• vom 16.11.2017, 10:00 Uhr

Schule


Bildung

Teurer heißt nicht immer besser




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Von Mathias Ziegler

  • Der Anteil der Privatschulen ist in Österreich im internationalen Vergleich gering. Die Gründe, sich für eine zu entscheiden, sind vielfältig.

- © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

© Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Rund 7000 Schulen gibt es in Österreich, etwa 600 davon werden von privaten Schulerhaltern geführt. "Wir haben insbesondere im Volksschulbereich sehr wenige Schulen mit privater Trägerschaft", erklärt Claudia Schreiner, Direktorin des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (Bifie). Laut dem jüngsten nationalen Bildungsbericht besuchen gerade einmal 6 Prozent einer Alterskohorte im Volksschulbereich eine private Schule, auch im Sekundarstufenbereich (allgemeinbildender Sektor) ist die Quote mit 10 Prozent relativ niedrig. Insgesamt besuchen also etwa 100.000 der 1,12 Millionen Schüler in Österreich private Schulen, Tendenz steigend.

In den Ballungsräumen ist der Anteil der Privatschulen allerdings deutlich höher. Im Zentralraum Wien beträgt er sogar 17 Prozent. Das hat nicht nur soziodemografische Gründe (in der Hauptstadt gibt es mehr einkommensstarke Familien, die sich eher Privatschulen leisten können), meint Bifie-Direktorin Schreiner. "In sehr dünn besiedelten ländlichen Gebieten kann man mit einem alternativen Schulangebot wahrscheinlich weniger leicht Fuß fassen, weil einfach weniger Schüler da sind. Und wenn eine öffentliche Volksschule bereits die vorhandenen Schüler in der Region abschöpft, ist ein Privatschulangebot typischerweise ein Angebot gegen eine Konkurrenzschule und nicht in einem breiten Spektrum wie im städtischen Gebiet. Dort ist auch die Schulwahl früher ein Thema."

Damit eine Privatschule staatsgültige Zeugnisse vergeben darf, braucht sie das sogenannte Öffentlichkeitsrecht. Wer eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht besucht, muss sich regelmäßig externen Prüfungen durch die Schulbehörde unterziehen. Privatschüler, die bei diesen Prüfungen öfter negativ abschneiden, werden zwangsweise einer öffentlichen Schule zugewiesen. Häuft sich dies bei einer Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht, kann sie auch von der Schulbehörde geschlossen werden. In Österreich gibt es so gut wie alle Schultypen in den Varianten mit und ohne Öffentlichkeitsrecht.

Die Rolle der Kirche als Schulträger illustriert das Stiftsgymnasium Melk. Es besteht seit 1707, geht aber auf eine mittelalterliche Klosterschule zurück und gehört damit zu den ältesten Schulen im deutschen Sprachraum.

Die Rolle der Kirche als Schulträger illustriert das Stiftsgymnasium Melk. Es besteht seit 1707, geht aber auf eine mittelalterliche Klosterschule zurück und gehört damit zu den ältesten Schulen im deutschen Sprachraum.© APA/HERBERT PFARRHOFER Die Rolle der Kirche als Schulträger illustriert das Stiftsgymnasium Melk. Es besteht seit 1707, geht aber auf eine mittelalterliche Klosterschule zurück und gehört damit zu den ältesten Schulen im deutschen Sprachraum.© APA/HERBERT PFARRHOFER

"Flucht vor der Integration"

Dass ein Kind in eine Privatschule geht, ist mitunter auch Zufall, meist aber wohlüberlegt, meint Ernst Smole, der Obmann des Internationalen Forums für Kunst, Bildung und Wissenschaft. Er war viele Jahre Musikschulleiter, in der vergangenen Legislaturperiode Auskunftsperson in den Parlamentsausschüssen für Budget und Bildung und hat im Laufe seiner Karriere die Unterrichtsminister Fred Sinowatz, Herbert Moritz und Helmut Zilk beraten. "Manchmal liegt die Privatschule verkehrstechnisch besser als eine kostenlose öffentliche Schule. Viele Eltern sind auch davon überzeugt, dass Privatschulen generell bessere Schulen sind. Oft kennen sie bereits eine Privatschule, mit der Angehörige oder Bekannte hervorragende Erfahrungen gemacht haben, oder es gibt ein bestimmtes Angebotsspektrum, über das die erreichbaren öffentlichen Schulen nicht verfügen. Einige denken auch an die spätere berufliche Zukunft ihrer Kinder und an künftige berufliche und private Netzwerke. Ein Blick auf die Namen der Absolventen mancher Privatschulen macht diese Intention durchaus plausibel."

Information

Privatschulen in freier Trägerschaft:
www.schulvielfalt.at

Internationales Forum für
Kunst, Bildung und Wissenschaft:

www.ifkbw-nhf.at

Bundesinstitut für Bildungsforschung,
Innovation und Entwicklung des
österreichischen Schulwesens:

www.bifie.at

Andreas Ferner: BildungsFERNER
Termine & Info

Markus Hauptmann: #Kids
Termine & Info

Ein Lehrer, der in mehreren höheren Privatschulen unterrichtet, aber anonym bleiben will, spricht auch von einer "Flucht vor der Integration". Gerade in größeren Städten sei wohl der Hauptgrund, "dass viele Eltern ihre Kinder deshalb in eine Privatschule geben, weil es ansonsten in eine öffentliche Schule mit 90 Prozent Ausländeranteil käme". Smole erwidert, dass ein hoher Ausländeranteil per se nicht schlecht für das Klassenklima sein muss. Er berichtet von Pädagogen, die zeitgleich Klassen mit vielen und wenigen Zuwandererkindern unterrichten und darüber klagen, dass gerade in Klassen, in denen fast nur Inländerkinder sitzen, die disziplinären Probleme oft deutlich ausgeprägter sind – Stichwort: Wohlstandsverwahrlosung. "Eine brandaktuelle Studie aus Deutschland berichtet über schwer verhaltensauffällige Kinder aus der Oberschicht, deren Eltern dank Smartphone & Co. kaum mit ihren Kindern sprechen. Allem Anschein nach gilt dies auch für Österreich. Da haben im Jahr 2014 in einer Studie durchschnittlich 55 Prozent der Pflichtschullehrer eingestanden, dass sie wegen unlösbarer Disziplinprobleme den Fachunterricht heute gar nicht mehr starten können. Das berichten übrigens auch viele AHS-Lehrer. Privatschulen galten jedenfalls einst als Inseln der Seligen, heute sind sie es nicht mehr", stellt Smole fest. Diese traurige Entwicklung hat für ihn aber auch ihr Gutes. Denn "auch unsere Eliten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die ihre Kinder in Privatschulen unterrichten und erziehen lassen, erleben nun das Teilversagen der Schule mittlerweile hautnah mit, entwickeln in der Folge eine Art ‚Bildungs- und Zukunftspanik‘ und sind plötzlich offen für wichtige Schulreformen, was vor einem halben Jahrzehnt noch nicht der Fall gewesen ist."

Ganztägige Betreuung als Vorteil der Privatschulen

Bifie-Direktorin Schreiner nennt abseits des Ausländerthemas auch noch andere Gründe, die aus Elternsicht für Privatschulen sprechen könnten: "Vor allem in der Vergangenheit haben die Privatschulen sehr früh ganztägige Betreuung angeboten. Da war es mitunter eine rein praktische Überlegung, aus eigener beruflicher Notwendigkeit das Kind in die private Ganztagsschule zu schicken statt in die öffentliche Halbtagsschule." Tagesschulheime haben zum Beispiel in der Stadt Salzburg eine sehr lange Tradition. "Der Ausbau von ganztätigen Schulformen findet jetzt aber auch im öffentlichen Sektor statt, auch aus einem Chancengerechtigkeitsdenken der Politik heraus."

Andreas Ferner, der an privaten berufsbildenden höheren Schulen unterrichtet und sich in seinem Nebenberuf als Kabarettist in seinem aktuellen Programm "BildungsFerner" auch mit dem Thema Schule beschäftigt, meint dazu: "In Österreich boomen zwar die Privatschulen seit kurzem, aber der Anteil war bisher relativ gering im Vergleich zu anderen Ländern. Das kann man auch so sehen, dass der Staat seiner Kernaufgabe, Bildung gratis oder zumindest sehr günstig zu Verfügung zu stellen, nachkommt. Die Eltern müssen nicht so wie in anderen Ländern ihr Leben lang sparen, damit ihre Kinder eine gute Schulbildung bekommen."

Absolut gesehen schneiden diePrivatschüler laut Bifie bei Kompetenzmessungen im Schnitt ein bisschen besserab als Schüler aus dem öffentlichen Bereich.

Absolut gesehen schneiden diePrivatschüler laut Bifie bei Kompetenzmessungen im Schnitt ein bisschen besserab als Schüler aus dem öffentlichen Bereich.

© Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Absolut gesehen schneiden diePrivatschüler laut Bifie bei Kompetenzmessungen im Schnitt ein bisschen besserab als Schüler aus dem öffentlichen Bereich.

© Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Der Staat – oder zumindest der Gesetzgeber – dürfte übrigens selbst kein allzu großer Freund der Privatschulen sein. So weist Smole darauf hin, dass "in Österreich Spenden an Bildungseinrichtungen nicht von der Steuer absetzbar sind – und das richtet sich de facto gegen die Interessen der Privatschulen, die im Gegensatz zu den öffentlichen Schulen sehr wesentlich von Spenden abhängig sind". Als weiteres Indiz nennt er, dass eine von einer renommierten österreichischen Privatuniversität in Akkreditierung gebrachte "hoch zeitgemäße" Lehrerausbildung letztlich vom Staat nicht bewilligt wurde. Das von ihm attestierte Misstrauen des Staats gegenüber privaten Bildungsinitiativen sieht Smole teils historisch begründet: Die Monarchen hatten seinerzeit nicht nur Angst vor zu wenig gebildeten Untertanen, sondern auch vor zu viel Bildung – und damit vor kritischem Denken, staatsfeindlichem Agieren und drohender Revolution. "Und Private, die sich eigene Gedanken machen und Schulkonzepte erstellen, waren und sind auch heute noch verdächtig."

Gleichzeitig lobt Smole aber auch das Bundesgesetz vom 25. Juli 1962 über das Privatschulwesen (vulgo Privatschulgesetz): "Dieses gilt als eines der besten, weil knappsten und klarsten der gesamten Bundesgesetzgebung, denn es umfasst inklusive aller Novellierungen tagesaktuell lediglich 30 Paragraphen, die auf sechs A4-Seiten Platz finden." Für die Zukunft würde er sich vom Gesetzgeber eine hochselektive Akkreditierung wünschen, die es jedem ermöglichen sollte, eine Privatschule zu führen. "Hier geht es um Fragen der nachhaltigen Existenzsicherung, der Finanzierung, der Organisation, der Unterrichtsqualität und so weiter. Diese Akkreditierung sollten aber alle Schulen – auch bereits bestehende öffentliche wie auch private – absolvieren müssen." Schließlich hätten hunderte öffentliche Schulen beim jüngsten gesamtösterreichischen Test die Mindeststandards nicht erreicht – sie würden somit aus heutiger Sicht bei einer Akkreditierung durchfallen. "Laut der aktuellen Grundkompetenzstudie von Wirtschaftsforschungsinstitut und Akademie der Wissenschaften sind ein knappes Viertel der 15-Jährigen Voll- und fast die Hälfte Teilanalphabeten. Damit liegt Österreichs Pflichtschule heute hinter der Leistung des Jahres 1910!"

Die bewährten Privatschulen in freier Trägerschaft bekämen jedenfalls durch die Akkreditierung im positiven Fall eine langfristige Sicherheit. Freilich müssten zugleich manche ihren Standpunkt in Bezug auf die Schulbehörde überdenken, mahnt Smole. "Allzu oft heißt es sinngemäß: ‚Der Staat hilft uns finanziell so gut wie nicht, er hat daher kein Recht, uns zu inspizieren.‘ Das ist zwar subjektiv und emotional bis zu einem gewissen Grad verständlich, aber extrem verhängnisvoll, weil es Wasser auf den Mühlen jener ist, die Privatschulen der Eigenbrötlerei, der Kooperationsverweigerung, dunkler Machenschaften oder gar der subkutanen Staatsfeindlichkeit verdächtigen."

Weniger Elitedenken als in England

Überhaupt haben Privatschulen in Österreich ein anderes gesellschaftliches Standing als in anderen Ländern, meint der Pädagoge Ferner: "Eliteschulen wie in den USA oder Großbritannien, wo man nach dem Besuch dieser oder jener Schule ein gemachter Mann oder eine gemachte Frau ist, gibt es bei uns kaum." Auch, weil gut 80 Prozent der Privatschüler in Österreich konfessionelle Schulen besuchen. Die übrigen 20 Prozent der nicht-öffentlichen Schulen tragen Vereine, Stiftungen und andere Einrichtungen. "In Deutschland führen mittlerweile auch große Firmen betriebseigene Volksschulen, weil sie mit den Ergebnissen der öffentlichen Schulen unzufrieden sind", berichtet Smole. Im berufsbildenden Schulwesen (Berufsschulen, BMS, BHS) spielen vor allem auch Träger aus dem Bereich der Wirtschaftskammer, Fonds der Kaufmannschaft und ähnliche als Träger eine Rolle, hier besucht nur etwa die Hälfte der Privatschüler konfessionelle Schulen.

Viele Privatschulen in freier Trägerschaft passen übrigens das Schulgeld dem Einkommen der Eltern an. "Diese bezahlen je nach interner Regelung jenen Betrag, den sie leisten können, bringen sich aber als Ausgleich selbst in unterschiedlicher Weise im Schulbetrieb helfend ein", erläutert Smole. "Diese Variante ist für das Schulklima sehr positiv." Die niedrigsten Monatsgebühren ausschließlich für den Unterricht (ohne Mittagessen) bewegen sich in den Privatschulen im höheren zweistelligen Bereich.

Schreiner stellt dazu fest, dass "im Vergleich etwa zum anglo-amerikanischen Raum das Schulgeld in Österreich vor allem bei den konfessionellen Privatschulen eher moderat ist". In England hingegen werde oft bereits bei der Geburt überlegt, welche Oma dem Kind dereinst die Schule finanzieren soll, formuliert sie es drastisch. "Da gibt es ja auch den Ausdruck ‚Public School Voice‘: dass man anhand der Aussprache erkennt, welche Schule jemand besucht hat."

Private Schulerhalter mit höherem Schulgeld können sich freilich eine bessere Ausstattung für ihre Schüler leisten. Und natürlich ist auch das Verhältnis zu ihrer (zahlenden) Kundschaft vielleicht ein wenig anders als bei öffentlichen Schulen. Böse Zungen unterstellen dabei manchen Privatschulen, ihre Schüler um jeden Preis zu halten, also für eine möglichst niedrige Drop-out-Quote zu sorgen, weil sie sonst Einnahmen verlören. Bifie-Direktorin Schreiner sagt dazu: "Kompetenzmessungen zeigen ein einheitliches Bild, und zwar in allen Schulstufen. Absolut gesehen schneiden die Privatschüler im Schnitt ein bisschen besser ab als Schüler aus dem öffentlichen Bereich. Aber man sieht auch einen deutlichen Unterschied in der Zusammensetzung der Schülerschaft nach sozialem Status und Bildung der Eltern – und wenn man diese Faktoren, die eher Rahmenbedingungen für den Unterricht darstellen, herausrechnet, sind die Unterschiede in allen Bereichen weg." Privatschüler sind also wenig überraschend tendenziell vom Familieneinkommen und Bildungsgrad der Eltern her höher angesiedelt. Und typischerweise richten Eltern, die selbst eine höhere Bildung haben, auch mehr Augenmerk auf die Bildung ihrer Kinder und treffen die Schulentscheidung bewusster. "Es geht nicht nur darum, ob man sich eine Privatschule leisten kann, sondern auch darum, ob man es will."

Auch Privatschullehrer sind bei Bund oder Gemeinde angestellt

Die Lehrer sind auch an Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht fast zu 100 Prozent bei Bund oder Gemeinde angestellt. Insofern sollte es rein vom Unterricht her keine Qualitätsunterschiede geben. Laut Smole sind übrigens Einkommen und soziale Sicherheit der Lehrer an Privatschulen in freier Trägerschaft meist niedriger als an öffentlichen Schulen. "Trotzdem finden Privatschulen oft leichter Personal, weil eine gute Atmosphäre herrscht." Die Gründe: Es gibt keine dauerhaften Problemlehrer, weil man sie bei nachhaltigen Fehlleistungen rasch loswerden kann. Die Eltern helfen konstruktiv mit, was an manchen öffentlichen Schulen gar nicht erwünscht ist. Und die Bürokratie ist weniger ausufernd: Während es bei öffentlichen Schulen oft sieben oder mehr Hierarchiestufen gibt, findet sich bei Privatschulen in freier Trägerschaft eine oder gar keine zwischen Schule und Schulträger, da dieser sehr oft ein Trägerverein ist, der primär aus Eltern und Lehrern der Schule besteht. Dadurch ist insgesamt die Berufszufriedenheit höher.

Der anonym bleiben wollende Privatschullehrer meint, der Qualitätsunterschied hänge weniger davon ab, ob eine Schule privat oder öffentlich sei, "sondern der Schultyp ist eher entscheidend: ob Gymnasium oder Neue Mittelschule, ob HAK oder HAS". Smole weist in diesem Zusammenhang auf einen aus seiner Sicht sehr bedeutenden "Standort- beziehungsweise Lokalfaktor" hin. Demnach erbringen die Schüler vieler Neuer Mittelschulen (NMS) oder Hauptschulen (die als Schultyp auslaufen) auf dem Land bessere Lernleistungen als manche Gymnasien in Ballungszentren. "Wobei die Lehrpläne an NMS und Hauptschule mit jenen der AHS-Unterstufe inhaltlich ident sind", wie Smole erklärt. "Ähnlich ist es mit den öffentlichen Schulen am Land und Privatschulen in der Stadt. Weder die öffentliche Schule noch die Privatschule trägt qualitativ ein eindeutiges Siegel."

Auch Markus Hauptmann, Lehrer an einer öffentlichen Volksschule und wie Ferner Kabarettist und Vater einer kleinen Tochter (aktuelles Programm: "#Kidz"), ist überzeugt: "Es steht und fällt überall mit dem Lehrer. Man kann da wie dort Glück oder Pech haben." Er selbst wird bei der Schulwahl jedenfalls auf andere Kriterien als den Schulträger achten: "Mir ist egal, ob sie dann eine öffentliche oder eine private Schule besuchen wird. Wichtig sind mir gute Lehrer und ein hohes Niveau. Natürlich ist auch der soziale Background – und da meine ich nicht nur den Migrantenanteil – ein Riesenkriterium. Das Niveau ist natürlich in einigen Ecken Wiens viel niedriger als in anderen, was Sprache, Bildungshintergrund der Eltern und ähnliches betrifft."

Smole rät in diesem Zusammenhang: "Wer wirklich sichergehen möchte, dass sein Kind in der idealen Volksschule landet, befragt am besten die Direktoren der höheren Schulen im Sprengel. Die wissen exakt, von welchen Lehrern im Vierjahrestakt ausgesucht gut vorbereitete beziehungsweise jämmerlich schlecht vorgebildete Schüler kommen. Das ist in Wahrheit das einzig sichere Qualitätsindiz."

"Nicht nur selbsternannteb Bildungsexperten befragen"

Der Lehrer Ferner attestiert den Privatschulen eine durchaus positive Rolle für die gesamte Schullandschaft: "Konkurrenz belebt das Geschäft. Auch die öffentlichen Schulen bemühen sich jetzt mehr um Schüler als früher. Das ist sicher auch dem Konkurrenzdruck durch die Privatschulen zu verdanken." Und Smole ist überzeugt, dass die Privatschulen in freier Trägerschaft "genau jene innovativen Zukunftslabors sind, die für eine positive Entwicklung der öffentlichen Schulen unverzichtbar sind". Ferner meint aber auch, dass Österreichs Schulen "trotz allem" insgesamt besser sind als sein Ruf, umstrittene (Nicht-)Reformen hin oder her. Der Pädagoge verweist auf eine seiner Meinung nach sehr wichtige OECD-Kennzahl, laut der in kaum einem anderen Land der Welt die Schüler den Übergang von der Schule ins Berufsleben so gut schaffen wie in Österreich. "Hier sind wir gemeinsam mit Deutschland und Island Spitzenreiter. Das ist in meinen Augen wichtiger als irgendwelche Pisa-Stichprobentests, die nichts über den weiteren schulischen und beruflichen Erfolg aussagen." Dies hefte sich die Schule allerdings zu Unrecht auf ihre Fahnen, so Smole. "Das ist primär eine Folge der dualen Lehre in Betrieben und Berufsschulen, die es außer in Österreich, Deutschland, der Schweiz und – seit kurzem – Island sonst wirklich nirgends gibt. Und deren Wurzeln weit zurück im mittelalterlichenZunftwesen der Handwerker liegen."

Natürlich gibt es immer noch etwas zu verbessern, gibt Ferner zu. "Man sollte die Schule aber auch nicht krankreden". In den vergangenen Jahren habe es eher ein Zuviel an Reformen gegeben, "da mussten ständig neue Dinge umgesetzt werden – vielleicht sollte man die Lehrer und Schüler einfach einmal in Ruhe arbeiten lassen." Überhaupt würde sich der Pädagoge von der Politik wünschen, statt auf selbsternannte Bildungsexperten ohne Praxiskenntnis zu setzen, lieber erfahrene Pädagogen zu Schulthemen zu befragen: "Das ist etwas, das viele Lehrer irrsinnig ärgert. Ich bin ja auch kein Finanzexperte, nur weil ich einmal einen Bausparvertrag abgeschlossen habe."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-10 10:10:56
Letzte nderung am 2017-11-10 10:27:18



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