• vom 26.07.2011, 17:36 Uhr

Schule

Update: 26.07.2011, 17:45 Uhr

Behinderung

"Mut zur Systemveränderung"




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Wie funktioniert der Übergang ins Berufsleben für Menschen mit Behinderung?

Wir haben in Studien herausgefunden, dass Beratung enormen Einfluss auf den weiteren Bildungsweg hat. Bei Sonderschulen läuft sie in Richtung Segregation, also etwa Werkstätten. In den Integrationsklassen wird häufiger der integrative Weg empfohlen, also Ausbildung und Arbeit in der freien Wirtschaft. Auffällig ist, dass innerschulische Beratungen generell mehr den geschützten Bereich empfehlen.

Was sind die größten Probleme für Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt?

Die Arbeitsmarktsituation ist nicht gut, und mit Behinderung hat man noch geringe Chancen. Doch die Wirtschaft wird uns alle brauchen. Und wir wissen, dass die Investition in integrative Maßnahmen volkswirtschaftlich kostengünstiger ist als etwa die Beschäftigung in Werkstätten.

Unternehmen zahlen lieber Ausgleichstaxen, als Menschen mit Behinderung einzustellen. Wieso?

Ihnen fehlt die Erfahrung. Besonders groß ist ihre Unsicherheit bei Menschen mit psychischer oder intellektueller Beeinträchtigung. Menschen mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigung haben es da leichter. Denn wenn der Arbeitsmarkt einmal rollstuhlgeeignet ist, ist die Leistungsfähigkeit nicht mehr gefährdet. Kollegen oder der Chef wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen oder haben Angst vor hohen Fehlzeiten. Da gibt es viele Vorurteile.

In Ihren Studien haben sich Frauen mit Behinderung als zusätzlich gefährdet herausgestellt. Wieso?

Frauen sind prinzipiell in der Schule erfolgreicher. Das liegt auch an der Sozialisation: Sie sind zurückhaltender und braver. Burschen haben eher SPF, aber das dreht sich irgendwann um. Bei der Integration in Ausbildung und Beschäftigung sind Frauen die Verliererinnen: Frauen mit Behinderung verbleiben am längsten im Pflichtschulsystem und haben geringe Aufstiegschancen. Bei ihnen ist die Gefahr, wieder arbeitslos zu werden, höher. Das betrifft Frauen generell, aber Frauen mit Behinderungen noch stärker.



Was wäre da notwendig?

Mehr Projekte, die junge Frauen mit Behinderung als Zielgruppe im Auge haben. Wenn ich ein negatives Selbstbild habe, werde ich mich nicht selbstbewusst bewerben. Wir brauchen Empowerment.

Helga Fasching ist Assistenzprofessorin am Institut für Bildungswissenschaft der Uni Wien. Davor war die Psychotherapeutin lange in der beruflichen Integration als Arbeitsassistentin und in der psychiatrischen Nachbetreuung tätig.

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Schlagwörter

Behinderung, Schule, Sonderschule

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Dokument erstellt am 2011-07-26 17:42:06
Letzte nderung am 2011-07-26 17:45:12



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