• vom 03.10.2017, 17:23 Uhr

Unternehmen


Gleichbehandlung

Lohnfairness verbessert Erfolg




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





Das könne daran liegen, dass "kaum über Sanktionen berichtet wird", heißt es in der Studie. Denn hier hat das Gesetz Schwächen: Bei einem Verstoß gegen die Angabepflicht müssten Stellensuchende bei der Bezirksverwaltungsbehörde Anzeige erstatten. Bei erstmaliger Verletzung der Pflicht kommt es zu einer Verwarnung, bei weiteren Verstößen wird eine Verwaltungsstrafe bis zu 360 Euro verhängt.

Bei den Einkommensberichten wiederum zeigt sich, dass die Verschwiegenheitspflicht gegenüber Unternehmensexternen der gewünschten Einkommenstransparenz entgegenwirkt, sie hemmt auch die interne Kommunikation. Der Bekanntheitsgrad der Ergebnisse ist laut Studie folglich "innerhalb der Unternehmen überschaubar bis nicht vorhanden und führe dadurch nicht zu einer Verstärkung der innerbetrieblichen Transparenz".

Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner ist mit den aktuellen Gesetzen nicht zufrieden: "Es braucht viele Rädchen, an denen wir drehen müssen. Wenn wir nicht an diesen drehen, müssten wir fünf Jahrzehnte warten, bis die Einkommensschere geschlossen ist." Frauenministerium, ÖGB, Arbeiterkammer und Gleichbehandlungsanwaltschaft haben daher eine Toolbox erstellt, mit der Betriebsräte Einkommensberichte bekannter machen können, ebenso können daraus Frauenförder- und Gleichstellungsmaßnahmen abgeleitet werden.

Migrantinnen sind
doppelt benachteiligt

Das hat das Austrian Institute of Technology bereits gemacht. Da die vergleichsweise hohen Gehälter den Technikerinnenanteil im Unternehmen von aktuell 22 Prozent kaum erhöhen, macht AIT Frauen in Stelleninseraten auch optisch sichtbar, "wegen der Vorbildwirkung", berichtet Eva Wilhelm, die Konzernbetriebsratsvorsitzende des 1300 Mitarbeiter großen Unternehmens. Dazu arbeite man im Moment an einem Karenzmanagement, da ein rascherer Wiedereinstieg nach Karenzzeiten für geringere Gehaltseinbußen sorgt. Auch aus den Einkommensberichten habe man Lehren gezogen: "Wir hatten Technikerinnen, die aus den neuen EU-Ländern kamen, die schlechter eingestuft wurden als andere."

Gleichbehandlungsanwältin Sandra Konstatzky sagt allerdings, dass die Einkommensberichte in Verfahren gegen Lohndiskriminierung eingesehen werden können. Sie weist allerdings auch darauf hin, dass sich ein genauerer Blick auf die Tätigkeiten von Frauen und Männern in den Unternehmen lohne: "Am Beispiel Hausarbeiter im Vergleich zur Sekretärin zeigt sich, dass die Bewertung von Arbeit nicht passt." Typische Frauenberufe seien oft schlechter entlohnt als typische Männerberufe. "Es geht jetzt auch mal darum, zu schauen, ob das wirklich unterschiedliche oder doch gleichwertige Tätigkeiten sind." Hier könnten Unternehmen auch betriebsintern für einen Ausgleich sorgen.

Gleiche, aber
niedrige Löhne

Rolf Denkenberger, Leiter Personal und Recht beim Systemgastronomen Nordsee mit insgesamt 460 Beschäftigten in den 33 Filialen in Österreich, berichtet von einem transparenten Gehaltsschema im Unternehmen mit fünf Stufen: "Gehalt ist oft ein Tabuthema, spätestens bei der Firmenfeier erfahre ich dann doch, was Kollegen verdienen." Die Mitarbeiter hätten den Eindruck, fair behandelt zu werden. Gehaltstransparenz könne über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden, sagt er. Denkenberger gibt aber zu, dass die Gehälter in der Systemgastronomie insgesamt nicht hoch sind. Aber: Nordsee investiere in die Weiterbildung der Mitarbeiter: "Bei uns ist die Karriere vom Tellerwäscher bis zum Filialleiter wirklich und nicht nur theoretisch möglich."

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-03 17:27:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Immer mehr LKW unterwegs
  2. Österreicher sind ihrem Bargeld treu - Banken trotzdem unter Druck
  3. Voestalpine sieht sich als Jobmotor für die Steiermark
  4. Bawag reicht Scheidung von Post ein
  5. Airbnb fasst in Afrika zunehmend Fuß
Meistkommentiert
  1. "Bio für alle ginge sich dreimal aus"
  2. Mehr Zuckerl für die private Pensionsvorsorge?
  3. Betriebsrat von Air Berlin rechnet mit Kündigungswelle
  4. 18 Monate für Rathgeber im Finanzskandal-Prozess
  5. Bawag reicht Scheidung von Post ein

Werbung




Firmenmonitor







Werbung


Werbung