• vom 31.08.2017, 20:05 Uhr

Österreich


Insolvenzen

Großpleite in Oberösterreich




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  • Sechs Firmen der traditionsreichen Wozabal-Gruppe sind insolvent.

- © apa/Fotokerschi.at/Bernadette Kerschbaummayr

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Linz. (apa/kle) Sechs Unternehmen der oberösterreichischen Firmengruppe Wozabal, die Miettextilien reinigt, sind pleite. In Summe wackeln damit 792 Jobs. Bezogen auf die Zahl der Arbeitsplätze handelt es sich laut dem Gläubigerschutzverband "KSV1870" um die größte Insolvenz in Oberösterreich nach der Pleite der Drogeriekette Dayli vor vier Jahren.

Firmenchef Christian Wozabal erklärte am Donnerstag, dass geplant sei, den Betrieb weiterzuführen. Eine von der Intermarket Bank gewährte Zwischenfinanzierung von fünf Millionen Euro stelle dies vorerst einmal bis Jahresende sicher. Bis auf Weiteres würden auch alle Jobs der insolventen Firmen erhalten bleiben, betonte Wozabal.

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Bereits Mitte August wurde bekannt, dass wegen Liquiditätsproblemen 725 Mitarbeitern die fälligen Löhne nicht ausgezahlt werden können. Die Hausbanken hatten die Konten gesperrt, weil Kredite nicht zurückgezahlt worden waren. Von rund 680 Gläubigern war am Donnerstag die Rede, wobei die Ansprüche der Dienstnehmer durch den staatlichen Insolvenz-Entgeltfonds gesichert sind.

Insolvenz angemeldet haben die Wozabal Management GmbH, die Wozabal Textilservice GmbH & Co KG, die Wozabal MPZ Medizinproduktezentrum GmbH & Co KG, die Wozabal Textile Logistik GmbH & Co KG, die Wozabal Sterilgut-Systeme GmbH & Co KG und die Wozabal Mietberufsbekleidung GmbH & Co KG. Standorte dieser Firmen befinden sich in Linz, Enns, Lenzing und Rankweil, zudem gibt es ein Verteilerzentrum in Wien.

Die gesamte Firmengruppe hat laut eigenen Angaben 1096 Mitarbeiter und setzte im Geschäftsjahr 2016/17 rund 72 Millionen Euro um. Sie stellt Textilien für Spitäler, Heime, Gastronomie und Hotellerie sowie Industrie und Gewerbe zur Verfügung und reinigt diese auch - 175 Tonnen täglich. Die rund 2000 Kunden stammen aus Österreich, Deutschland, Italien und Tschechien.

Grüne für Auffanggesellschaft
Grund für die Insolvenzen waren Wozabal zufolge hohe Investitionen in den vergangenen drei Jahren, Probleme mit einer neuen Mikrochip-Technologie, ein starkes Wachstum von zwölf Prozent sowie zu kurzfristige Finanzierungslinien. Mit einem außergerichtlichen Rettungsversuch ist Wozabal gescheitert: "Die Gespräche mit Banken und möglichen Investoren konnten leider nicht innerhalb kurzer Zeit erfolgreich zum Abschluss gebracht werden." Daraufhin habe man "Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung" beantragen müssen.

Wozabal bezifferte die Gesamtschulden - bereinigt um Querhaftungen und interne Verbindlichkeiten - mit 47 Millionen Euro. Der "KSV1870" erklärte aber, dass dies nur für den Fall gilt, dass die Sanierung gelingt und die Firmen weitergeführt werden. Sollte es zu einer Filetierung kommen, würden bis zu 104,1 Millionen Euro schlagend - vor allem durch Ansprüche der Mitarbeiter und fällig werdende Leasing-Raten.

Oberösterreichs Grüne sprachen sich für eine Auffanggesellschaft unter Beteiligung des Landes aus: Es sei wichtig, Haftungen zu übernehmen. Landeschef Thomas Stelzer (ÖVP) zeigte sich indes zuversichtlich, dass die Sanierung gelingt. Die Landesbetriebe, darunter der Spitalsbetreiber Gespag, würden jedenfalls weiter mit Wozabal zusammenarbeiten.




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Dokument erstellt am 2017-08-31 16:15:07



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