• vom 25.09.2012, 18:16 Uhr

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Leitls Idee einer "Express-Lehre" stößt auf geteilte Meinungen



  • Gewerkschaft sieht Probleme bei der Bezahlung.

Vom Lehrling zum Gesellen: Das dauert im Normalfall ein paar Jahre. Nun wird über Alternativen diskutiert. - © APA

Vom Lehrling zum Gesellen: Das dauert im Normalfall ein paar Jahre. Nun wird über Alternativen diskutiert. © APA

Wien. (sko) Der Vorschlag von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, eine einjährige Kurzlehre für Maturanten zu schaffen, hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

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"Das wünschen wir uns sicher nicht, dass ein Maturant mit einer geringen Lehrlingsentschädigung ins Berufsleben einsteigt", so der Arbeitsmarktsprecher des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Rudolf Kaske, am Dienstag im Ö1- "Morgenjournal". In einem Jahr lasse sich auch von einem Maturanten nicht lernen, was ein Lehrling in drei Jahren lernt. Zu klären sei auch, ob dann ein AHS-Absolvent als Nicht-Maturant bezahlt werde, oder ob die ausbildenden Betriebe mehr zahlen würden. Leitls Vorschlag sei "allenfalls die zweit- oder drittbeste Lösung für das Fachkräftemangelproblem". Die beste Variante sei es, den Jugendlichen in einer dualen Lehrausbildung in den Betrieben auszubilden. Ein Lehrjahr nach der Matura sei, so Kaske, "möglicherweise in ganz wenigen Lehrberufen eine Ergänzung". Gewisse praktische Fertigkeiten werde man aber ganz sicher nicht in einem Jahr erlernen können.

"Bärendienst an der
dualen Ausbildung"
Auch Fritz Amann, Bundesobmann vom Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender, steht einem Intensiv-Praxisjahr für Maturanten äußerst kritisch gegenüber: "Allein die Idee einer ‚Express-Lehre‘ ist ein ‚Bärendienst‘ an der guten dualen Ausbildung in Österreich, damit entwertet man das Image der Lehre noch zusätzlich." Die Lehre sei zuletzt schrittweise ausgehungert worden, damit müsse jetzt Schluss sein.

Ebenfalls kritisch steht die Jugendsektion der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) dem Reformvorschlag Leitls gegenüber: "Alle Berufsgruppen über einen Kamm zu scheren und mit einer ,Expresslehre‘ innerhalb eines Jahres die AHS-Maturantin zur Mechatronikerin und den HTL-Absolventen zum Friseur auszubilden, können wir als FCG Jugend daher nur sehr wenig abgewinnen."

Ganz anderer Meinung ist hingegen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der Leitls Idee befürwortet: "Das ist ein positiver und interessanter Vorschlag". In der Praxis müsse dieser aber mit Inhalten versehen werden, erklärte er am Dienstag vor dem Ministerrat, da es seiner Ansicht nach nicht möglich ist, dies bei vielen Berufen in die Praxis umzusetzen.

Töchterle: Zusätzliche Aufwertung der Lehre
Positiv steht auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle der Idee Leitls gegenüber: "Ich finde, das ist eine zusätzliche Aufwertung der Lehre und eine interessante Option für viele, die vielleicht nach der Matura eine eher kürzere Berufsausbildung erwägen."

Auch ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon hält die verkürzte Lehre für "überaus sinnvoll". Damit werde das Bildungssystem durchlässiger, dem Fachkräftemangel werde entgegengewirkt. Der Vorwurf, dass dadurch Billigarbeitskräfte entstünden, "geht völlig ins Leere". Über Löhne und Arbeitsbedingungen sollten die Sozialpartner verhandeln.




Schlagwörter

Matura, Lehre, Leitl, ÖGB

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Dokument erstellt am 2012-09-25 18:23:07


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