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Verfassungsreferendum

"Die Abstimmung wurde gefälscht, der Sieg wurde uns gestohlen"20

  • Am Tag eins nach dem türkischen Verfassungsreferendum herrscht bei Erdogans Anhängern eitel Wonne - das "Nein"-Lager fühlt sich betrogen.

Istanbul. Wenn viele Menschen den Kopf hängen lassen, sticht der Fröhliche unter ihnen hervor wie ein Osterei unter Farmeiern. Drei Männer um die 30 Jahre alt, mit gestutzten Schnurrbärten und weißen Kitteln schneiden am Montagmorgen Fleisch vom Spieß für Dönerfladen in einer Seitenstraße der belebten Einkaufsstraße Istiklal Caddesi im Herzen... weiter




Barbara Pusch studierte an der Universität Wien Soziologie und eine Fächerkombination aus Turkologie, Arabistik, Ethnologie und Philosophie. In den vergangenen 24 Jahren lebte und arbeitete sie vor allem in Istanbul. Derzeit ist sie auch an der Helmut-Schmidt-Universität (Hamburg) tätig.

Gastkommentar

Türkisches Oster-Roulette36

  • Recep Tayyip Erdogan und Konsorten haben sich im Referendum durchgesetzt - sie haben sich dabei aber selbst ein Ei gelegt.

Während Europa fröhlich Ostereier suchte, versuchte sich die Türkei ein weiteres Mal in Sachen Demokratie. Die Befürworter des Präsidialsystems riefen dazu auf, für eine starke, neue Türkei mit Wohlstand, Stabilität und Demokratie zu stimmen. Ein Hohn für die Gegner des Regimewandels... weiter




Erdogan-Anhänger in Rotterdam feiern das Ergebnis des Referendums. - © APA, afp, anp, Bart Maat

Referendum

Pyrrhus-Sieg7

  • Erdogan siegt und wendet sich nur an seine Anhänger. Das Land wird nach dem Referendum gespaltener sein als zuvor.

Nach einem dramatischen Foto-Finish zwischen den Stimmanteilen von "Ja" und "Nein" hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan noch am Abend seinen Sieg beim Referendum über die Verfassungsänderungen zur Einführung eines exekutiven Präsidialsystems in der Türkei verkündet... weiter




Der "starke Mann vom Bosporus" wird in Zukunft noch mehr Macht auf sich vereinen: Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine in Istanbul. - © APA, Reuters, Murad SezerGrafik

Türkei

Wahlkommission erklärt Ja-Lager zum Sieger22

  • Die Türkei stimmt für das Präsidialsystem und ist tiefer gespalten denn je. Laut Wahlbehörde sind auch jene Stimmzettel gültig, die nicht abgestempelt wurden.

Ankara. In der Türkei ist der Weg zur umstrittenen Machtausweitung für Präsident Recep Tayyip Erdogan frei. Die Wahlkommission in der Türkei hat das "Ja"-Lager zum Sieger des Verfassungsreferendums erklärt. Die Zahl der "Ja"-Stimmen liege um gut 1,25 Millionen über jener der "Nein"-Stimmen, sagte Kommissionschef Sadi Güven am Abend in Ankara... weiter




Mit einem knappen Ergebnis rechneten Experten vor dem Türkei-Referendum. Werden die Auslandstürken entscheiden? - © APAweb / AFP, OZAN KOSE

Türkei

Knapper Vorsprung für das "Ja"-Lager16

  • 97 Prozent der Stimmen sind ausgezählt: Mehr Macht für Erdogan wollten 51,4 Prozent - 48,6 Prozent kreuzten "Hayir" an.
  • Wahlbeobachter beklagen Unregelmäßigkeiten bei Stimmabgabe.

Ankara. Beim Verfassungsreferendum in der Türkei hat offenbar das Ja-Lager gesiegt. Wie der Center CNN Türk am Sonntag nach Auszählung von 92,3 Prozent der Stimmen meldete, stimmten 51,45 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja, das Nein-Lager kam auf 48,55 Prozent. In der Hauptstadt Ankara siegte das Ja-Lager knapp mit 50,2 Prozent... weiter




Aktivisten vor dem Referendum - © Frank NordhausenInterview

Verfassungsreferendum

"Erdogan, ein osmanischer Putin?"11

  • Sicherheitspolitik-Experte Stanley Sloan: Russland sei mehr lästig als mächtig, die Türkei wackle als wichtiger Eckstein des Westens.

"Wiener Zeitung": Die Bürger der Türkei stimmen am Wochenende über eine Verfassungsreform ab. Ist die Türkei der "Kranke Mann am Bosporus", eine Großmacht im Niedergang? Stanley Sloan: Die Türkei ist Mitglied der Nato. Das Bündnis hat nun seine liebe Not, dafür zu sorgen, dass die Türkei ein Teil des Westens bleibt... weiter




Die Gesichter eines gespaltenen Landes: Sowohl im "Ja"-Lager... - © afp/ap

Türkei

"Es geht um die Zukunft"19

  • Die Umsetzung des politischen Lebenstraums von Präsident Erdogan ist alles andere als ein Selbstläufer.

Istanbul. Eine freundliche ältere Frau mit buntem Kopftuch schlendert durch das wimmelnde Zentrum des Istanbuler Bezirks Gaziosmanpasa. Sie bleibt vor dem Wahlkampfstand des "Evet"-Lager stehen, geht dann hinüber zur "Hayir"-Kampagne. "Evet" heißt "Ja", "Hayir" "Nein"... weiter




Faktencheck

Was ist dran an ihren Wahlversprechen?

  • AKP-Versprechen zum türkischen Präsidialsystem unter die Lupe genommen.

Ankara. Befürworter des Präsidialsystems in der Türkei bemühen gerne einen Vergleich aus der Seefahrt: "Auf einem Schiff kann es nicht zwei Kapitäne geben", sagt Ministerpräsident und AKP-Chef Binali Yildirim. Er wischt Bedenken zur Seite, die von Präsident Recep Tayyip Erdogan angestrebte Verfassungsreform könnte zur "Ein-Mann-Herrschaft" führen... weiter




Türkei

Die geplante Verfassungsreform für ein Präsidialsystem in der Türkei1

  • Überblick über die wichtigsten der geplanten Änderungen.

Ankara. Staatschef Recep Tayyip Erdogan will ein Präsidialsystem in der Türkei einführen. Nachdem im Jänner das Parlament die Vorschläge für die Verfassungsreform beschlossen hatte, soll das Volk am 16. April in einem Referendum abstimmen. Die wichtigsten der geplanten Änderungen: - Der Präsident wird nicht nur Staats-, sondern auch Regierungschef... weiter




Die Gegner der Verfassungsreform in der Türkei setzen fast schon zwangsläufig auf Kreativität und persönliches Engagement. Denn was die Ressourcen im Wahlkampf angeht, sind diejenigen die "Hayir", also "Nein", sagen, dem Regierungslager hoffnungslos unterlegen. - © afpInterview

Türkei

"Wir kämpfen um unser Leben"22

  • Tuna Beklevic, einstiger Erdogan-Anhänger hat eine Partei gegründet, um die Verfassungsreform zu verhindern.

"Wiener Zeitung": Warum haben Sie Ihre Nein-Partei gegründet? Tuna Beklevic: Ursprünglich wollten wir keine Partei, sondern eine Nichtregierungsorganisation (NGO) gründen. Doch NGOs wurde Wahlkampf für das Referendum verboten. Zweitens befürchteten wir, dass man uns früher oder später mit einer politischen Partei in Verbindung bringen würde... weiter




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