Wien. Ab 2014 müssen an Österreichs AHS alle Schüler am selben Tag idente Maturaaufgaben in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen lösen, ab 2015 sind auch die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) dran. Ziel ist es, die Kompetenzen der Schüler und nicht nur kurzfristiges Detailwissen abzuprüfen und so die Matura fairer und besser vergleichbar zu machen. Dementsprechend langwierig und kompliziert ist die Erstellung der Aufgaben. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die zentral erstellten Prüfungen sind rigide, immerhin würden sie durch ein Informationsleck auf einen Schlag für alle Maturanten unbrauchbar.
Deren Entwicklung beginnt schon ein bis zwei Jahre vor dem Prüfungstermin. Sogenannte Item-Writer - eine Gruppe speziell geschulter Lehrer des jeweiligen Fachs, repräsentativ nach Schularten und Regionen zusammengesetzt - erstellen Aufgaben, die im Idealfall verlässlich abbilden, ob jemand tatsächlich das erwartete Niveau in einem Fach erreicht.
Jede einzelne Aufgabe wird bei "Feldtestungen" mit 100 bis 200 Schülern darauf abgeklopft, ob der Schwierigkeitsgrad passt bzw. die Angabe verständlich ist. Bei Hörbeispielen kommt zusätzlich als erste "Hürde" die Genehmigung durch den Tontechniker. Unbrauchbare Aufgaben werden verworfen, andere verbessert und noch einmal feldgetestet. Letzte Kontrolle ist das "Standard Setting", bei dem eine Expertengruppe (Fachdidaktiker, Praktiker etc.) jede einzelne Aufgabe daraufhin überprüft, ob sie den jeweiligen Standards - bei Fremdsprachen etwa der Europäische Referenzrahmen - entspricht.
Jene Aufgaben, die dieses umfangreiche Prozedere überlebt haben, werden dann streng gehütet: Abgekoppelt und gesichert werden sie aufbewahrt. Gedruckt werden sie in einer Druckerei, die während dieser Zeit für den Normalbetrieb gesperrt und videoüberwacht wird. Dort werden die Prüfungspakete kuvertiert und gesichert. Beim Transport der Arbeiten geht das für die Umsetzung der Zentralmatura verantwortliche Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) ebenfalls auf Nummer sicher: Die Testhefte werden von der Druckerei abgeholt und in einem alarmgesicherten Raum der Firma gelagert, zu dem nur ganz wenige Personen Zugang haben.
In speziell gesicherten Fahrzeugen, die jederzeit per GPS geortet werden können, so dass ein Unfall oder Überfall sofort bemerkt würde, werden die Aufgaben in einem vorab ausgemachten Zeitfenster an die Schulen geliefert.