• vom 20.12.2016, 16:32 Uhr

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Heuer mehr kleinere Firmen in Insolvenz gegangen




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  • KSV: Volkswirtschaftliche Bedeutung der Insolvenzen zurückgegangen.



Wien. Heuer sind etwas mehr, aber deutlich kleinere Firmen pleitegegangen. "Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Insolvenzen ist spürbar zurückgegangen", sagte Hans-Georg Kantner, Experte vom Gläubigerschutzverband KSV1870 am Dienstag in einer Pressekonferenz. Die Firmeninsolvenzen, ob eröffnet oder mangels Masse abgewiesen, steigen heuer gegenüber 2015 laut KSV-Hochrechnung um 1,5 Prozent auf insgesamt 5227.

Eröffnet wurden 3162 Firmeninsolvenzen. Abgewiesen wurden 2065. Die Zahl der von Pleiten betroffenen Dienstnehmer ging heuer um rund 13 Prozent auf 18.900 zurück. Das zeigt bei einem gleichzeitigen Anstieg der Pleiten, dass im laufenden Jahr mehr Kleine und Kleinstunternehmen insolvent wurden. "Es hat im Jahr 2016 deutlich kleinere Unternehmen getroffen", sagte Kantner. Grundsätzlich sei der moderate Anstieg der Firmeninsolvenzen "keinesfalls Anlass zur besonderen Besorgnis, Verzweiflung oder Alarm", sagte Kantner.


Insolvenzquote
gesunken

Die Insolvenzquote, also der Anteil der insolventen Firmen an allen Unternehmen, sank über die vergangenen Jahre auf nunmehr rund 1,3 Prozent, erklärte Kantner. Die Anzahl der Pleiten heuer entspricht beispielsweise "nur" 83 Prozent des Werts aus 2007, dem letzten Jahr vor der Krise.

Die Höhe der Insolvenzverbindlichkeiten sank um 4,5 Prozent auf 2,32 Milliarden Euro - wenn man die Verbindlichkeiten aus den Pleiten der Activ Solar und der SLAV AG herausrechnet, die sich im Ausland abspielten - und die heimische Statistik de facto um 620 Millionen Euro Passiva auf 2,94 Milliarden Euro erhöhen. Unter Einbeziehung der beiden Insolvenzen ergibt sich ein Plus bei den Verbindlichkeiten gegenüber 2015 von 21 Prozent.

Im privaten Bereich kam es zu 8101 Pleiten. Das ist ein Minus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so die KSV-Prognose. Rund 70 Prozent der Privatpleiten treffen echte Private, die wegen ihres Konsumverhaltens im Schnitt mit 58.500 Euro überschuldet sind. Der Rest sind Ex-Unternehmer mit Schulden von rund 290.000 Euro, erklärte Kantner. Der Gesamtdurchschnitt pro Privatpleitefall liegt somit bei 128.500 Euro.

Moderater Zuwachs bei Pleiten
im Jahr 2017 erwartet

Für das kommende Jahr sieht er einen moderaten weiteren Zuwachs bei den Unternehmensinsolvenzen. Die Talsohle sei schon vor etwa einem Jahr durchschritten worden. Sorge sei für das kommende Jahr aber keine angebracht. Die Wachstumserwartungen seien positiv. Diese Erwartungen seien aber auch Vorboten für Zinserhöhungen. "Beides sind Motoren für mehr Unternehmensinsolvenzen", sagte Kantner.

Unternehmensgründer erinnerte Kantner an das notwendige Eigenkapital. Es sollte ungefähr so berechnet werden, dass man zumindest ein Jahr als Gründer sein Auslangen finden können müsse, ohne aus der Firma regelmäßig Geld entnehmen zu müssen. "Das wäre sozusagen eine Mindestkapitalisierung, eine Art Humankapitalisierung eines neuen Unternehmens." Daher sei es auch schwer vorstellbar, aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen zu gründen, gab Kantner zu bedenken. "Wiewohl man sagen muss, aus der Not sind schon viele Erfolge entstanden."




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Dokument erstellt am 2016-12-20 16:38:05



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