• vom 14.05.2015, 15:28 Uhr

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Update: 14.05.2015, 16:44 Uhr

Industrie

Saures statt Süßes




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  • Anhaltender Preisverfall bei Zucker vermiest der Agrana erneut die Bilanz.



Wien. (kle) Seit Jahren sind die Märkte mit Zucker geradezu überschwemmt. Das globale Überangebot hat einen massiven Preisverfall ausgelöst. Darunter leiden viele Zuckerproduzenten - auch die zu Raiffeisen gehörende Agrana. Lag der Zuckerpreis vor rund vier Jahren noch auf einem Rekordhoch, hat er sich seither mehr als halbiert. Vor diesem Hintergrund war die Agrana im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende Februar) mit einem weiteren Gewinneinbruch konfrontiert.

Eine kurzfristige Trendumkehr im Zuckergeschäft - neben den Sparten Stärke, Frucht und Ethanol das Hauptstandbein des Konzerns - sieht Vorstandschef Johann Marihart nicht. Er rechnet daher auch für das laufende Wirtschaftsjahr mit einem deutlichen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit).


Dass das Ebit 2014/15 gegenüber dem Jahr davor um gut ein Viertel auf 121,7 Millionen Euro schrumpfte, war jedoch nicht nur die Folge des tief gefallenen Zuckerpreises. Auch Sonderkosten - bedingt durch Restrukturierungen im Frucht-Segment - und schwächere Verkaufspreise bei Bioethanol und Fruchtsaftkonzentraten schmälerten der Agrana den operativen Gewinn.

Unterm Strich, also nach Steuern, verdiente das börsennotierte Wiener Unternehmen 84,6 Millionen Euro. Obwohl der Netto-Gewinn damit deutlich geringer ausfiel als im Geschäftsjahr 2013/14 (107,0 Millionen Euro), soll an die Eigentümer eine unveränderte Dividende von 3,60 Euro pro Aktie ausgeschüttet werden, wie Marihart am Mittwoch in der Bilanzpressekonferenz ankündigte.

EU-Zuckermarktordnung
Auf das Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung im Herbst 2017 bereitet sich die Agrana mit der Modernisierung ihrer Zuckerfabriken und der Erhöhung von Zuckerrüben-Einkaufskontrakten - etwa in Ungarn - vor. Die EU-Marktordnung regelt den Import von Rohrzucker und wirkt somit preisregulierend auf den Zuckermarkt in Europa. Das Zuckergeschäft will Marihart deswegen aber nicht zurückfahren: "An Schließungen ist nicht gedacht."

Beim größten europäischen Zuckerkonzern Südzucker, der neben Raiffeisen zu den Agrana-Hauptaktionären zählt, ist das im Gegensatz dazu sehr wohl der Fall. Wie das deutsche Unternehmen vor Kurzem mitteilte, ist etwa beabsichtigt, die Zuckerproduktion im französischen Marseille einzustellen. Wegen des künftigen Wegfalls der EU-Zuckermarktordnung will Südzucker vor allem auch in der Verwaltung Kosten einsparen. So ist geplant, Jobs in dreistelliger Höhe zu streichen.

Von Personalabbau ist bei der Agrana trotz der Probleme in der Zuckersparte indes keine Rede. Weltweit beschäftigte das 1988 gegründete Unternehmen zuletzt rund 8700 Mitarbeiter an mehr als 50 Produktionsstandorten.

Kein Investitionsstopp
Während Marihart beim Ebit für 2015/16 damit rechnet, dass es nochmals deutlich runtergeht, erwartet er bei den Umsätzen einen stabilen Wert. 2014/15 lagen diese bei knapp 2,5 Milliarden Euro - gegenüber dem Jahr davor ein Minus von gut zwölf Prozent. Wobei allein die Russland/Ukraine-Krise in der Fruchtsparte wegen Währungsschwankungen und Absatzrückgängen rund 30 Millionen Euro Erlös gekostet habe, wie der neue Finanzvorstand Stephan Büttner erklärte.

An Investitionen hat die Agrana für das laufende Geschäftsjahr insgesamt rund 93 Millionen Euro geplant. Mehrere Projekte stehen auf der Agenda. So sollen in der Zuckersparte die Melasseentzuckerung in Tulln (Niederösterreich) und das neue Zuckerverpackungszentrum in Kaposvár (Ungarn) fertiggestellt werden. Daneben will der Konzern im Segment Stärke seine Produktionskapazitäten in Aschach/Donau (Oberösterreich) und in Gmünd (Niederösterreich) ausbauen.




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Dokument erstellt am 2015-05-14 15:32:05
Letzte nderung am 2015-05-14 16:44:48



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