• vom 16.02.2015, 18:04 Uhr

Unternehmen

Update: 18.02.2015, 20:14 Uhr

Wirtschaft

"Erfolg ist die Mutter des Misserfolgs"




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Von Walter Hämmerle

  • Ex-Deutsche-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger über Versäumnisse europäischer Konzerne beim Technologiewandel.


© Simon Rainsborough © Simon Rainsborough

Wien.Thomas Sattelberger ist so etwas wie der Guru einer neuen Generation von Personalern. Seit Jahrzehnten zieht der ehemalige Vorstand der Deutschen Telekom durch die Wirtschaftswelt und predigt ein neues Management, das auf Vielfahrt von Zugängen und Persönlichkeiten beruht.

Information

Zur Person

Thomas Sattelberger, geb. 1949, studierte als Lehrlingsstudent bei Daimler Benz Betriebswirtschaft; von 2007 bis 2012 war er als Personalvorstand bei der Telekom einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. Hier setzte sich der Buchautor und Kolumnist als Verfechter des Diversity Management u.a. für eine 30-prozentige Frauenquote ein.

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Am Montagabend diskutierte Sattelberger mit Matthias Reisinger, Managing-Director des Impact Hub Vienna, auf Einladung der "Wiener Zeitung" und des Europäischen Forums Alpbach im Wien Museum über "Einfalt statt Vielfalt - Wie Unternehmen den Wandel verschlafen".

"Wiener Zeitung": Herr Sattelberger, drohen unsere Unternehmen den technologischen Wandel, der unsere Zeit prägt, zu verschlafen?

Thomas Sattelberger:Für Deutschland jedenfalls kann ich sagen: Egal ob Automobil-, Chemie- oder Energiebranche, die Innovationen finden nicht mehr bei uns statt, sondern in Teilen Asiens, zum größten Teil aber in den USA. Erfolg ist leider die Mutter des Misserfolgs, wir kommen aus den alten, sehr erfolgreichen Pfaden nicht heraus, deshalb laufen wir Gefahr, den Zug der Zeit zu verpassen. In der Autobranche hat sich die Wettbewerbslogik völlig auf den Kopf gestellt: Früher ritterte Mercedes gegen BMW und Audi, heute stehen sie in Konkurrenz zu Tesla, Google und Toyota, wenn es um E-Mobilität, Software und Brennstoffzellenautos geht. Unsere erfolgsverwöhnten Konzerne haben ihre Innovationskraft verloren.

Ist das wirklich nur ein Managementproblem oder nicht doch ein sehr viel tiefer gehendes gesamtgesellschaftliches Problem?

Ja und nein. Nehmen Sie den Energieriesen Eon, der sich jetzt in ein altes und ein neues Energiegeschäft aufspalten will. Diese Entscheidung hat nicht nichts mit tieferen sozialen oder politischen Entwicklungen zu tun, das hätte das Management schon vor fünf Jahren beschließen können, nur wurde das verschlafen. Gleichzeitig erleben wir eine Phase nationaler Erstarrung. Ich sehe es mit Sorge, wie die Politik zwar IT-Gipfel abhält, aber das Thema der Digitalisierung der Wirtschaft industriepolitisch überhaupt nicht begleitet. Das gilt auch für die ausgerufene Bildungsrevolution, bei der bei näherem Hinsehen kaum etwas weitergegangen ist. Ja, Deutschland und auch Österreich haben die Krise der vergangenen Jahre besser überstanden als die meisten anderen europäischen Staaten, aber jetzt droht der Erfolg notwendige Veränderungen zu blockieren. Das kann noch sehr ungemütlich werden.

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Dokument erstellt am 2015-02-16 18:08:10
Letzte nderung am 2015-02-18 20:14:52



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