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085 - Mit der Lunge eines anderen auf den Großglockner

Berni Kaut war knapp über 40, als bei ihm Lungenfibrose diagnostiziert wurde: Die Lunge vernarbt dabei immer mehr und kann immer weniger Sauerstoff aufnehmen. Die Folge: Er brauchte eine neue Lunge. Er bekam ein Organ transplantiert, das allerdings ebenfalls erkrankt war. Sein hohes Ziel, das er sich gesteckt hatte, hat Berni dennoch erreicht.

35 Min

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„Wenn ich das alles überlebe, dann möchte ich auf den Großglockner gehen", sagte Berni Kaut – und tat es.
© Illustration: WZ

„In der Dusche stehen war schon zu anstrengend für mich", erzählt Berni Kaut. Aufgrund seiner Lungenfibrose musste bei ihm eine neue Lunge transplantiert werden, die allerdings von einem Pilz befallen war. Daraufhin lag er zehn Tage lang im Koma.

In der Zeit danach habe er „echt geglaubt, es ist vorbei", sagt Berni im WZ-Podcast „Weiter gedacht" zu Host Petra Tempfer, die gemeinsam mit Mathias Ziegler durch die Folge führt. Wären da nicht seine vier Kinder gewesen. Diese gaben ihm Kraft, sagt er – so viel Kraft, dass er sich wieder auf seinen Entschluss fokussierte, den er ganz zu Beginn seiner Transplantationsgeschichte gefasst hatte: „Ich hab mir gedacht, wenn ich das alles überlebe, dann möchte ich auf den Großglockner gehen."

Voriges Jahr, 23 Monate nach der Lungentransplantation, war es schließlich soweit: Gemeinsam mit einem kleinen Team bestieg Berni den Großglockner. Mittlerweile hat er an verschiedenen sportlichen Wettkämpfen teilgenommen – darunter auch an den World Transplant Winter Games im italienischen Bormio – und bereits mehrere Medaillen mit nach Hause gebracht. Hat er noch weitere Ziele? „Natürlich gibt’s die“, antwortet er ohne Zögern.

Produziert von „hört hört!“.

Berni Kaut im Podcast-Studio mit WZ-Host Petra Tempfer.
Berni Kaut im Podcast-Studio mit WZ-Host Petra Tempfer.
© Mathias Ziegler

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Infos und Quellen

Genese

Berni Kaut und WZ-Redakteurin Petra Tempfer kommen aus derselben Ortschaft: St. Andrä-Wördern in Niederösterreich. Vor der Podcast-Aufnahme hatten sie sich zwar noch nie richtig unterhalten, auf Social Media waren sie jedoch schon länger befreundet. Petra Tempfer kannte daher Bernis Geschichte – die er auch öffentlich erzählen wollte.

Gesprächspartner

Berni Kaut wurde 1978 in Zell am See geboren und lebt heute in St. Andrä-Wördern in Niederösterreich. Am 20. Juli 2022 wurde er aufgrund einer idiopathischen Lungenfibrose im Endstadium im AKH Wien lungentransplantiert. Im letzten Jahr vor dieser lebensrettenden Operation benötigte er rund um die Uhr künstlichen Sauerstoff. Jede körperliche Aktivität wurde um ein Vielfaches anstrengender, das Überwinden eines Stockwerkes fast unmöglich, sagt er. Er wisse daher aus erster Hand, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich nicht mehr aus dem Haus oder der Wohnung kann. Deshalb hat er den gemeinnützigen Verein „Raus aus dem Haus“ gegründet, um mit Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, geführte Touren zu unternehmen – bei Bedarf mit einem geländegängigen Rollstuhl, den der Verein zur Verfügung stellt.

Daten und Fakten

  • Die idiopathische Lungenfibrose (IPF, idiopathische pulmonale Fibrose) ist eine meist chronisch fortschreitende Erkrankung. Dabei kommt es zum Umbau des Lungengewebes, wodurch die Lungenfunktion nach und nach eingeschränkt wird. Konkret wird vermehrt Bindegewebe in der Lunge gebildet, das verhärtet und vernarbt. Die Lungenbläschen (Alveolen), die für den Austausch der Atemluft notwendig sind, verlieren ihre Funktion. Die Atmung wird erschwert, die Sauerstoffmenge im Blut sinkt ab. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zu zunehmender Einschränkung von lebensnotwendigen Vorgängen wie Sauerstoffaufnahme und Sauerstoffaustausch (gesundheit.gv.at).
  • Die Anzahl der Organspenden geht zurück: Vergleicht man die Zahlen der Transplant-Jahresberichte, die das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) jährlich herausgibt, gab es 2018 noch 22,6 Organspenden pro eine Million Einwohner:innen in Österreich. 2023 waren es nur noch 17,6. Parallel dazu ging die Anzahl der Organtransplantationen zurück: von 795 im Jahr 2018 auf 648 im Jahr 2023. Bei rund 88 Prozent kamen die Organe von Verstorbenen.
  • Die österreichische Rechtslage zur Organspende folgt der sogenannten Widerspruchslösung. Diese besagt, dass eine Organentnahme bei einer potenziellen Spenderin oder einem potenziellen Spender nach Feststellung des Todes grundsätzlich zulässig ist, sofern die verstorbene Person nicht schon zu Lebzeiten einer Organspende widersprochen hat. Die Organe stammen zum großen Teil von Personen, bei denen der Hirntod festgestellt wurde, bestimmte Körperfunktionen (zum Beispiel Atmung, Kreislauf) aber noch künstlich aufrechterhalten werden konnten. Vor allem bei Nierentransplantationen bietet sich die Lebendspende als zusätzliche Möglichkeit an und wird immer häufiger genutzt.
    Organe dürfen nur freiwillig und unentgeltlich gespendet werden und dürfen nicht Gegenstand von Rechtsgeschäften sein, die auf Gewinn gerichtet sind. Lebendspender:innen oder dritten Personen eine Spende, einen finanziellen Gewinn oder vergleichbare Vorteile zukommen zu lassen, ist ebenso verboten, wie es sämtliche Formen des Organhandels sind. Die gesetzlichen Regelungen zur Organtransplantation in Österreich wurden am 14. Dezember 2012 in einem einheitlichen Bundesgesetz, dem Organtransplantationsgesetz, zusammengefasst (oesterreich.gv.at).
  • Im Widerspruchsregister sind laut Stephan Eschertzhuber, Vorsitzender des österreichischen Transplantationsbeirats, 0,5 Prozent der Bevölkerung eingetragen. In der Praxis gebe es in rund zehn Prozent der Fälle, in denen eine Organspende im Raum steht, irgendeine Form des Widerspruchs, sagt er. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Organ benötigt, sei viermal höher als jene, dass man Spender:in wird. Das Widerspruchsregister wird vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen gemeinsam mit der Vergiftungsinformationszentrale geführt. Anders als in Österreich gibt es zum Beispiel in Deutschland, Großbritannien oder den Niederlanden eine Zustimmungsregelung.
  • Sammlung an Publikationen der Gesundheit Österreich GmbH zu Transplantationen
  • Am häufigsten werden dem Transplantationsbericht zufolge Nieren transplantiert. Auf eine neue Niere wartet man durchschnittlich drei Jahre, auf ein neues Herz oder eine neue Lunge bis zu vier Monate. Zurzeit leben rund 10.000 Menschen mit einem transplantierten Organ in Österreich. Mehr als 90 Prozent der Personen, die ein Organ transplantiert bekommen haben, überleben mindestens ein Jahr, sagt Hubert Hetz, Anästhesist und Intensivmediziner am Auva Unfallkrankenhaus Meidling und Transplantationsreferent der Region Ost (Wien).
  • Ein Herz muss innerhalb von vier Stunden, eine Lunge innerhalb von zehn und eine Leber innerhalb von 16 Stunden transplantiert werden. Nieren können bis zu 36 Stunden lang auf Eis liegen, sagt Michael Zink, Transplantationsreferent der Region Süd (Steiermark und Kärnten), zur WZ.
  • In Österreich werden Organtransplantationen derzeit an vier Standorten durchgeführt: an den Universitätskliniken in Graz, Innsbruck und Wien sowie im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz (oesterreich.gv.at).
  • Gibt es in Österreich kein geeignetes Organ, könnte dieses auch aus dem Ausland kommen. Denn Österreich ist Mitglied bei Eurotransplant, einer gemeinnützigen Vereinigung mit Sitz in den Niederlanden, die die Organe vermittelt. Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Ungarn, und Slowenien sind Mitglieder von Eurotransplant. In diesem Einzugsgebiet leben zirka 137 Millionen Menschen. Die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit sind das gemeinsame Spender-Meldesystem und die zentrale Warteliste. Auf Letzterer stehen aktuell rund 14.000 Patient:innen.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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