• vom 11.01.2018, 17:17 Uhr

Österreich


Staatsschulden

Zinstief entlastete Staat bisher mit 60 Milliarden Euro




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  • "Österreich hat sich noch nie so günstig finanziert", sagt der Chef der Bundesfinanzierungsagentur.

- © Wien Tourismus/Stemper

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Wien. (kle) Wegen der tiefen Zinsen haben es Schuldner seit Jahren wesentlich besser als Sparer. Das gilt vor allem für besonders kreditwürdige Schuldner wie die Republik Österreich. Denn gemessen am durchschnittlichen Zinsniveau vor der globalen Finanzkrise hat sie sich seit 2009 etwa 60 Milliarden Euro an Zinszahlungen erspart, obwohl ihre Schulden auf mehr als 211 Milliarden Euro geklettert sind.

Diese Zahlen gab Markus Stix, Chef der OeBFA, der Bundesfinanzierungsagentur, am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten bekannt. Die OeBFA ist für die Aufnahme von Schulden (im Regelfall über Anleihen), das Schuldenportfoliomanagement und die Kassenverwaltung des Bundes zuständig. Ihre Aufgabe ist es, die Zahlungsfähigkeit der Republik zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten.


"Österreich hat sich noch nie so günstig finanziert", berichtete Stix mit Blick auf die vergangenen Jahre. Das hat den Zinsaufwand sukzessive nach unten gedrückt. Hatte dieser 1996 noch 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen, so fiel er bis 2017 auf 1,5 Prozent. In absoluten Zahlen sind dies 5,4 Milliarden Euro respektive 588 Euro pro Kopf.

Rekord bei Finanzierungen
2017 hat die OeBFA mit rund 40 Milliarden Euro das bisher meiste Geld in einem Jahr im Namen der Republik aufgenommen. Zur Begründung verwies Stix auf eine acht Milliarden Euro schwere Refinanzierung der KA Finanz, einer staatlichen Abbaueinheit, die aus der Spaltung der alten Kommunalkredit hervorgegangen ist.

Was die Zinsen betrifft, die der Bund seinen Kreditgebern durchschnittlich zu zahlen hat, so fielen diese 2017 erstmals unter die Marke von 2,5 Prozent - konkret auf 2,47 Prozent. Im Jahr davor waren es noch 2,68 Prozent gewesen.

Während also die durchschnittliche Höhe der Zinsen rückläufig war, ist die durchschnittliche Restlaufzeit bei den Bundesanleihen auf rund zehn Jahre gestiegen. Als Hauptgrund dafür nannte Stix die im September emittierte hundertjährige Anleihe, die erste ihrer Art, die der Bund begeben hat (die "Wiener Zeitung" berichtete). Der mit einem Zinskupon von 2,1 Prozent ausgestattete Bond ist mit 3,5 Milliarden Euro Nennwert die größte hundertjährige Staatsanleihe der Welt. Ursprünglich hatte die OeBFA ein Volumen von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro geplant. "Von der extremen Nachfrage waren wir sehr überrascht", sagte Stix im Rückblick.

Derzeit nur zweitbestes Rating
Für heuer hat die Bundesfinanzierungsagentur ein Emissionsvolumen von 27 bis 30 Milliarden Euro am Programm, wovon das Gros über Anleihen aufgenommen werden soll. Stix rechnet damit, dass die Zinsen im laufenden Jahr wieder steigen werden. Bis Ende 2018 dürfte sich die Rendite im zehnjährigen Laufzeitenbereich jedenfalls von 0,6 auf 1,3 Prozent mehr als verdoppeln. Stix: "Die Zinskurve wird steiler, der kurzfristige Bereich aber negativ bleiben." 2017 gelang es der OeBFA insgesamt vier Mal, eine Anleihe mit negativer Rendite zu verkaufen.

Das Marktumfeld selbst sieht Stix aktuell vom neuen EZB-Regime geprägt, bis September 2018 monatlich nur noch ein Anleihevolumen von 30 statt 60 Milliarden Euro zu kaufen. Das habe seit Dezember zu leichten Zinserhöhungen geführt.

Zu den Ratings der Republik meinte Stix, dass er sich angesichts der positiven Konjunktur- und Schuldenentwicklung vorstellen könne, dass diese wieder auf die Bestnote, das Triple-A, angehoben werden. Derzeit hat Österreich bei den großen Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch nur die zweitbeste Note.




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Dokument erstellt am 2018-01-11 17:20:06



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