• vom 23.09.2013, 18:08 Uhr

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Update: 24.09.2013, 10:38 Uhr

Generation Praktikum

Die versteckten Arbeiter




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Von Clemens Neuhold

  • Ist aus dem Praktikum längst ein illegaler Arbeitsmarkt geworden?
  • 90 Prozent der Praktika sind reine Arbeitsverhältnisse, kritisiert die Plattform Generation Praktikum.

Die unsichtbaren Wähler: Generation Praktikum spielt für Wahl marginale Rolle - im Unterschied zur "Generation Pension". - © V. Kronberger

Die unsichtbaren Wähler: Generation Praktikum spielt für Wahl marginale Rolle - im Unterschied zur "Generation Pension". © V. Kronberger

Wien. Ein Architekturstudent, der für sein Pflichtpraktikum kein Geld bekommt, sondern dafür bezahlen muss - für Veronika Kronberger von der Plattform Generation Praktikum das bisher krasseste Beispiel von Missbrauch studentischer Arbeitskraft. In England seien solche Praktiken üblich, in Österreich noch auf einzelne schwarze Schafe beschränkt. Doch wenn es um einen fairen Lohn für das Praktikum geht, sieht sich Kronberger von schwarzen Schafen geradezu umringt. "60 Prozent der Pflichtpraktika sind unbezahlt", schätzt Kronberger. "Gleichzeitig haben nur die wenigsten einen klassischen Ausbildungscharakter. Meistens handelt es sich um reine Arbeitsverhältnisse." Deswegen fordert die ehrenamtliche Plattform, die mit der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer kooperiert, einen radikalen Schritt: Pflichtpraktika sollten dem Arbeitsrecht unterworfen werden. Vorbild ist Frankreich. Dort müssen alle Praktikanten angemeldet und adäquat entlohnt werden.

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Schritt in die Wirtschaft
Mit der europäischen Hochschulreform (Bologna-Prozess), die 2000 startete, nahm die Zahl der Pflichtpraktika rasant zu. Kronberger spricht von 310.000 Pflichtpraktika im universitären Bereich und in den Schulen wie Handelsakademien oder HTLs. Diese Entwicklung hat aus ihrer Sicht zu einem "parallelen Arbeitsmarkt" geführt, auf dem "junge Leute illegal beschäftigt werden". Von ihren Erfahrungsberichten her ist Kronberger überzeugt: "Die Situation wird immer drastischer und schlimmer."

Was tut die Politik im Wahljahr dagegen? Die SPÖ und die Grünen fordern ein eigenes Gesetz, das Praktikanten besserstellt. Doch das wäre für Kronberger "praxisfern". Sie warnt vor einem "Arbeitsrecht light". Man dürfe Umgehungsverhältnisse nicht legalisieren.

Wo kein Kläger . . .
Auf der Sozialpartnerkonferenz in Bad Ischl verwies Sozialminister Rudolf Hundstorfer auf Gesetze gegen solche Umgehungen. Doch Kronberger sagt: "Es gibt keine Kläger." Niemand wolle sich mit potenziellen Arbeitgebern anlegen und sich die Einfahrt in den sicheren Jobhafen verbauen.

Der Bundesvorstand und Bildungssprecher der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft, Florian Lerchbammer, warnt vor einer arbeitsrechtlichen Verankerung des Praktikums. "Die Zahl der Praktika würde extrem abnehmen, weil es sich Klein- und Mittelbetriebe nicht leisten könnten, einen Praktikanten wie eine Vollzeitkraft zu entlohnen. Das widerspricht dem Grundgedanken." In der Verwaltung habe eine neue Regelung für Praktikanten die Zahl der Plätze deutlich reduziert. Eingeführt wurde eine Art Mindestlohn. "Das ist natürlich eine soziale Verbesserung. Aber gleichzeitig kommen jetzt weniger Anwärter überhaupt zum Zug", sagt Lerchbammer.

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Dokument erstellt am 2013-09-23 18:11:05
Letzte Änderung am 2013-09-24 10:38:48



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