• vom 29.09.2017, 16:48 Uhr

Österreich


Konjunktur

Wirtschaftsforscher warnen Regierung vor übereilten Beschlüssen




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  • Wifo und IHS passen ihre Konjunkturprognose für 2017 und 2018 nach oben an und mahnen zum Abbau der Staatsschulden und des Budgetdefizits.



Wien. (ede) Österreichs Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Das sollte die regierenden Parteien aber nicht dazu verleiten, Geld auszugeben, "weil eh alles wunderbar läuft", warnt der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Christoph Badelt. Vielmehr sollten sie am Abbau der hohen Schuldenquote arbeiten, die im Vorjahr 83,6 Prozent der Wirtschaftsleistung betrug. Das ist zwar weniger als 2015, aber noch weit von den Schuldenständen in den Jahren vor der Finanzkrise entfernt.

Wandertag statt Nationalratssitzung
In Hinblick auf die für 12. Oktober anberaumte letzte reguläre Sitzung des Nationalrats vor dem Wahltag riet Badelt den Abgeordneten, lieber auf Wandertag zu gehen. Dieser Idee kann auch IHS-Chef Martin Kocher etwas abgewinnen. Er ist ebenfalls dagegen, dass jetzt noch teure Maßnahmen ohne entsprechende Gegenfinanzierung beschlossen werden.


Wie berichtet, soll eine Angleichung der Arbeitsbedingungen von Arbeitern und Angestellten kommen. SPÖ und Grüne wollen diese mit Unterstützung der FPÖ noch vor der Wahl erreichen. Die Initiative sei eine "Husch-Pfusch-Aktion", kritisieren jedoch zahlreiche Branchenvertreter aus der Wirtschaft und fordern Sozialpartnerverhandlungen. Christoph Leitl, Chef der Wirtschaftskammer, spricht von einer "Husch-Pfusch-Lösung", die von der SPÖ durchgepeitscht werde, nur um ein vermeintliches Wahlzuckerl zu präsentieren. Das schade dem Wirtschaftsstandort Österreich.

Derzeit bewerten die österreichischen Unternehmen laut Wifo ihre aktuelle Lage und die Entwicklung in den kommenden Monaten "äußerst optimistisch". Die Exporttätigkeit hat sich im ersten Halbjahr 2017 markant belebt, so das IHS. Ihre Wachstumsprognosen haben die beiden Institute wie erwartet angehoben. Das Wifo rechnet mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,8 Prozent, nach 2,4 Prozent in der Frühjahresprognose. Das IHS hob die Prognose von 2,2 auf 2,6 Prozent an. Für 2018 erhöht das Wifo die Wachstumsprognose für Österreich von 2,0 auf 2,8 Prozent und das IHS von 1,7 auf 2,1 Prozent.

Die positiven Nachrichten sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Probleme gelöst seien, betonte Kocher am Freitag vor Journalisten. Die Arbeitslosenquote sinke zwar, aber: "Wir sehen im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit eine Verfestigung, und das ist ein Problem, das man angehen muss." Im August ist hierzulande die Zahl der Menschen, die länger als zwölf Monate arbeitslos sind, um 4,5 Prozent auf 58.429 gestiegen.

Defizit sinkt aufgrund
starken Wachstums

Bildung, Forschung, Pensionen, Umwelt, Integration, Verwaltung und vieles mehr: Die Wirtschaftsforscher wiederholen mantraartig, wo sie Reformbedarf sehen. Und trotz Konjunkturhoch gebe es noch immer keinen Budgetüberschuss, bemängeln sie. Das Defizit laut Maastricht-Definition wird sich laut Wifo heuer um einen ganzen Prozentpunkt auf 0,6 Prozent des BIP verringern und sollte 2018 weiter zurückgehen. Dies sei aber ausschließlich auf das starke Wachstum, an dem alle Nachfragekomponenten beteiligt seien, und auf die günstigen Finanzierungskonditionen zurückzuführen und bedeute keine nachhaltige Strukturverbesserung.




Schlagwörter

Konjunktur, Herbstprognosen, Wifo, IHS

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Dokument erstellt am 2017-09-29 16:54:06



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