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089 - Die Biologin an der Kreissäge
Mit 33 Jahren startete die studierte Biologin Franziska Brugger noch einmal neu durch und begann eine Tischlereilehre. Heute hat sie ihre eigene Werkstatt im 16. Bezirk in Wien – und ist damit in jener Branche gelandet, von der sie eigentlich schon in ihrer Kindheit in Osttirol geträumt hatte. Ihr Studium und die Arbeit in einem Verlag davor bereut sie aber nicht.
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Was sich die spätberufene Handwerkerin Franziska (49) aber wünschen würde, ist mehr Wertschätzung für die Lehre. Denn nach wie vor würden viele Eltern es als Vergeudung von Talent sehen, wenn ihre Kinder nicht eine höhere Schule bis zur Matura besuchen und danach ein Studium anstreben. So wie auch ihre Eltern ihr und ihrer Schwester einst nahelegten, das zu tun, was ihnen selbst nicht möglich gewesen war, nämlich, „etwas Ordentliches zu studieren“. In dieser Folge unseres WZ-Podcasts „Weiter gedacht“ spricht Franziska unter anderem über die Unterschiede zwischen Studium und Lehre, die sie selbst erlebt hat, und welche Rolle ihr akademischer Titel bei ihrer Arbeit als Tischlerin spielt.
Ein besonderes Anliegen ist ihr das Empowerment von Frauen in der Branche, wie sie im Gespräch mit WZ-Redakteur Mathias Ziegler erzählt, der gemeinsam mit Host Petra Tempfer durch diese Folge führt. Deshalb hat Franziska ein Tischlerinnen-Netzwerk gegründet, das sich viermal jährlich trifft und sich dazwischen in einer Signal-Gruppe austauscht (Kontakt über Franziskas Website).
Produziert von „hört hört!“.
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Infos und Quellen
Gesprächspartnerin
Franziska Brugger ist 49 Jahre alt und gebürtige Osttirolerin. Nach ihrem Biologiestudium in Wien arbeitete sie bei einem wissenschaftlichen Verlag, ehe sie sich mit 33 Jahren beruflich komplett umorientierte und sich einen alten Kindheitstraum erfüllte: Sie absolvierte eine Lehre zur Tischlerin und ist nun als Meisterin in ihrer eigenen Werkstatt in Wien-Ottakring tätig.
Daten und Fakten
Obwohl Österreich international oft wegen seines dualen Systems aus Schule und Lehre als Vorbild gelobt wird, sinkt hier die Anzahl der Lehrlinge seit Jahrzehnten kontinuierlich. Zum Vergleich: 1980 begannen noch 47 Prozent der Jugendlichen eine Lehre, jetzt liegt der Anteil bei nur noch um die 40 Prozent. Dabei herrscht in vielen betroffenen Branchen ein Fachkräftemangel, sodass Neueinsteiger:innen praktisch eine Jobgarantie haben. Laut AMS gibt es in Österreich derzeit fast 7.000 freie Lehrstellen, die meisten in Ober- und Niederösterreich sowie in Tirol. Mit mehr als 2.000 offenen Stellen hat der Handel den größten Bedarf, gefolgt von Tourismus (etwa 1.400) und Bau (rund 1.000). Laut einer Umfrage haben 60 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, Personen mit Lehrabschlüssen zu finden.
Das Durchschnittsalter im ersten Lehrjahr liegt über alle Berufe hinweg bei 16,8 Jahren. Laut Wirtschaftskammer begann der bisher älteste Lehrling mit 57 Jahren die Ausbildung, und gut ein Dutzend war zumindest älter als 50 Jahre.
Quellen
- Tischlerin Franziska Brugger
- Fakten zur Lehre
- WKO-Lehrstellenbörse
- AMS-Lehrstellensuche
- Offene Lehrstellen
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