Lissabon. Ihre Vorliebe für Micky Maus und andere Cartoon-Helden hat eine Lehrerin in Portugal den Job gekostet: Weil sie ihren Schülern der dritten und vierten Klasse offenbar jeden Tag stundenlang Zeichentrickfilme vorführte, wurde die Pädagogin am Dienstag vorläufig vom Dienst suspendiert, wie die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete. Daraufhin hätten rund zwei Dutzend empörter Eltern eine lautstarke Protestkundgebung vor der Schule beendet.
Der Schulstreit bewegte die Volksschule der Gemeinde Gandra, 15 Kilometer östlich von Porto. Das Bildungsministerium in Lissabon teilte mit, eine Ermittlung sei eingeleitet worden. Eine Stellungnahme der Lehrerin gab es am Dienstag zunächst nicht.
Um ihrer Forderung nach Absetzung der Lehrerin Nachdruck zu geben, hatten die Eltern ihre Kinder nach Ende der Osterferien einfach zu Hause gelassen und vor der Schule der 6.000-Einwohner-Gemeinde protestiert. Sie versperrten das Schultor, so dass der Unterricht auch für andere Klassen ausfiel. Die Schüler hätten "praktisch seit Beginn des Schuljahres im September (...) jeden Morgen" Zeichentrickfilme sehen müssen, sagte Elternsprecher Felix do Paco. Einige müssten inzwischen wegen Beklemmungsgefühlen von Psychologen betreut werden. "Meine Tochter ist zehn und deprimiert, sie hat keine Lust mehr auf Schule, deshalb schicke ich sie am 19. zum Psychologen", so do Paco. Man habe den Eltern aber nun zugesichert, "dass die Lehrerin nie wieder an dieser Schule unterrichten wird".