• vom 07.06.2017, 17:27 Uhr

Unternehmen

Update: 07.06.2017, 17:36 Uhr

Insolvenzen

Warten auf die Privatkonkurs-Novelle




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  • Hoch verschuldete Personen halten ihre Anträge zurück: ein Drittel weniger Fälle im ersten Halbjahr.



Wien. (ede/apa) Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer scheitert, hat es zumindest versucht. Schön ist es trotzdem nicht, als Unternehmer zu versagen und Insolvenz anmelden zu müssen. Nicht nur, dass sich plötzlich der Freundeskreis deutlich dezimiert, kämpfen gescheiterte Selbständige hierzulande auch meist mit dem Verlust ihrer Reputation und tun sich schwer damit, wieder Fuß zu fassen. Das geplante neue Insolvenzrecht soll die Chance auf einen Neustart erhöhen und Scheitern gesellschaftsfähig machen.

"Wir stehen hinter einem modernen Insolvenzrecht", bekräftigt Insolvenzexperte Georg Kantner vom Kreditschutzverband1870. Schließlich seien "wiederauferstandene" Unternehmer wesentlich erfolgreicher als jene, die nie gescheitert seien, sagt Kantner mit Verweis auf die Studie "Setting the Phoenix Free" von Boston Consulting. Aber: Sogenannte "Konsumschuldner" - Verbraucher, die sich etwa mit einem Kredit übernommen haben - könnten sich durch die Novelle allzu leicht entschulden, kritisierte Kantner am Mittwoch erneut vor Journalisten. Er macht sich Sorgen um die Zahlungsmoral der Schuldner, wenn die Entschuldungsdauer nun kürzer wird.

Wie berichtet soll das Abschöpfungsverfahren, das bei Ablehnung eines Zahlungsplanes eingeleitet wird, von derzeit sieben auf drei Jahre verkürzt werden, und die Mindestquote (bisher 10 Prozent) soll fallen. Das hat sich herumgesprochen: Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hat sich die Zahl der Privatinsolvenzen laut einer Hochrechnung des KSV1870 um 31 Prozent auf rund 3000 Fälle reduziert. Kantner führt das auf die Ankündigung der Novelle des Insolvenzrechts zurück. "Die Schuldner halten ihre Insolvenzanträge zurück und werden diese erst im zweiten Halbjahr bei den Gerichten stellen", erwartet er.

Beschluss "ohne weiteren Feinschliff" erwartet

Die Novelle dürfte "ohne weiteren Feinschliff" - wie etwa Übergangsregeln und die Unterscheidung zwischen Konsumschuldnern und anderen Schuldnern - noch in dieser Legislaturperiode das Parlament passieren, er habe allerdings seit 5. Mai nichts mehr gehört, so Kantner. Am 21. Juni tagt wieder der Justizausschuss. Zwar gibt es noch keine offizielle Tagesordnung, Informationen der APA zufolge kommt die Privatkonkursreform aber schon auf die Agenda.

Die staatlich anerkannten Schuldnerberatungen begrüßen hingegen die geplante Reform, da damit mehr Menschen entschuldet werden könnten, denn häufig werde die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen. Der Privatkonkurs biete eine Chance, wieder ein geregeltes Leben zu führen. Kantner schätzt, dass letztlich die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren 2017 etwa auf dem Vorjahresniveau - rund 8000 - zu liegen kommen.

Weniger Unternehmensinsolvenzen

In den ersten sechs Monaten wurden hochgerechnet 1514 Unternehmen insolvent - ein Minus von sieben Prozent. Mangels Vermögen konnten jedoch erneut rund 1000 Verfahren nicht eröffnet werden. Insgesamt gab es 2542 insolvente Unternehmen mit Verbindlichkeiten von 652 Millionen nach 1,8 Milliarden Euro. Der starke Rückgang bei den Passiva hänge mit drei Großinsolvenzen im Vorjahr zusammen, die mit der österreichischen Wirtschaft kaum Berührungspunkte hatten, so der KSV1870. Rechnet man diese drei Fälle heraus, betragen die Passiva um 25 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. "Wiederum führen unter anderem Gastgewerbe und unternehmensbezogene Dienstleistungen die Liste an", so der KSV1870. Grund dafür seien die vielen Unternehmen und die geringen Hürden für Gründungen in diesen Branchen.





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Dokument erstellt am 2017-06-07 17:32:06
Letzte ─nderung am 2017-06-07 17:36:06



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