
Wien. Rund 86.000 Schüler der vierten Klasse AHS-Unterstufe, Neue Mittelschule und Hauptschule haben sich am Mittwoch erstmals einer österreichweiten Überprüfung der Bildungsstandards gestellt. In 90 Minuten reiner Testzeit mussten rund 50 Aufgaben aus dem Bereich Mathematik gelöst werden.
Bei den Bildungsstandards gibt es nicht nur lange Rechenwege, sondern auch Ergebnisse, die nur angekreuzt oder ausgewählt und interpretiert werden müssen. Ein Beispiel: "In einer Schule sind die Buben deutlich in der Minderheit. In jeder einzelnen Klasse gilt sogar: 2 mal B ist kleiner als M (B: Anzahl der Buben, M: Anzahl der Mädchen). In einer der Klassen sind 17 Mädchen. Wie viele Buben sind dann höchstens in dieser Klasse?" (Die Lösung ist 8). "Total einfach, voll leicht und man hat viel zu viel Zeit", urteilten Tobias und Ivo aus der 4A des Realgymnasiums in Wien Innere Stadt danach. "Bei manchen Aufgaben musste ich schon überlegen", sagte hingegen Asja.
Nach dem Test werden die Bögen eingesammelt, versiegelt und gehen an das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) zurück, das die Fragen entwickelt hat. Die Ergebnisse werden im Dezember vorliegen, auf die Noten der Schüler haben sie keinen Einfluss. Die Schüler werden nur ihr eigenes Ergebnis erhalten, die Lehrer die Einzelleistungen ihrer Schüler (in anonymisierter Form), der Direktor das Ergebnis seiner Schule bzw. der einzelnen Klassen, die Landesschulbehörden die Ergebnisse ihres Bundeslands bzw. der Schulen und Unterrichtsministerin Claudia Schmied einen Österreich-Bericht.
2013 werden dann die Englisch-Standards in der achten Schulstufe sowie Mathematik in der vierten Klasse Volksschule überprüft, 2014 ist jeweils Deutsch dran.
Grüne fordern Feedback-Gespräche
Die Grünen fordern, dass die Testergebnisse als Grundlage für verpflichtende Feedback-Gespräche eingesetzt werden. Denn, so Bildungssprecher Harald Walser: "Eine so teure Erhebung zu machen, ohne dass die Schule systematisch aus den Ergebnissen lernen kann, ist eine Verschwendung von Zeit und Geld." Ein entsprechender Antrag der Grünen auf verpflichtende Feedback-Gespräche liege im Parlament bereits seit drei Jahren auf Eis. Außerdem missfällt Walser, dass die Ergebnisse weitgehend anonymisiert sein sollen. "Lehrkräfte wissen nicht, welche Schülerinnen und Schüler Probleme hatten, Direktorinnen und Direktoren wissen nicht, welche Klassen größere Defizite haben", bemängelt er.
ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon pocht auf eine transparente Auswertung und kritisierte den vom Unterrichtsministerium angekündigten "fairen Vergleich", bei dem der sozioökonomische Hintergrund der Schüler berücksichtigt und nur Schulen mit ähnlichen Voraussetzungen verglichen werden sollen.
Im Bifie betont man, dass "einheitliche Auswertungsvorschriften für alle Schüler" gelten. Der "faire Erwartungswert" sei nur eine zusätzliche Möglichkeit des Vergleichs der Schulen "unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen" wie Größe der Schule, Schulstandort oder Zusammensetzung der Schüler (Migrationshintergrund).