• vom 19.09.2016, 13:52 Uhr

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Update: 20.09.2016, 13:11 Uhr

Konsum

Textilbranche hängt am seidenen Faden




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Von Andrea Möchel

  • Geänderte Konsumgewohnheiten und der boomende Online-Handel zwingen die Textilbranche zu einem Strukturwandel.

Mit Schnäppchen setzen Discounter die Branche unter Druck.

Mit Schnäppchen setzen Discounter die Branche unter Druck.© fotolia/victoria p. Mit Schnäppchen setzen Discounter die Branche unter Druck.© fotolia/victoria p.

Wien.Immer öfter, schneller, billiger - so lautet die Devise des "Homo Shoppensis". Unter dem Schlagwort "Fast Fashion" bringt dieser Trend nun die Textilbranche gehörig ins Schwitzen.

"Eine Frau kauft durchschnittlich 30 Kilogramm Kleidung pro Jahr. Rund ein Drittel davon wird nie getragen. Um sich diesem neuen Konsumverhalten anzupassen, müssen die Bekleidungsunternehmen die Zeitspanne zwischen Design und Verkauf verkürzen. Sie müssen ständig ihr Angebot im Laden und im Internet erneuern." Zu diesem Schluss kommt der Branchenbericht "Textil und Bekleidung" des internationalen Kreditversicherers Euler-Hermes mit Sitz in Hamburg. Die Zeiten, in denen Fashionistas mit nur zwei Kollektionen für Sommer und Winter ihr Auslangen fanden, seien demnach passé. Der kollektive Kaufrausch verlangt nun nach sechs bis zwölf Kollektionen pro Jahr.

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Fast-Fashion
Dieser Speed hat Konsequenzen sowohl für die Textilproduzenten als auch für den Einzelhandel. "Das schnelllebige Konsumentenverhalten erfordert schnellere Lieferzeiten", sagt Marina Machan von der Kreditversicherung Prisma. "Diese Lieferzeiten sind aus osteuropäischen Fabriken besser realisierbar als aus Asien. Die Lieferketten verändern sich also, und darauf müssen sich Unternehmen einstellen." Gemeinsam mit Euler-Hermes hat Prisma in einer Marktanalyse die Situation der Textilbranche beleuchtet. Ergebnis: Der Strukturwandel ist in vollem Gange. Die Konkurrenz durch den Online-Handel wird stärker und damit der Investitionsbedarf höher.

Doch stagnierende Umsätze, geringe Margen und ein hoher Wettbewerbsdruck machen vielen schwer zu schaffen. Und das, obwohl die Branche nach wie vor durch einen relativ stabilen Konsum gestützt wird. Ein weiteres Problem sind die zum Teil sehr langen Zahlungsziele. Bei einigen Marktteilnehmern ist der finanzielle Spielraum für Investitionen in den Strukturwandel daher gering.

"Einige textile Einzelhändler hängen am seidenen Faden", bestätigt Ron van het Hof, Chef von Euler-Hermes für den deutschsprachigen Raum. "Durch die geringen Margen ist die Ertragsprognose und Liquiditätsdecke bei manchen Firmen relativ gering und das Ausfallrisiko in einigen Fällen hoch." Ein Indiz dafür: In Deutschland haben heuer neben vielen kleineren Pleiten bereits mehrere namhafte Insolvenzen die Textilbranche erschüttert, darunter das Traditions-Modeunternehmen Steilman, die Modekette Wöhrl und ihre Schwesterfirma Sinn Leffers. "Insgesamt beobachten wir, dass die Bonität in der Branche im Durchschnitt abnimmt. Das werden deshalb vermutlich nicht die letzten Insolvenzen gewesen sein", so Ron van het Hof pessimistisch.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-19 13:56:05
Letzte nderung am 2016-09-20 13:11:04



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