• vom 24.08.2017, 15:32 Uhr

Österreich

Update: 24.08.2017, 22:01 Uhr

Löhne

Produktionskosten im EU-Mittelfeld




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  • Wifo-Studie: Österreich liegt bei Lohnnebenkosten und Kosten je Arbeitsstunde im oberen EU-Drittel.

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Wien. (apa/red) Im EU-Vergleich sind die Lohnnebenkosten in Österreich ebenso im oberen Drittel wie die Arbeitskosten pro Stunde inklusive aller Nebenkosten. Berücksichtigt man jedoch die überdurchschnittliche Produktivität der heimischen Wirtschaft, dann ergeben sich Kosten je produzierter Wareneinheit (Lohnstückkosten), die im EU-Mittelfeld liegen. Dies zeigt eine Studie des Wifo im Auftrag der Sozialpartner.

Ziel der Studie, die vom "Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen" in Auftrag gegeben wurde, war es, die Arbeitskosten in Österreich international zu vergleichen. Demnach lagen die Kosten je Arbeitsstunde inklusive aller Lohnnebenkosten in Österreich bei 35 Euro und damit auf dem vergleichbaren Niveau wie in den Niederlanden (34,9 Euro). Teurer kommt die Arbeitsstunde in Finnland, Frankreich, Deutschland, Schweden, Dänemark und Belgien (Spitzenreiter): Dort kostete die Stunde im Jahr 2015 43,3 Euro.

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"Gerade wettbewerbstarke Länder haben noch höhere Arbeitskosten als Österreich", vermerkt dazu Josef Wöss, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Arbeiterkammer. Zum Teil wesentlich weniger kostet die Arbeitsstunde vor allem in den neuen EU-Ländern.

"Indirekte Kosten"
Die am Mittwoch veröffentlichte Studie zeigt auch, dass etwa Schweden und Dänemark zwar höhere Kosten je Arbeitsstunde haben als Österreich, bei den Lohnstückkosten, also den Gesamtkosten für die Herstellung von Waren, aber spürbar unter Österreich liegen. Im Gegenzug hat etwa Italien mit 27,4 Euro wesentlich niedrigere Arbeitskosten je Stunde, bei den Lohnstückkosten liegt Italien hingegen über Österreich. "Hohe Kosten sind sehr relativ zu sehen", so Wöss. Eine höhere Bezahlung führe auch zu mehr Motivation und damit höherer Produktivität, im Gegenzug ermögliche eine höhere Produktivität freilich auch eine höhere Bezahlung.

Die Studie untersucht auch die Lohnnebenkosten in den EU-Ländern. Sie werden als "indirekte Kosten" definiert, also alle Zahlungen der Arbeitgeber, die nicht im Monatslohn inklusive Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld enthalten sind. Vor allem sind dies Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Lohnsummensteuern und Weiterbildung. Die Lohnnebenkosten machen in Österreich 26,2 Prozent der gesamten Arbeitskosten aus. Das liegt leicht über dem EU-Durchschnitt von 24 Prozent.

Spitzenreiter sind Schweden und Frankreich (siehe Grafik), wo die Lohnnebenkosten rund ein Drittel der gesamten Arbeitskosten ausmachen. Das Beispiel Schweden zeigt, dass die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nicht nur bei den Arbeitskosten und den Lohnnebenkosten entschieden wird: Schweden hat mit 32,1 Prozent der Gesamtkosten sehr hohe Lohnnebenkosten und mit 41,1 Euro je Stunde sehr hohe Arbeitskosten je Stunde.

Bei den für die internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheidenden Lohnstückkosten liegt Schweden aber um etwa 20 Prozent unter Österreich.

Produktivität, aber auch Infrastruktur oder Energieversorgung seien für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend, so Wöss.

Auch in Österreichs Nachbarland Tschechien machen die Lohnnebenkosten einen höheren Anteil an den Gesamtkosten aus (27,3 Prozent). Die Arbeitskosten je Stunde liegen mit 9,8 Euro in Tschechien aber bei weniger als einem Drittel des österreichischen Werts. Bei den Lohnstückkosten liegt Tschechien dann zwar noch unter Österreich, aber nur noch um etwas mehr als zehn Prozent.

Deutschland liegt bei den Lohnnebenkosten mit 22,4 Prozent unter Österreich, bei den Lohnstückkosten aber um gut zehn Prozent über Österreich.

Höherer LohnnebenkostenanteilIn der Hälfte der EU-Länder ist der Anteil der Lohnnebenkosten seit dem Jahr 2000 gefallen, auch in Österreich gab es einen Rückgang um 0,9 Prozentpunkte. Im Vergleich zu 2008 verzeichnete Österreich aber einen Zuwachs des Lohnnebenkostenanteils von 0,5 Prozentpunkten, was etwa dem EU-Durchschnitt entspricht.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-24 15:39:06
Letzte nderung am 2017-08-24 22:01:00



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