• vom 13.03.2017, 17:31 Uhr

Schule

Update: 13.03.2017, 21:59 Uhr

Schulautonomie-Paket

Eine interne Angelegenheit




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  • Nach zehnstündigen Verhandlungen beraten Lehrervertreter bis Donnerstag, ob sie dem Paket zustimmen.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid will nicht nur die Digitalisierung an den Schulen vorantreiben, sondern auch ab Herbst mit der Bildung von Schulclustern im Rahmen der Schulautonomie beginnen. - © Regina Aigner

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid will nicht nur die Digitalisierung an den Schulen vorantreiben, sondern auch ab Herbst mit der Bildung von Schulclustern im Rahmen der Schulautonomie beginnen. © Regina Aigner

Wien. (pech) Das Schulautonomie-Paket ist ein wichtiges Gesetzesvorhaben, um die Bildungspolitik ein Stück weit voranzutreiben. Allerdings galt es, zwischen Bildungsministerium und Lehrergewerkschaft noch einige offene Fragen zu klären, bis eine Umsetzung tatsächlich begonnen werden kann. Am vergangenen Wochenende haben sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) und die Lehrergewerkschaft mit Paul Kimberger an der Spitze zu Verhandlungen getroffen. Es geht um Geld und Mitsprache. Noch gibt es keine Einigung zu verkünden, aber es scheint sich eine Einigung abzuzeichnen.

Das Bildungsministerium liefert bis Dienstag an die Gewerkschaft sämtliche überarbeiteten Entwürfe und Erläuterungen, sodass diese nach weiteren Beratungen am Donnerstag in ihren Gremien eine endgültige Entscheidung treffen kann. Kimberger will bis dahin keine Empfehlung aussprechen.

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Ministerin Hammerschmid zeigte sich nach den mehr als zehnstündigen Beratungen bis Sonntag Mitternacht optimistisch. Es seien "konstruktive Gespräche" gewesen, "alle offenen Fragen geklärt" worden, sagte eine Sprecherin der Bildungsministerin. Man sei zuversichtlich, dass die Gesetzestexte bald in Begutachtung gehen können.

Mahrer: Vom Mittelalter
in die Zukunft

Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), der mit der Bildungsministerin das Schulautonomie-Paket verhandelt hat, forderte Flexibilität. "Wenn alle Beteiligten wollen, dann bewegen wir uns aus dem Mittelalter ein Stück Richtung Zukunft. Ich erwarte mir, dass sich alle im Sinne der Kinder bewegen." Mahrer selbst hat an den Verhandlungen mit der Gewerkschaft nicht teilgenommen, da dies eine Sache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern sei.

Mit dem Schulautonomie-Paket sollen Schulcluster - ein Zusammenschluss von bis zu acht Schulen - möglich werden, was vor allem für rund 200 Kleinschulen Vorteile bringen soll. Die Schulclusterverantwortlichen haben sehr viele pädagogische Freiheiten: Es kann fächerübergreifender Unterricht stattfinden, die 50-Minuten-Unterrichtseinheiten können aufgehoben werden - alles eine autonome Entscheidung der Schulleiter.

Auch bei der Auswahl der Lehrer sollen die Schulclusterleiter mitreden. Lehrer können dann innerhalb des Schulclusters eingesetzt werden. Das bedeutet auch, dass der Fächerkanon für einzelne Lehrer wieder kleiner werden kann. Beziehungsweise dann nicht mehr so viele Lehrer in sogenannten Fremdfächern unterrichten müssen.

Weil aber auf diese Cluster-Leiter - dort, wo es keine Cluster gibt, auf die einzelnen Direktoren - eine Vielzahl an Aufgaben zukommt, will die Lehrergewerkschaft für diese auch mehr Geld sehen. Es geht aber auch um die Entlohnung der Bereichsleiter an den einzelnen Schulen, die zu einem Cluster verbunden sind.

Schulpartner sollen doch Mitsprache erhalten
Durch die variable Gruppenbildung an den Schulen kann es in einigen Fächern oder in einem fächerübergreifenden Unterricht zu größeren Gruppen kommen. Die Lehrergewerkschaft will hier sichergestellt wissen, dass grundsätzlich die Schülerhöchstzahl von 25 pro Klasse eingehalten wird. "Für mich war es eine Bedingung, die 25er-Zahl sicherzustellen - und zwar so, dass die Höhe der Ressourcen am Standort auf der aktuellen Basis garantiert wird, aber im Cluster Flexibilität möglich ist", sagte Lehrervertreter Kimberger. "Der Clusterleiter oder Schulleiter soll durchaus sagen können: Wir machen in einem Bereich etwas größere Gruppen, dafür in einem anderen Bereich kleinere. Damit muss er aber ins Schulpartnergremium hinein und Einvernehmen herstellen." Eine solche Einbeziehung der Schulpartner (Lehrer, Eltern, Schüler) war eigentlich nicht vorgesehen, sie würde also die Entscheidungsfreiheit der neuen Schulleiter einschränken. Das Ministerium wollte das am Montag nicht kommentieren. "Wir schauen uns dann das fertige Konzept an", hieß es.

Raue Zwischentöne rund um die Verhandlungen gab es zwischen Bundeskanzler Christian Kern und der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. "Ich erwarte, dass die ÖVP jetzt ihre Funktionäre - so wie wir es auch gemacht haben - auf Linie bekommt", so Kern. Gewerkschaftsfunktionäre - "und zwar von allen Fraktionen" - seien ausschließlich den Interessen der Mitglieder verpflichtet und bräuchten keine Zurufe vom Kanzler, replizierte GÖD-Chef Norbert Schnedl (FCG) in einer Aussendung.




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Dokument erstellt am 2017-03-13 17:35:06
Letzte ─nderung am 2017-03-13 21:59:46



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