8 Prozent auf 23 Millionen. Die Zahlen seien seit 2000 - außer in den Jahren 2008 und 2009 - kontinuierlich gestiegen, 2016 aber merkbar stärker.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-26 17:24:11
Letzte nderung am 2017-07-31 19:32:47



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