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092 - Der Entdecker des Mikroplastiks im Menschen

Es ist überall: im Wasser, im Boden, in der Luft – und auch in uns. Vor dem Mikroplastik gibt es kein Entkommen, selbst auf dem Nordpol schwirrt es im Schnee herum. Dass nicht nur Fische im Meer damit kontaminiert sind, sondern auch wir, ist seit 2018 bekannt. Damals verhalf das Mikroplastik dem Wiener Mediziner Philipp Schwabl (37) zu einem wissenschaftlichen Durchbruch: Zum ersten Mal weltweit konnte er es im Menschen nachweisen. Seine bahnbrechende Studie in Kooperation mit dem Umweltbundesamt machte Philipp zu einem gefragten Interviewpartner für Medien aus aller Welt.

24 Min

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Der Wiener Mediziner Philipp Schwabl sorgte 2018 mit seiner Studie zu Mikroplastik weltweit für Aufsehen.
© Illustration: WZ, Bildquelle: WZ/Mathias Ziegler

Heute ist es wieder ruhiger um den Arzt, der an der Universitätsklinik für Innere Medizin am Wiener AKH tätig ist. Philipp forscht aber immer noch, jedoch derzeit nicht zu Mikroplastik, sondern zu neuen Therapiekonzepten bei Leberzirrhose. Trotzdem hat ihn das Thema Mikroplastik nicht losgelassen. Vor allem treibt ihn die Frage um, wie man vermeiden kann, dass es überhaupt in den Körper gelangt, erzählt er im Podcast-Gespräch mit WZ-Redakteur Mathias Ziegler, der gemeinsam mit Host Petra Tempfer durch diese Folge führt. Philipp blickt natürlich auch zurück auf seine Studie, die sein PhD-Betreuer zunächst eher skeptisch beäugte. Wie bedeutend die Entdeckung von Mikroplastik im menschlichen Stuhl war, sollte sich erst später zeigen . . .

Produziert von „hört hört!“.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner

Philipp Schwabl ist 37 Jahre alt. Nach seiner Ausbildung zum Hepatologen (Spezialist für Leber und Galle) begann er ein PhD-Studium und schlug seinem Betreuer eine Studie vor, deren These lautete: Wenn der Mensch an der Spitze der Nahrungskette steht, müsste Mikroplastik eigentlich auch in seinen Verdauungstrakt gelangen. Den Beweis dafür erbrachte Philipp im Jahr 2018.

Daten und Fakten

Mehr als 400 Millionen Tonnen Kunststoff werden weltweit pro Jahr erzeugt – und vieles davon gelangt früher oder später in die Umwelt. Allein der Plastikmüll in den Weltmeeren wird auf bis zu 150 Millionen Tonnen geschätzt. Und es werden täglich mehr. Im Laufe der Zeit zerfällt es zu Mikroplastik, das von Meeresorganismen aufgenommen wird, zum Beispiel von Fischen, die wir dann essen. Aber es gibt noch viele weitere Wege, wie Plastik in die Umwelt und in unseren Körper gelangt: Reifenabrieb auf der Straße, Kleidungsfasern, die durch herkömmliche Waschmaschinenfilter hindurchgeschwappt werden, und sogar die Reibung beim Öffnen eines Plastikflaschenverschlusses oder mikroskopisch kleine Reste von Kunststoffverpackungen, die an Lebensmitteln haften bleiben.

Seit Jahren wird vergeblich über ein globales UNO-Plastikabkommen verhandelt. Erst Mitte August wurde in Genf eine weitere Sitzung ohne Ergebnis vertagt. Die Positionen der Länder liegen so weit auseinander wie eh und je. Auf der einen Seite stehen mehr als 100 Staaten aus Europa, aber auch Südamerika, Afrika und Asien mit besonders ehrgeizigen Zielen, die eine Beschränkung der Kunststoffproduktion auf ein nachhaltiges Niveau fordern. Sie wollen auch Einwegplastik wie Becher und Besteck aus dem Verkehr ziehen, Plastikprodukte zur Mehrfachverwendung und eine Kreislaufwirtschaft fördern, bei der die Rohstoffe eines Produkts aufbereitet und erneut verwendet werden. Auf der anderen Seite stehen vor allem erdölfördernde Länder wie Saudi-Arabien, der Iran und Russland. Sie verdienen mit dem Rohstoff für das Plastik Geld und möchten sich weitgehend auf ein besseres Abfallmanagement beschränken.

Laut einer Berechnung des deutschen Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Deutschland wird nur ein Drittel des Kunststoffes, den wir produzieren, verbrannt oder recycelt. Der überwiegende Rest sammelt sich in der Umwelt – mit schwerwiegenden Folgen. Mittlerweile wird Mikroplastik sogar im Gehirn nachgewiesen, wo es zu Verhaltensstörungen führen könnte, wie sich bei Versuchstieren gezeigt hat. Wissenschaftler:innen warnen außerdem vor massiven Funktionsstörungen bei Zellen. Und eine Untersuchung der Gehirne von Verstorbenen zeigte, dass eine starke Mikroplastikbelastung mit dem Auftreten von Demenz korrelierte. Selbst im Stuhl von Neugeborenen und Babys wurde bereits Mikroplastik gefunden.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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