• vom 07.03.2017, 07:31 Uhr

Bildung


Sachbuch

Stromberg in der Schule




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Von Mathias Ziegler

  • Ulrich Knoll: "Live aus dem Klassenzimmer - Was in der Schule wirklich abgeht" - die schonungslos ehrliche Abrechnung eines Ex-Direktors mit dem System.



"Wie schön wäre die Schule - ohne Eltern, Lehrer und Schüler . . ." Nein, Ulrich Knoll meint den Einstiegssatz im Klappentext seines neuen Buches nicht ernst. Auch wenn er ganz genau weiß, wie anstrengend Eltern, Lehrer und Schüler sein können. Schließlich war er bis zu seiner Pensionierung selbst im System aktiv, auch als Schulleiter (vulgo Direktor) mehrerer Schulen im In- und Ausland (eine davon hat 2010 den Deutschen  Schulpreis bekommen). Und als Pensionist braucht er sich nun kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen. Also erzählt er ganz schonungslos und ehrlich, wie es im Lehrerzimmer zugeht, warum Elternbeiräte oft eine Qual sind und Direktoren oft auf verlorenem Posten sind. Das Ganze zunächst einmal in Form von Szenen, die denen in der Kultserie "Stromberg" um nichts nachstehen, nur dass es eben nicht um den Büro-, sondern um den Schulalltag geht. Allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass da aber auch gar nichts überzeichnet, sondern alles brutale Realität ist.

Und so lässt sich der Untertitel "Was wirklich in der Schule abgeht" auf zwei Arten lesen: nämlich im Sinne von "abgehen = los sein", aber auch von "abgehen = fehlen". Denn Knoll spricht auch offen und ehrlich an, was ihn am System stört. Und was man besser machen könnte. Und schon sind wir mittendrin in einem Lehrstück, das weit über bloße Systemkritik hinausgeht. Schließlich hat der Mann Jahrzehnte Erfahrung als Pädagoge und gibt sie nun gerne an seine Leser weiter. Und so erfährt man, dass er ein Fan der (gut organisierten) Ganztagsschule ist, aber 8 Uhr oder noch früher aus seiner Sicht eine absolut blöde Beginnzeit ist. Er gibt Eltern und Kindern gute Tipps für die Schulwahl. Er fordert endlich eine Vereinheitlichung der Lehrpläne und Schulsysteme innerhalb Deutschlands (dieses Problem mag vielleicht in Österreich nicht so gravierend sein, aber das Kapitel ist trotzdem interessant). Er wettert gegen das Anstellungs- und Besoldungssystem, weil dieses aus seiner Sicht zwangsläufig frustrierte Lehrer generiert. Und er räumt auch mit allerlei Schulmythen auf.

Am Ende ist man jedenfalls um viele Anekdoten und manches Wissen reicher. Und geht vielleicht nächstes Mal nicht mit der Meute zum Elternsprechtag, sondern sucht zwischendurch in Ruhe ein konstruktives Gespräch mit den Pädagogen. Und vielleicht holt sich ja auch die eine oder andere Schulleitung tatsächlich Tipps von Knoll, dessen Argumente allesamt sehr plausibel klingen.

Ulrich Knoll: Live aus dem Klassenzimmer -
Was in der Schule wirklich abgeht
Goldegg Verlag; 266 Seiten; 16,95

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