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Update: 22.06.2012, 11:57 Uhr
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Beratungsstellen derzeit sehr gefragt

Jeder zehnte Schüler braucht zum Schulschluss pyschologische Hilfe



  • Leistungsdruck und soziale Probleme spitzen sich gegen Ende des Schuljahres zu.

Psychologische Betreuung ist für Schüler oftmals unverzichtbar - besonders gegen Ende des Schuljahres.

Psychologische Betreuung ist für Schüler oftmals unverzichtbar - besonders gegen Ende des Schuljahres.APAweb/dpa/Frank Rumpenhorst Psychologische Betreuung ist für Schüler oftmals unverzichtbar - besonders gegen Ende des Schuljahres.APAweb/dpa/Frank Rumpenhorst

Wien. Schlechte Noten, Unverständnis, Streit und Tränen: So endet für manche Schüler der Zeugnistag. Zu Schulschluss spitzen sich längst brodelnde Konflikte zu. Beratungsstellen sind derzeit gefragt. "Schüler kommen mit der ganzen Palette an Fragestellungen", sagte Mathilde Zeman, Leiterin der Schulpsychologischen Bildungsberatung in Wien. Laut der Expertin benötigen rund zehn Prozent aller Schüler psychologische Hilfe. Die schulpsychologischen Beratungsstellen decken davon nicht einmal die Hälfte ab. "Es gibt einfach zu wenig Schulpsychologen", meinte Zeman.

Seit 20 Jahren ist der Personalstand in Wien unverändert - und der Bedarf ist gestiegen. "Ich halte es für gefährlich, wenn man Jugendlichen psychologische Hilfe nicht gewähren kann", meinte die Psychologin.

Ganz oben auf der Liste an Anfragen stehen Lernschwierigkeiten und Leistungsabfall, gefolgt von Motivationsproblemen, wenn die Freude am Lernen verloren geht, und von Schullaufbahnfragen. Aber auch Probleme mit dem sozialen Umfeld - mit Freunden, Familie oder Klassenkollegen - werden zur Belastung.

Falscher Schultyp?
Der Lernstoff überfordert manche Schüler, er wird als zu viel empfunden - und das sorgt für Frustration. Häufig sind die Kinder auch einfach fehl am Platz, sagte die Psychologin. "Die Schulart entspricht nicht ihren Interessen", meinte Zeman. Ein Schüler, der Mathematik nicht gerne mag, aber in einer kaufmännischen Schule mit Schwerpunkt Rechnen sitzt, den freut das Lernen wenig, zeigte Zeman Verständnis. Teilweise orientieren sich die Eltern bei der Schulwahl zu sehr an den Erfolgschancen am Arbeitsmarkt oder sie suchen einen Nachfolger für das eigene Unternehmen, während das Kind lieber etwas Kreatives machen würde, meinte die Schulpsychologin.

Was tun, wenn das Kind mit der Schule unglücklich ist? Quält sich der Schüler im ersten Jahr und schafft gerade den Abschluss, "dann ist noch eine gute Zeit gegeben, um abzuzweigen", sagte Zeman. Ein Schulwechsel soll aber immer mit einer differenzierten Laufbahnberatung einhergehen, wo die Fähigkeiten und Potenziale eines Kindes genau erhoben werden. Ein zu schneller Wechsel kann sich schnell zum Flop entwickeln. "Man muss sich die Schule genau ansehen, auch das Gebäude besuchen, immerhin verbringt man als Schüler viel Zeit darin." Tritt die Motivationskrise kurz vor dem Abschluss auf, "dann ist unser Ziel zu schauen, wie es der Schüler schaffen kann, bis zum Schluss durchzuhalten".

Soziale Probleme
Als belastend werden aber auch Probleme mit dem sozialen Umfeld erlebt - nicht zuletzt gilt die Pubertät als eine herausfordernde Lebensphase. "In einem gewissen Alter haben andere Dinge im Leben eine größere Wertigkeit als die Schule", so Zeman. Jugendliche beschäftigt der erste Liebeskummer oder die Trennung der Eltern. Was in den vergangenen Jahren zunimmt, sind nach Angaben der Expertin Probleme nach persönlichen Beziehungs- und Freundschaftsabbrüchen. "Das kann erhebliche Probleme und Krisen auslösen (...) in diesem Alter nehmen Freundschaften einen großen Stellenwert ein."

Auch die ORF-Telefonberatung "147 Rat auf Draht" verzeichnet vor Schulschluss einen leichten Anstieg bei den Anrufen. Das Thema Schule ist das ganze Jahr über präsent, sagte Birgit Satke, Leiterin von "147 Rat auf Draht", kurz vor Ferienbeginn aber besonders. Hauptsächlich geht es um die Frage "Wie bringe ich meinen Eltern die schlechten Noten bei?" oder "Wie kann ich es anstellen, dass ich trotz Nachzipf auch die Ferien genießen kann?". Der Druck ist in den vergangenen Jahren deutlich spürbarer geworden, betonte Satke. "Ziemlich viel fokussiert sich auf zweieinhalb Prüfungsmonate." Wenn es einen Nachzipf gibt, rät die Expertin zu einer guten Planung, die beides ermöglicht: Lernen und Ferien genießen. "Nicht nahtlos von Schule und Lernen zum Lernen für die Nachprüfung übergehen. Kinder brauchen eine Erholungspause", meinte Satke.

Übrigens: Am Zeugnistag haben die schulpsychologischen Beratungsstellen verlängerten Beratungsdienst. Die Berater sind dann von 7.30 bis 18.00 Uhr erreichbar.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-22 11:03:57
Letzte Änderung am 2012-06-22 11:57:04


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