Wien. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz lässt sich von ablehnenden Kommentaren zu seiner jüngsten Forderung nach Vorschulklassen für Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse nicht beirren. Vor dem Ministerrat am Dienstag bekräftigte er seinen Vorstoß und verlangte nach einer entsprechenden Gesetzesänderung. Konkret will er, dass die Beherrschung der deutschen Sprache ein Kriterium bei der Ermittlung der Schulreife wird.
Derzeit erfolgt die Beurteilung der Schulreife anhand körperlicher, intellektueller sowie sozioemotionaler Merkmale. Fehlende Deutschkenntnisse sind dagegen kein Grund für ein Verweigern der Schulreife. Das will Kurz ändern: "Wir brauchen ein neues Gesetz", und in diesem sollen die sprachlichen Fähigkeiten, vor allem die Deutschkenntnisse, ein weiteres Merkmal werden. Der Staatssekretär kündigte an, in dieser Sache das Gespräch mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied zu suchen. Diese hatte ja zuletzt wenig Gefallen an seinem Vorstoß gefunden.
SOS Mitmensch: "Bildungspolitischer Populismus"
Und auch die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch übt heftige Kritik am "bildungspolitischen Populismus" des Staatssekretärs, in einer Aussendung schrieb diese: "Integrationsstaatsekretär Kurz redet gerne von Leistung. Doch bildungspolitischer Populismus ist keine Leistung und schon gar nicht der Schlüssel zu einer chancengerechten Gesellschaft".
Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch, in seiner Aussendung: "Wir brauchen intelligente, flexible Sprachlernmodelle, die maßgeschneidert auf Kinder und Jugendliche anwendbar sind" - und nicht "fixe schulische Zugangsblockaden für junge Migranten, wie Kurz sie jetzt fordert". Der Staatssekretär würde damit die Empfehlungen von Sprach- und BildungsexpertInnen ignorieren, so Pollak. Diese besagen, dass Kinder Sprachen am raschesten von anderen Kindern lernen. Und bei Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, seien gute Erstsprachkenntnisse viel entscheidender für den Schulerfolg, als "von Anfang an gute Deutschkenntnisse zu haben", betont Pollak.