Brüssel/Wien.

Der Bericht von 15 hochrangigen Experten enthält ein breites Spektrum an Maßnahmen: So sollen Eltern Lesen als Freizeitbeschäftigung kultivieren, Bibliotheken sollten an ungewöhnlichen Orten eingerichtet werden, für den Lehrberuf sollten mehr Männer gewonnen werden, die als Vorbilder für Buben fungieren können.
Bis 2020 wollen die EU-Bildungsminister den Anteil der leseschwachen 15-Jährigen von derzeit 20 auf 15 Prozent senken. Die Mädchen erreichen diese Vorgabe schon jetzt (Datenbasis 2009): durchschnittlich 13,3 Prozent gelten in dieser Gruppe als leseschwach; bei den Buben sind es dagegen 26,6 Prozent.
In Österreich wurden bei 27,5 Prozent der 15-jährigen Leseschwächen festgestellt, was eine Verschlechterung um 6 Prozent gegenüber 2006 darstellt. Allerdings verweist man im Unterrichtsministerium auf die "alte" Datenbasis. Denn 2009 seien weder die Programme für eine Sprachstandsfeststellung vor Schulbeginn, noch das Gratiskindergartenjahr, noch spezielle Leseförderprogramme wirksam gewesen. "Es dauert, bis all diese Maßnahmen greifen", sagte der Pressesprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied zur "Wiener Zeitung". Auch von der Senkung der Klassenschülerhöchstzahl erwartet man sich einen weiteren Qualitätsschub. Bei den Volksschulen betrage der Durchschnitt 19 Schüler - das ist EU-weit Platz 7 und OECD-weit Platz 8. Und von den Bildungsstandards erwartet Schmied eine weitere Verbesserung der Leistungen, weil Schulen und Lehrer gezielt aus den Ergebnissen Programme ableiten könnten.