• vom 09.10.2014, 16:40 Uhr

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Update: 09.10.2014, 17:08 Uhr

Eltern schneiden bei Kompetenzstudie schlechter ab




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  • Große Unterschiede zwischen Eltern und Kinderlosen beim sinnerfassenden Lesen.

Wien. Vor einem Jahr wurden die Ergebnisse der ersten großen, vergleichenden Kompetenzstudie für Erwachsene präsentiert, der sogenannte PIAAC-Test ("Programme for the International Assessment of Adult Competencies") der OECD. Die detaillierte Nachbearbeitung der Studie offenbarte nun eine bemerkenswerte Erkenntnis: Personen mit Kindern haben bei PIACC in allen Bereichen schlechtere Ergebnisse erzielt als Kinderlose. Getestet wurden in Österreich 5000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren im Lesen, in Alltagsmathematik und im Problemlösen.

Die beiden Wissenschafter Elisabeth Ponocny-Seliger und Ivo Ponocny der Sozialforschungseinrichtung Gender Research widmeten sich bei der Detailanalyse den Geschlechtern, fanden dort allerdings weit geringere Unterschiede als zwischen Kinderlosen und Eltern. Zwar schnitten Männer insgesamt in allen drei Kompetenzbereichen besser ab, doch etwa beim Lesen war der Unterschied zwischen Kinderlosen und Eltern (16 Punkte) viermal so groß wie zwischen Männern und Frauen (4 Punkte), beim Problemlösen doppelt so groß (20 und 10 Punkte).

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Deutlichkeit überraschte
"In der Deutlichkeit waren die Ergebnisse schon überraschend", sagt Ponocny-Seliger. Bei zunehmendem Alter vermindert sich der Unterschied, so zeigte sich etwa, dass bis zum Alter von 35 Jahren die Unterschiede zwischen Kinderlosen und Eltern sowohl bei Frauen als auch bei Männern deutlich ausgeprägt sind, bei Frauen noch stärker. Während der Fertilitäts-Unterschied bei den Frauen bis 65 Jahre bestehen bleibt und nur etwas geringer wird, ist das Bild bei den Männern uneinheitlich: Bei den 45- bis 54-Jährigen überholen die Väter ihre kinderlosen Geschlechtsgenossen, um etwas später wieder leicht hinter diese zurückzufallen.

Menschen mit Kindern könnten die Fertigkeiten, die bei der PIAAC-Studie überprüft werden, weniger trainieren, erklärt die Wissenschafterin. Bei den Tests geht es vor allem darum, aus viel Material (Texten oder Tabellen), in kurzer Zeit eine bestimmte Information herauszulesen. "Es ist eine sehr spezifische Art des Lesens", sagt die Wissenschafterin.

"In der jüngeren Generation macht es nicht mehr das Geschlecht aus, sondern die Bedingungen rundherum", sagt sie. Bei diesen Rahmenbedingungen müsste man auch ansetzen, empfiehlt Ponocny-Seliger. "Wir leben in einer Zeit, in der Fortbildung und Kompetenzerwerb eine große Rolle spielt, wir sehen nun, dass Menschen mit Kindern eine Last auf sich haben und gefährdet sind, aus der Bildungslaufbahn hinausgekickt zu werden."

Die geringeren Unterschiede zwischen Kinderlosen und Eltern in der älteren Generation erklärt Ponocny-Seliger damit, dass die Kinder in diesem Alter im Regelfall außer Haus seien sowie mit einer unterschiedlichen Sozialisation. Diese Generation habe ein ganz anderes Bildungssystem durchlaufen und sei etwa nicht unter dem ständigen Druck zur Fortbildung gestanden.

In anderen Staaten ergibt sich ein unterschiedliches Bild: Bis zum Alter von 35 Jahren haben zwar auch in Frankreich die Kinderlosen die Nase vorn. Bereits mit 35 Jahren nivellieren sich aber die Unterschiede, bei den Älteren erzielen dann sogar die Personen mit Kindern höhere Werte. Ähnlich ist die Lage in Finnland. Insgesamt lag Österreich bei der PIACC-Studie weitgehend im Durchschnitt.



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Dokument erstellt am 2014-10-09 16:47:02
Letzte ─nderung am 2014-10-09 17:08:14



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