• vom 28.08.2012, 17:24 Uhr

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Update: 28.08.2012, 17:43 Uhr
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Rezension: Die Geschichte der Wiener Volkshochschulen

Volksbildung prägt die Gesellschaft


Von Alicia Prager

Kobra Soltani aus Afghanistan mit ihrem 5-jährigen Sohn Masoud in "Deutsch als Fremdsprache" an einer Volkshochschule.

Kobra Soltani aus Afghanistan mit ihrem 5-jährigen Sohn Masoud in "Deutsch als Fremdsprache" an einer Volkshochschule.DPAweb / Foto: Waltraud Grubitzsch Kobra Soltani aus Afghanistan mit ihrem 5-jährigen Sohn Masoud in "Deutsch als Fremdsprache" an einer Volkshochschule.DPAweb / Foto: Waltraud Grubitzsch

Wien. Die Geschichte der Wiener Volkshochschulen wird in dem Buch "Geistige Stadterweiterung" ersmals von ihrer Entstehung 1887 an analysiert: Die Demokratisierung des Zugangs zu Bildung und Wissen war ein Hauptanliegen bei der Gründung der Volkshochschulen. Man wollte die Wissenskluft zwischen Experten und der Bevölkerung verkleinern. "Bildung für alle" lautete die Devise- und ist bis heute noch zentrales Anliegen der Volkshochschulen, schreibt Christian H. Srifter. Seiner Ansicht nach wächst diese Lücke im Zeitalter der Wissensgesellschaft eher, als dass sie kleiner wird.

Information

Christian H. Stifter: Geistige Stadterweiterung. Eine kurze Geschichte der Wiener Volkshochschulen, 1887 - 2005. Enzyklopädie des Wiener Wissens, Band III 184 Seiten, 18 Euro, ISBN 3-902416-06-8

NS-Propaganda machte auch vor den Volkshochschulen nicht Halt
Hinter den verschiedenen Entwicklungen der Volkshochschulen standen politische Motivationen, schreibt Stifter. So veränderte sich die Wiener Bildungslandschaft beispielsweise mit dem Einzug des Nationalsozialismus grundlegend. Zuvor war ein Ziel der Wiener Volkshochschulen, die verschiedenen Klassen mit einander in Berührung zu bringen und zu versöhnen. Ab 1934 wurden sie jedoch umstrukturiert und erste Forderungen nach dem Ausschluss von Juden laut. Mit dem Einmarsch Hitlers wurden ab 1938 viele Bildungs- und Kultureinrichtungen aufgelöst beziehungsweise für Propagandazwecke missbraucht.

Nachlernen in der Nachkriegszeit
Einen neruerlichen Aufschwung erlebten die Volkshochschulen in den 1950er Jahren. Damit wollte man Arbeitern und Angestellten die Chance geben, sich beruflich zu qualifizieren und die vernachlässigte Schulbildung während der Kriegsjahre aufzuholen. Nähen, Flicken oder Kurse zur Säuglingspflege: Das Kursangebot war nahe am Alltag angesiedelt, erst ab Mitte der 1970er-Jahre wurden wieder vermehrt wissenschaftlichen Vorträgein den Bereichen Mathematik, Geschichte und Psychologie angeboten.

Wissen ermöglicht Partizipation

Heute soll Erwachsenenbildung eine gesellschaftliche Debatte über komplexe Themen ermöglichen, sagt Stifter. Als Beispiele nennt er Risikotechnologien oder ethische Fragen zu gentechnischer oder medizinischer Forschung. Politische Bildung gewinnt für ihn gerade in Zeiten der Globalisierung an Bedeutung für das Funktionieren von Demokratie - womit er die heutigen Volkshochschulen bei ihrem ursprünglichen Gründungsanliegen angesiedelt sieht.



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