• vom 04.12.2017, 16:54 Uhr

Österreich

Update: 04.12.2017, 17:08 Uhr

Nachfolgeplanung in Betrieben

Familienunternehmen zwischen Bangen und Hoffen




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Von Andrea Möchel

  • Heimische Familienbetriebe wünschen sich mehr europäische Integration und qualifizierte Arbeitskräfte.

Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften - ein Wunsch von Familienbetrieben (im Bild der Kabelproduzent Gebauer & Griller). - © Griller

Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften - ein Wunsch von Familienbetrieben (im Bild der Kabelproduzent Gebauer & Griller). © Griller

Wien. "Familienunternehmen blicken durchwegs optimistisch in die Zukunft. Mit ein Grund für diese Zuversicht sind sicher die stetigen Umsatzsteigerungen, die der Großteil der Unternehmen auch heuer wieder verzeichnen konnte. Gleichzeitig ist die Gewinnung von qualifiziertem Personal neben der Nachfolgeplanung weiterhin die größte Herausforderung." Es ist ein durchaus differenziertes Bild der heimischen Familienunternehmen, das Yann-Georg Hansa vom Wirtschaftsberatungsunternehmen KPMG zeichnet.

Grundlage für seinen Befund ist die aktuelle Studie European Family-Business-Barometer, die jedes Jahr vom Verband European Family Businesses (EFB) gemeinsam mit KPMG veröffentlicht wird.

Brexit sorgt für Unsicherheit

Die Studie deckt heuer, neben der Fortsetzung des erfreulichen Trends bei Umsatz und Investitionsbereitschaft, auch eine Menge Problemfelder auf. So bereitet die Unsicherheit über die Zukunft der Europäischen Union, Stichwort Brexit, vielen Familienunternehmen Kopfzerbrechen. Auf die Frage, welches Szenario sie sich für die Zukunft Europas wünschen, nannten 85 Prozent der österreichischen Unternehmen "mehr Integration". Zum Vergleich: Europaweit wünschen sich dies lediglich 56 Prozent. "Österreichische Mittelstandsunternehmen sind als exportstarke Unternehmer im Vergleich zum europäischen Durchschnitt mehr auf Export und Fachkräfte angewiesen. Eine engere Verschränkung erhöht daher auch die Wettbewerbsfähigkeit", begründet KPMG-Experte Peter Humer die Diskrepanz. "Heimische Familienunternehmen bevorzugen daher eine starke, vereinte EU, weshalb da, wo es Sinn macht und zu einem Mehrwert führt, die Integration verstärkt werden soll und engere politische Bindungen aufgebaut werden sollen."

Wunsch nach Abbau bürokratischer Hürden

Eine starke EU ist freilich nur ein Punkt auf der langen Wunschliste heimischer Unternehmen. Ebenfalls gefordert werden Gesetze zum Abbau bürokratischer Hürden (Österreich 44 Prozent/Europa 33 Prozent), niedrigere Steuern (Österreich 21 Prozent/Europa 32 Prozent) und erleichterten Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften (Österreich 46 Prozent/ Europa 39 Prozent), bei gleichzeitig geringeren Lohnnebenkosten (Österreich 56 Prozent/Europa 27 Prozent).

Erfreulich ist, dass 72 Prozent der österreichischen Unternehmen strategische Investitionen bei Infrastruktur, Produktion und Marketing planen, beziehungsweise zusätzliche Arbeitskräfte einstellen wollen. Gerade Letzteres erweist sich hierzulande jedoch als schwierig. So bewerten 43 Prozent den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als großes Problem für das kommende Jahr.

Zwischen visionär und konservativ

Eine bemerkenswerte Polarisierung zeigt sich beim Thema digitale Transformation. 46 Prozent der österreichischen Familienunternehmen halten sich hier für eher visionär und innovativ. Fast genauso viele, nämlich 44 Prozent, schätzen sich selbst als eher konservativ und passiv ein. "Diese Polarisierung liegt zum einen an den verschiedenen Branchen, und zum anderen auch an der Einstellung der "konservativen" Unternehmer, sich aufgrund ihrer bisherigen Markterfolge nicht ändern zu müssen, beziehungsweise das Thema Digitalisierung als Hype zu sehen, weil sie die ständige technische Optimierung ohnedies als selbstverständlich betrachten", erklärt Humer.

Kooperationen mit Start-up

Um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen, setzen europäische Familienunternehmen vermehrt auf eine Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups. Auch für 73 Prozent der heimischen Betriebe ist eine derartige Kooperation denkbar, aber nur 15 Prozent haben eine solche bereits umgesetzt. Die Gründe für das Scheitern einer angestrebten Zusammenarbeit sind vielfältig. "Häufig stellen wir fest, dass aneinander vorbei kommuniziert wird", sagt Jürgen Lederer, Start-up-Experte bei KPMG. "Die innovative Idee trifft auf etablierte traditionelle Geschäftsmodelle und was auf den ersten Blick als ‚perfect match‘ gesehen wird, stößt im Detail auf scheinbar unüberwindbare Hürden. Bei professioneller Analyse stellen sich diese dann als sehr wohl lösbar heraus, aber oft kommt es zu diesem Schritt nicht mehr, weil eine der Parteien bereits das Interesse verloren hat."

Die gute Nachricht: In den vergangenen Jahren sei es sehr viel leichter geworden, geeignete Start-up-Firmen zu finden. Lederer: "Wer als etablierter Unternehmer durch junge Ideen einen Innovationsschub in der eigenen Organisation wünscht, findet in den großen Start-up Hubs und Messen sowie Investorennetzwerken heute jederzeit die Möglichkeit zur Kooperation."





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Dokument erstellt am 2017-12-04 16:59:05
Letzte nderung am 2017-12-04 17:08:57



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