• vom 29.04.2014, 11:04 Uhr

Schule


Politische Bildung

Keine Zeit für Politik




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Von Eva Bachinger

  • Wählen kann man in Österreich ab 16, aber die politische Bildung selbst ist in den österreichischen Schulen ein Randgebiet.

Wien. "Ich habe mich nicht ausgekannt und ich wollte einen tieferen Einblick in das politische Geschehen", sagt die 17jährige Schülerin Linda. Sie besucht ein Oberstufenrealgymnasium in Wien und hat sich im Herbst 2013 für das Wahlpflichtfach "Politische Bildung" entschieden. Zwei Stunden pro Woche sind politischen Themen gewidmet. Für Linda gehört das zur Allgemeinbildung.

Ob aus dem Freifach ein Pflichtfach werden soll? Sicher ist sie sich nicht: "Zwang bringt nie wirklich was. Aber das Fach ist schon sehr wichtig." Sie hat den Eindruck, dass sich viele ihrer Mitschüler nicht oder noch nicht für Politik interessieren, manche seien einfach unsicher: "Manche gehen nicht wählen, weil sie sich nicht auskennen". Linda diskutiert mit ihren Eltern zu Hause über Politik und natürlich geht sie wählen. Bei der Volksbefragung zur Zukunft des Bundesheeres vor einem Jahr hat sie ebenso teilgenommen wie bei der letzten Nationalratswahl.


Politische Bildung ist in den österreichischen Schulen im Rahmen des Geschichtsunterrichts in der Oberstufe als verpflichtendes Modul verankert. Seit 1978 gilt das Unterrichtsprinzip "Politische Bildung", das besagt, dass Politik fächerübergreifend unterrichtet werden soll. Schulen können das Thema im Rahmen eines Wahlpflichtfaches zudem autonom anbieten.

"Viel zu wenig Politik", kritisiert Anton Pelinka

Das hat zur Folge, dass Politik je nach Schultyp und Engagement der Lehrer unterschiedlich vermittelt wird. Ob Politik vorkommt, ist vom Zufall abhängig, wie der Politikwissenschaftler Anton Pelinka kritisiert. "Obwohl Politische Bildung integrativer Bestandteil des Geschichte-Unterrichts sein soll, wird es aus Zeitmangel oft viel zu wenig gemacht. Wenn man sich damit ernsthaft auseinandersetzt, muss man Zeit investieren, und die haben wir angesichts des vielen Lehrstoffes oft nicht", erzählt eine Lehrerin.

Bei der Nationalratswahl 2013 konnten in Österreich erstmals 16-jährige wählen. Rund 63 Prozent dieser Erstwähler gingen auch zur Wahl. Auch bei der kommenden EU-Wahl sind zumindest in Österreich auch die Stimmen ab 16 wieder gefragt. Laut Eurobarometer 2014 sind Jugendliche unter 25 Jahre gegenüber der EU nicht so negativ eingestellt: 37 Prozent haben ein positives Gesamtbild. Nur rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung sieht die EU ähnlich positiv. Ein Drittel der Jugendlichen meint, dass die EU-Mitgliedschaft dem Land eher Vor- als Nachteile einbringt, 38 Prozent finden, dass sich Vor- und Nachteile die Waage halten.

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Dokument erstellt am 2014-04-18 12:05:44
Letzte nderung am 2014-04-18 12:17:56



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