• vom 30.11.2017, 16:03 Uhr

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Nahrungsmittelindustrie

Lasst die Fische im Meer




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Von Rosa Eder-Kornfeld

  • Es gibt eine Alternative: Das niederösterreichische Unternehmen Ecoduna ist weltweiter Technologieführer bei der industriellen Algenproduktion.

Die "Hängenden Gärten" von Ecoduna. Hier werden Mikroalgen gezüchtet.

Die "Hängenden Gärten" von Ecoduna. Hier werden Mikroalgen gezüchtet.© Ecoduna Die "Hängenden Gärten" von Ecoduna. Hier werden Mikroalgen gezüchtet.© Ecoduna

Bruck an der Leitha. In sechs Meter hohen Glasröhren blubbert es beschaulich. Die wohlige Atmosphäre in den "Hängenden Gärten" von Ecoduna, einem Forschungsinstitut in Bruck an der Leitha, lässt vergessen, dass draußen graue Wolken am Himmel hängen. Langsam wechselt die Farbe in den schimmernden Röhren in Grün. Alles in dem riesigen Glashaus wirkt hell und fast klinisch rein - es fällt schwer zu glauben, dass hier Algen gezüchtet werden. Keine Spur von grünem Schleim wie im Swimmingpool oder Aquarium.

Wunderwerk der Natur
Algen sind ein wahres Wunderwerk der Natur. Sie gelten unter anderem als vielversprechende Quelle für Omega-3-Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selbst erzeugen kann und die über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Gesundheitsexperten empfehlen bekanntlich aus diesem Grund auch den regelmäßigen Verzehr von fettreichen Fischsorten wie etwa Thunfisch, Sardinen oder Hering.


Omega-3-Fettsäuren zur Nahrungsergänzung werden derzeit vor allem aus Fischrückständen industriell gewonnen. "Lassen wir die Fische im Meer", sagt dazu Ecoduna-Geschäftsführerin Silvia Fluch. Hochwertiges Öl aus Mikroalgen ist vegan und kann somit einen Beitrag zur Überfischung der Meere leisten. Außerdem wachsen Mikroalgen zehnmal schneller als Landpflanzen. Auch Fische können Omega-3-Fettsäuren nicht selbst produzieren. Sie nehmen sie durch den Verzehr von Mikroalgen und Krill (garnelenförmige Krebstiere) auf.

Algen gehören mit zu den ältesten Bewohnern der Erde, erzählt Fluch bei einem Besuch im Ecoduna-Forschungszentrum, wo in den vergangenen sieben Jahren ein völlig neues Verfahren für die industrielle Algenherstellung entwickelt wurde. Demnächst wird eine Produktionsanlage eröffnet, die von der Ecoduna-Tochter Eparella betrieben wird. Geplant ist die Herstellung von jährlich 100 Tonnen Biomasse aus Mikroalgen, die dann an Großhändler und Produzenten aus den Bereichen Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik und Pharmazie verkauft werden. Das Unternehmen will damit einen Umsatz von 10 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaften und damit ein kleines Stück vom weltweiten Markt für Omega-3-Fettsäuren erhaschen, der auf 35 Milliarden Euro weltweit geschätzt wird.

18 Millionen Euro hat Ecoduna in die 10.000 Quadratmeter große Anlage im Energiepark Bruck investiert. Die Mittel wurden über den Verkauf von Aktien aufgebracht. Derzeit hat Ecoduna rund 550 Eigentümer, die an das nachhaltige Projekt glauben. Zuletzt fand im September eine Kapitalerhöhung statt.

Ecoduna hat rund zwölf verschiedene Algenarten im Programm. Eine der bekanntesten Arten ist Spirulina. "Sie wurde schon von den Azteken als Proteinquelle genutzt", weiß Fluch. Getrocknet gibt es Spirulina in Form von Pulver oder Tabletten. Der Alge wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt, und sie soll vor oxidativem Stress durch freie Radikale schützen. Im Lifestyle-Getränk "Helga" wiederum sind die sehr nährstoffreichen Chlorella-Algen enthalten. Meeralgen werden auch in pulverisierter Form für Beauty-Produkte (Gesichtsmasken, Shampoos, Seifen etc.) verwendet.

Ecoduna gilt in der internationalen Algenszene als weltweiter Technologieführer. Das belegen auch zahlreiche Auszeichnungen wie etwa im Rahmen des Energy Global World Award 2013. Silvia Fluch, die die Ecoduna AG gemeinsam mit Vorstandsvorsitzendem Johann Mörwald leitet, war 23 Jahre lang im Austrian Institute of Technology (AIT) tätig, bevor sie zu Ecoduna stieß. Im Jahr 2016 erhielt sie den Umweltpreis der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik in der Kategorie "Frauen in der Umwelttechnik".

Astronauten-Snack
Auch bei mehrjährigen Weltraummissionen könnten Algen in Zukunft eine große Rolle spielen, und zwar in zweifacher Hinsicht, weiß Fluch. Sie könnten den Astronauten als eiweißreiche Nahrungsquelle dienen und die Luft im Raumschiff verbessern. Durch Photosynthese nehmen Algen nämlich Kohlendioxid aus der Atemluft auf und wandeln es in Sauerstoff um. Wissenschafter arbeiten bereits an platzsparende Zuchtanlagen für Mikroalgen.




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Dokument erstellt am 2017-11-30 16:08:05



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