• vom 15.08.2017, 13:13 Uhr

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Update: 15.08.2017, 20:42 Uhr

Luftfahrt

Air Berlin ist pleite




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Von WZ Online, APA, Reuters, afp, dpa

  • Defizitäre Airline soll bis November mit Finanzspritze über Wasser gehalten werden.

Die Aktien der Air Berlin sind am Dienstagnachmittag an der Frankfurter Börse um nahezu die Hälfte ihres Werts abgestürzt. - © APA/Ralf Hirschberger

Die Aktien der Air Berlin sind am Dienstagnachmittag an der Frankfurter Börse um nahezu die Hälfte ihres Werts abgestürzt. © APA/Ralf Hirschberger



Frankfurt/Wien. Die schwer angeschlagene Niki-Mutter Air Berlin hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways den Geldhahn zugedreht hat. Es sei derzeit nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Niki Luftfahrt und die Leisure Cargo zu stellen.

Air Berlin betonte, dass ihre Flugpläne weiter gültig blieben und alle Flüge stattfänden. Gebuchte Tickets behalten demnach ihre Gültigkeit, alle Flüge seien weiterhin buchbar. "Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen", teilte Unternehmenschef Thomas Winkelmann mit.

Die deutsche Regierung gibt Air Berlin einen Übergangskredit von 150 Millionen Euro. Das Luftfahrtbundesamt erhalte die Betriebsgenehmigung für Air Berlin aufrecht, zusammen mit dem Kredit des deutschen Bundes sichere das den Flugbetrieb bis Ende November, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Aufgrund des Insolvenzrechtes wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag gemeinsam mit. Der Kredit werde durch die staatliche Kfw-Bank gewährt und sichere den Betrieb in vollem Umfang.

Die Aktien der Air Berlin sind am Dienstagnachmittag an der Frankfurter Börse um nahezu die Hälfte ihres Werts abgestürzt, nachdem die schwer angeschlagene Fluggesellschaft einen Antrag auf Insolvenz gestellt hat. In der Spitze verloren die Papiere rund 50 Prozent, gegen 14.30 lagen sie immer noch um satte 47 Prozent im Minus bei 0,405 Euro. Zwischenzeitlich wurde die Aktie sogar vom Handel ausgesetzt

Etihad hat Geduld verloren

Etihad könne kein weiteres Geld bereitstellen, erklärte die Airline aus Abu Dhabi am Dienstag nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin. "Diese Entwicklung ist äußerst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den vergangenen sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt hat."

Erst im April habe Etihad weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. "Doch das Geschäft von Air Berlin hat sich in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert." Als Minderheitsaktionär könne Etihad kein weiteres Geld zuschießen und das eigene Risiko erhöhen. Die Fluggesellschaft war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline.

Lufthansa im Gespräch

Verhandlungen unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa über einen Verkauf von Betriebsteilen liefen bereits, erklärte Air Berlin. Lufthansa bestätigte, dass sich die Fluglinie mit Air Berlin bereits in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen des Unternehmens befinde und sich damit auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal biete.

Neben der AUA-Mutter Lufthansa ist die britische Airline Easyjet einem Insider zufolge an dem Kauf von Teilen der insolventen Air Berlin interessiert. Dabei gehe es vor allem um die Übernahme der Start- und Landerechte (Slots) von Air Berlin, sagte der Insider am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters

Niki geht an Etihad

Für die Air Berlin-Tochter Niki mit ihren 850 Beschäftigten ist derzeit nach Unternehmensangaben nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Im Dezember 2016 war vereinbart worden, dass Air Berlin ihre österreichische Tochter Niki an Etihad verkauft. Etihad wollte im Anschluss die Niki-Beteiligung in ein neues Joint Venture mit dem Reisekonzern TUI einbringen. Der zweite Teil des Deals ist geplatzt.


Der Abschluss des Niki-Verkaufs an Etihad selbst steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Erst im Juni hatte Etihad-CEO Ray Gammell erklärt, man wolle die Transaktion in Kürze abschließen. "Unsere Investition in Niki steht."

Sorge um tausende Arbeitsplätze

Die Gewerkschaften hoffen nach der Pleite von Air Berlin auf den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Die Nachricht der Insolvenz von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie sei ein Schock für die Mitarbeiter, erklärte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstag. Doch der Luftverkehr in Deutschland wachse. "Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, diese deutschen Arbeitsplätze zu erhalten", gab sich VC-Präsident Ilja Schulz zuversichtlich.

Skeptischer äußerte sich Verdi-Bundesvorstand Christine Behle: "Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten." Deren Sicherung müsse oberste Priorität haben. Air Berlin müsse "mit Hochdruck daran arbeiten, tragfähige und gute Konzepte zu entwickeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten." Anfang des Jahres zählte Air Berlin rund 8600 Mitarbeiter.

Seit Jahren defizitär

Die 1978 gegründete Fluggesellschaft Air Berlin ist mit dem Boom der Billigflieger groß geworden. Erfolg hatte Deutschlands zweitgrößte Airline zunächst mit Flügen von Berlin nach Mallorca. 2002 nahm sie Linienflüge in europäische Städte ins Programm. Nach einem radikalen Expansionskurs geriet das Unternehmen in eine Krise.

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Mio. Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach. Am Freitag will Air Berlin seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vorlegen.

Frankfurt – Air Berlin
hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in
Eigenverwaltung gestellt. Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte
Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Dienstag mit. (Reuters,
15.8.2017) -
derstandard.at/2000062676228/Air-Berlin-meldet-Insolvenz-an-Flugbetrieb-wird-fortgefuehrt
Frankfurt – Air Berlin
hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in
Eigenverwaltung gestellt. Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte
Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Dienstag mit. (Reuters,
15.8.2017) -
derstandard.at/2000062676228/Air-Berlin-meldet-Insolvenz-an-Flugbetrieb-wird-fortgefuehrt




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Dokument erstellt am 2017-08-15 13:13:56
Letzte ńnderung am 2017-08-15 20:42:10



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