Wien. (rös) Dem "typischen" österreichischen Jugendlichen sind Familie und Freunde am wichtigsten im Leben, er hält wenig von Religion und Politik, würde gerne für Red Bull arbeiten, schaut lieber Privatfernsehen als ORF und liest keine Zeitungen, weil er ohnehin alle Informationen aus dem Internet beziehen kann: Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Jugend Trend-Monitor-Studie, die die Event-Agentur DoclX am Montag in Wien präsentierte. Gemeinsam mit dem Online-Research-Institut Marketagent.com führte der Veranstalter von Maturareisen eine Online-Befragung unter 3000 Personen zwischen 14 und 29 Jahren durch.

Die konkreten Ergebnisse: Für Österreichs Jugend sind Familie (67 Prozent) und Freunde (66,6 Prozent) am wichtigsten, Religion (4,6 Prozent) und Politik (4,5 Prozent) haben dagegen einen geringen Stellenwert.
Im Berufsleben wollen sich 53,8 Prozent vor allem selbst verwirklichen. Für 41,2 Prozent kommen allerdings Kinder vor der Karriere (29,1 Prozent). Die beliebtesten Branchen sind "IT und Telekommunikation" (12,3 Prozent), "PR/Werbung/Kommunikation" (9,8 Prozent) und "Eventmanagement" (9,8 Prozent). Als attraktivsten Arbeitgeber gaben 6,7 Prozent der Befragten Red Bull an, auf Platz zwei folgt die Voest Alpine (1,8 Prozent) und auf Platz drei der Staat (1,7 Prozent).
Politiker zu werden können sich die meisten der Befragten (72,5 Prozent) nicht vorstellen. Vertrauen in die österreichische Politik haben nur 1,1 Prozent der Befragten. Als die korruptesten Parteien nehmen die Jugendlichen FPÖ (15,7 Prozent) und ÖVP (14,8 Prozent) wahr.
Das wichtigste Medium ist für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Internet (35,7 Prozent). Den ORF und Printmedien halten die Befragten hingegen großteils für verzichtbar. Nur 1,4 Prozent würden Zeitungen vermissen. Privatfernsehen wird von 48,3 Prozent gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen (18,7 Prozent) bevorzugt.
Mobiles Internet nutzen 82,5 Prozent der Jugendlichen täglich. 37 Prozent der Befragten nutzen mehr als 30 Minuten am Tag Social-Media-Plattformen über ihr Smartphone.
Trends, die keine sind
Was den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrifft, bestätigt die Studie einen Trend, der heuer schon von der Arbeiterkammer beobachtet wurde: Laut einer bereits im Mai dieses Jahres veröffentlichten Jugendwertstudie zeigen Jugendliche immer mehr Problembewusstsein - die Stimme nach gesellschaftlichem Zusammenhalt werde lauter und Sicherheit im sozialen Nahbereich sei wichtiger als Karriere. Im Vergleich zu früher habe sich das Bild vom egoistischen Kämpfer relativiert, hieß es. Allerdings nannten bereits 1996 mehr als 80 Prozent der Jugendlichen die Gründung einer Familie und den Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz als oberste Lebensziele (Universität Linz). Ebenso 2004, als in einer Studie des Forschungsinstitutes "Metis" 93 Prozent der Jugendlichen "Freunde" und 81 Prozent "Familienleben" als wichtigste Lebensinhalte bezeichneten.
Was die Politik betrifft, hat die Interessenslage wenigstens im Frühjahr dieses Jahres noch ein wenig anders ausgesehen: Da zeigte sich laut besagter AK-Umfrage die Jugend mit 16 Prozent immerhin noch sehr interessiert, 38 Prozent zumindest etwas.
Allerdings scheint die Politikverdrossenheit ebenso wie die Wichtigkeit der Familie mehr Zustand als Trend zu sein; zeichneten doch sämtliche Studienergebnisse seit den 1990er Jahren ein ähnliches Bild der Jugend: Bereits im Jahr 1993 hatte das Österreichische Institut für Jugendforschung erklärt, dass sich die Jugend von der traditionellen Politik verabschiedet hat. Und Umfrageergebnisse aus 2004 erklären, dass der Glaube an das politische System so schwach wie noch nie war.