• vom 13.10.2017, 16:39 Uhr

Österreich


Altersvorsorge

Zukunftsvorsorge-Markt schrumpft




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Von Rosa Eder-Kornfeld

  • "Grasser-Rente": Zahl der Verträge zum vierten Mal in Folge rückläufig.

Unbeschwert in den Ruhestand: Wer finanziell vorgesorgt hat, braucht sich nicht einzuschränken. - © fotolia/Jenny Sturm

Unbeschwert in den Ruhestand: Wer finanziell vorgesorgt hat, braucht sich nicht einzuschränken. © fotolia/Jenny Sturm

Wien. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das wollte im Jahr 2003 der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit der Einführung der "Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge". Einerseits sollten die Österreicherinnen und Österreicher dazu animiert werden, freiwillig etwas auf die hohe Kante zu legen, andererseits sollte der heimische Kapitalmarkt belebt werden.

Ausgestattet mit staatlicher Prämie, Kapitalgarantie und Steuerfreiheit bei der Auszahlung als Rente erfreuten sich die neuen Zukunftsvorsorgeprodukte der Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) vom Start weg großer Beliebtheit. So wurden in den ersten beiden Jahren 465.000 Verträge abgeschlossen und 530 Millionen Euro veranlagt. 2008 wurden bereits 1,3 Millionen Verträge gezählt, das verwaltete Vermögen betrug 2,79 Milliarden Euro.

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Grasser machte damit Österreich zum Land der Aktionäre, denn den Anbietern wurde vorgeschrieben, die Zukunftsvorsorge-Gelder ihrer Kunden zu mindestens 40 Prozent in (vorwiegend österreichischen) Aktien anzulegen. Solange die Börsenkurse stiegen, wurde das auch nicht groß hinterfragt, immerhin sollte der hohe Aktienanteil ja mehr Rendite bringen als etwa Anleihen oder Sparbücher.

Dann kam die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Finanzkrise, in deren Sog auch die Wiener Börse geriet. Nahezu alle ATX-Unternehmen - darunter Erste Group, Raiffeisen International, Voestalpine, OMV - verzeichneten im Jahr 2008 zweistellige Verluste, der ATX brach um 62 Prozent ein. Die Performance der "Grasser-Rente" belief sich auf minus 15,3 Prozent. 2007 waren es noch plus 1,3 Prozent gewesen.

Zahlreiche Zukunftsvorsorgeverträge wurden "ausgestoppt", das heißt, der Aktienanteil wurde aufgegeben beziehungsweise auf ein Minimum reduziert, was das "Aus" für die in Aussicht gestellten üppigen Renditen bedeutete.

Ende 2016 lag die Zahl der Verträge, bei denen die ertragswirksame Aktienquote unter 1 Prozent reduziert wurde, um zumindest das eingezahlte Kapital garantiert wieder auszahlen zu können, bei 26.952 oder 2 Prozent aller aufrechten Verträge, teilte die Finanzmarktaufsicht (FMA) mit. "Das Problem dieser sogenannten ‚ausgestoppten Verträge‘ betrifft insbesondere die KAGs, bei denen der Anteil 16,7 Prozent beträgt, während es bei Versicherungsunternehmen nur 1,7 Prozent der Verträge trifft", so die FMA.

8,4 Milliarden Euro Anlagevermögen
Im vergangenen Jahr stieg das in der "Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge" (PZV) verwaltete Vermögen um 2,9 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro, wobei die Kapitalanlagegesellschaften ein Rückgang um 35 Prozent auf 236 Millionen Euro und die Versicherer einen Zuwachs um 4,6 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro verzeichneten. Grund für den starken Rückgang bei den KAGs ist laut FMA, dass sie seit 2010 kein Neugeschäft mehr schreiben und die bestehenden Verträge mit ausschließlich zehn Jahren Laufzeit nun großteils auslaufen.

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Dokument erstellt am 2017-10-13 16:45:05



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