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090 - Warum Wien nie wieder am Meer liegen wird

Palmen, Meer und Sandstrand: Vor 15 Millionen Jahren wäre das Wiener Becken die perfekte Urlaubsdestination gewesen. Welche klimatischen Veränderungen und Katastrophen hat die Erde bisher schon überstanden, und wie reiht sich der aktuelle Klimawandel in diese ein? Der Erdwissenschafter Mathias Harzhauser vom Naturhistorischen Museum Wien gibt in dieser Folge Antworten.

37 Min

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Durchschnittlich minus 50 Grad Celsius hatte es schon einmal auf der Erde – später waren es plus 40.
© Illustration: WZ

Vom Eisplaneten bis zum Riesentreibhaus war in der 4,6 Milliarden Jahre langen Geschichte der Erde schon vieles dabei. Etwa sieben große Eiszeitphasen habe es bisher gegeben, erzählt der Erdwissenschafter Mathias Harzhauser, Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, in dieser Folge des WZ-Podcasts „Weiter gedacht“.

Im Wiener Becken herrschte vor 18 bis rund 12 Millionen Jahren subtropisches Klima, und es war von einem Meer erfüllt. In diesem schwammen Seekühe, Haie und Rochen. Auf dem Land tummelten sich hornlose Nashörner und Hirschferkel. Im Korneuburger Becken rollte ein Tsunami durch ein Austernriff – 16,5 Millionen Jahre später sollten hier Mathias Harzhauser und sein Team das größte fossile Austernriff der Welt mit mehr als 50.000 Austern freilegen. Die Schalen sind bis zu einem Meter groß.

Erst seit einigen 100.000 Jahren gibt es den modernen Menschen. Er hat den Höhepunkt der vergangenen Eiszeit vor rund 20.000 Jahren miterlebt. Der aktuelle Klimawandel könne für den Menschen „durchaus dramatisch sein“, weil es die Ökosysteme um ihn herum treffen werde. Die Erde hingegen werde diesen Wandel überstehen. „Das Leben wird darüber relativ locker hinwegkommen, wie es schon über ganz andere große Katastrophen hinweggekommen ist“, meint der Erdwissenschafter.

WZ-Host Petra Tempfer hat mit Mathias Harzhauser gesprochen. Gemeinsam mit Mathias Ziegler führt sie durch die Folge. Produziert von „hört hört!“.

Der Erdwissenschafter Mathias Harzhauser im Podcast-Studio mit WZ-Host Petra Tempfer
Der Erdwissenschafter Mathias Harzhauser im Podcast-Studio mit WZ-Host Petra Tempfer.
© Nora Schäffler

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Infos und Quellen

Genese

WZ-Redakteurin Petra Tempfer hat Paläontologie studiert. Im Zuge dessen war sie auch am Naturhistorischen Museum Wien tätig und hat hier mit Mathias Harzhauser zusammengearbeitet, der heute Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung ist. Mit wem könnte man besser über die klimatischen Veränderungen der Erde seit deren Entstehung vor 4,6 Milliarden Jahren sprechen als mit ihm, hat sie sich gedacht – und ihn ins Podcast-Studio der WZ eingeladen.

Gesprächspartner

Mathias Harzhauser ist Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien und Kurator der Paläobotanischen Sammlung. Zudem ist er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2022 wurde er Universitätsprofessor an der Universität Graz.

Im Jahr 2024 erschien das BuchWien am Sand. Von Prinz Eugen und der Seekuh in Ottakring: eine Zeitreise durch die geologische Vergangenheit Wiens, das Mathias Harzhauser gemeinsam mit Thomas Hofmann verfasst hat (ISBN: 978-3-903096-82-0, Verlag Naturhistorisches Museum, 168 Seiten).

Daten und Fakten

  • Die Erdatmosphäre enthält Gase, die kurzwellige Sonnenstrahlung zum großen Teil passieren lassen, (langwellige) Wärmestrahlung jedoch absorbieren und damit das System erwärmen. In Analogie zu einem Treibhaus – das Sonnenstrahlung durchlässt und Wärmestrahlung „festhält” – werden diese Gase auch als Treibhausgase bezeichnet. Vor allem Wasserdampf und Kohlendioxid absorbieren einen Teil der von der Erdoberfläche abgegebenen Wärmestrahlung und verringern deshalb den Anteil der in den Weltraum abgegebenen Wärmestrahlung (Umweltbundesamt Deutschland).
  • Die EU ergreift Maßnahmen, um ihre Emissionen von Treibhausgasen drastisch zu reduzieren, da diese mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden. Das bekannteste Treibhausgas ist Kohlendioxid (CO₂), aber auch andere Gase, die in geringerer Menge in der Atmosphäre vorhanden sind, können eine stärkere Erwärmung bewirken (Europäisches Parlament).

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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