)
095 - Freiwillig in viele Kriege
Von einem Tag auf den anderen war Karl Pewny einfach weg. Erst nach fünf Jahren meldete er sich bei Verwandten und Freunden. So lange dauert die Grundausbildung bei der Fremdenlegion: eine professionelle Truppe der französischen Armee, die vor allem aus freiwilligen Soldaten aus dem Ausland besteht, und der er sich angeschlossen hatte.
Auf einer anderen Plattform anhören:
Er kämpfte mehr als 15 Jahre lang für Frankreich und hätte nur dann aufgehört, wenn es gegen Österreich gewesen wäre – sein Heimatland: Karl Pewny war bei der französischen Fremdenlegion. Warum? „Jeder hat seine Gründe, und die behält er für sich“, sagt er in dieser Folge des WZ-Podcasts „Weiter gedacht“.
Den Entschluss, zur Fremdenlegion zu gehen, habe er mit 24 Jahren gefasst. Niemand in seinem Umfeld habe davon gewusst. Sogar seine Eltern erfuhren erst fünf Jahre nach seinem Verschwinden, wohin er gegangen war.
Bereut habe er diesen Schritt nie. Er war unter anderem beim Zweiten Golfkrieg Anfang der 90er Jahre im Einsatz, als die USA und Frankreich gemeinsam das vom Irak besetzte Kuwait befreiten. Wieviele Menschen er im Krieg getötet hat, wisse er nicht. „Manchmal muss man Frieden schaffen, indem man auf den Tisch klopft“, meint Karl Pewny zu WZ-Host Petra Tempfer, die gemeinsam mit Mathias Ziegler auch über Daten und Fakten zu diesem Thema spricht.
Produziert von „hört hört!“.
Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.
Infos und Quellen
Gesprächspartner
Karl Pewny hat zuerst beim österreichischen Bundesheer gearbeitet, bevor er mit 24 Jahren zur Fremdenlegion ging, bei der er mehr als 15 Jahre lang blieb. Insgesamt hat er 18 Jahre lang in Frankreich gelebt. Danach arbeitete er bei der französischen Botschaft in Wien. Heute ist er 68 Jahre alt und in Pension.
Daten und Fakten
- Die Fremdenlegion (Légion étrangère) ist ein Großverband des französischen Heeres. In ihr dienen Freiwillige aus mehr als 150 Nationen als Zeitsoldaten. Sie wurde 1831 auf Initiative des damaligen Kriegsministers Nicolas Jean-de-Dieu Soult durch einen Erlass von König Louis-Philippe I. gegründet. Der Auftrag der neuen Truppe war, die Kolonien Frankreichs in Afrika zu erobern und abzusichern. Seit der Gründung untersteht sie unmittelbar dem jeweiligen französischen Staatsoberhaupt. Von einer Stärke von ursprünglich bis zu 35.000 Soldaten wurde die Legion aktuell auf rund 9.000 Soldaten zuzüglich 1.500 Reservisten und Zivilangestellten reduziert. Aktuell bekämpft sie vor allem den illegalen Goldabbau und sichert das Raumfahrtzentrum Französisch-Guayana im Nordosten Südamerikas ab (Deutsche Bundeswehr).
- Die Mitglieder des Vereins der Ehemaligen und der Freunde der Fremdenlegion in Österreich (auf Französisch: Amicale des Anciens et des Amis de la Légion Étrangère en Autriche) treffen einander jeden Freitag im Vereinslokal in Wien.
- Die österreichische Staatsbürgerschaft wird in einem Verfahren entzogen, falls die Person an Kampfhandlungen im Ausland für eine organisierte bewaffnete Gruppe im Rahmen eines bewaffneten Konflikts aktiv teilnimmt. Voraussetzung ist, dass die Person dadurch nicht staatenlos wird (Außenministerium Österreich).
Quellen
- Das Buch „Fremdenlegion, Geschichte und Gegenwart einer einzigartigen militärischen Organisation“ von Eckard Michels ist 2024 im Verlag Herder erschienen. Es hat 464 Seiten (ISBN: 978-3-451-39897-1).
- Staatsbürgerschaftsgesetz 1985 § 27 über den Erwerb einer fremden Staatsbürgerschaft (Rechtinformationssystem des Bundes).
Das Thema in der WZ
Das Thema in anderen Medien
- Die Presse: Fremdenlegion: Fünf Jahre in der Knochenmühle
- Planet Wissen: Deutsche in der französischen Fremdenlegion
- Deutschlandfunk: Mythos Fremdenlegion (5/5) Tod und Verwundung
- ZDFInfo Doku: Fremdenlegion: So hart ist das Auswahlverfahren für Rekruten
)
)
)
)
)