• vom 19.06.2012, 16:24 Uhr

Schule aktuell

Update: 19.06.2012, 17:15 Uhr
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Wissenschaftliche Analysen zum internationalen Vergleichstest

Pisa hat nichts verbessert


Von Bettina Figl

  • Eder: "Keine Verbesserungen durch wenig koordinierte Einzelmaßnahmen"
  • Gewalterfahrungen: Jeder dritte Jugendliche Täter, jeder vierte Opfer.
  • Wissenschafter kritisieren fehlende Ressourcen zur Leseförderung.

Eine Schülerin des Gymnasiums Rahlgasse. Seit dem ersten Erscheinen der internationalen OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA im Dezember 2001, sorgt sie im Dreijahrestakt für Diskussionen.

Eine Schülerin des Gymnasiums Rahlgasse. Seit dem ersten Erscheinen der internationalen OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA im Dezember 2001, sorgt sie im Dreijahrestakt für Diskussionen.APAweb / Robert Jäger Eine Schülerin des Gymnasiums Rahlgasse. Seit dem ersten Erscheinen der internationalen OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA im Dezember 2001, sorgt sie im Dreijahrestakt für Diskussionen.APAweb / Robert Jäger

Salzburg. Kurz vor Schulschluss stellt Ferdinand Eder von der Uni Salzburg der Bildungspolitik ein schlechtes Zeugnis aus: Obwohl in Österreich seit zwölf Jahren Pisa-Tests stattfinden, seien seit 2000 keine Verbesserungen festzustellen, resümiert der Bildungswissenschafter.

Information

Ferdinand Eder (Hrsg.), "PISA 2009. Nationale Zusatzanalysen für Österreich", Waxmann Verlag, 580 Seiten, 39,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2690-0

Er hat am Dienstag in Salzburg Zusatzanalysen zur Pisa-Studie präsentiert und kritisierte gegenüber der "Wiener Zeitung" die "sehr unkoordinierten" Maßnahmen zur Leseförderung, obwohl dafür bis zu 40 Prozent der Fortbildungsmittel aufgewendet wurden. Beim Lesen landen Österreichs Schüler regelmäßig auf den hinteren Plätzen, und verschlechterten sich im Laufe der Jahre sogar: 2000 erreichten sie 492, 2009 nur mehr 470 Punkte.

Pisa-Boykott keine Erklärung
Aufgrund eines Boykott-Aufrufs in der ersten Testphase 2009 veröffentlichte die OECD die Österreich-Ergebnisse nur mit Vorbehalt und sah von Vergleichen mit früheren Tests ab. Es gäbe "keine Anhaltspunkte, die für Österreich berichteten Pisa-Ergebnisse 2009 in Zweifel zu ziehen", so die Wissenschafter. Um Lesekompetenz zu verbessern, bedarf es Übung, betont Eder. Doch geübt werde derzeit vor allem zu Hause. Er fordert daher die Ganztags- und Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen und will die Eltern stärker miteinbeziehen.

Mehr als die Hälfte in der falschen Schule
Eders Befragungen von 1500 15- bis 16-jährigen Schülern ergaben, dass mehr als 50 Prozent eine falsche Schule wählen: Vor allem Buben entscheiden sich oft für eine weiterführende Schule, die ihren Interessen widerspricht, und wechseln nach einiger Zeit die Schule oder Studienrichtung. "Vor allen Dingen die technischen Interessen sind bei den Jugendlichen zurückgegangen." Die Schüler wurden auch zu Gewalt, Schulklima oder Leseschwäche befragt.

Österreich-Ergebnis seit 2000 in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich mit Finnland, Deutschland und OECD-Schnitt.

Österreich-Ergebnis seit 2000 in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich mit Finnland, Deutschland und OECD-Schnitt. Österreich-Ergebnis seit 2000 in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich mit Finnland, Deutschland und OECD-Schnitt.

Jeder Vierte Opfer von Gewalt, jeder Dritte Täter
Die Angaben zu Gewalterfahrungen fielen noch höher aus, als zuvor von der OECD erhoben wurde. Demnach war jeder Vierte im vergangenen halben Jahr mindestens zweimal Opfer von Gewalt, jeder Dritte war mindestens zweimal Täter. Die Studienautoren sehen darin einen Zusammenhang mit der hohen Affinität zu gewalttätiger Videospiele bei männlichen Jugendlichen.

Überrascht zeigen sich die Wissenschafter auch von den Gewalterfahrungen, die Jugendliche in neuen Medien wiederfahren; diese sind deutlich höher als in früheren österreichischen Studien, und auch die Häufigkeit von Gewalt in Beziehungen zu Eltern und Lehrern seien "bedenklich". Die Studienautoren empfehlen Maßnahmen zur Gewaltprävention, die in Form der "Weißen Feder" bereits seit 2008 eingesetzt werden.

Am häufigsten wird am Handy geschrieben und gelesen
Erstmals wurden die Jugendlichen im Zuge von Pisa nicht nur zu ihren Lese-, sondern auch zu ihren Schreibgewohnheiten befragt. Hier zeigt sich, dass die digitalen Medien zu grundlegenden Veränderungen führen. Die Schüler lasen 2009 auf gedrucktem Papier zwar in vergleichbarem Ausmaß wie noch 2000, doch das Mobiltelefon ist heute das mit Abstand meist genutze Schreib- und Lesemedium. Daher empfehlen die an dieser Analyse beteiligten Bildungswissenschafterinnen, die neuen Gewohnheiten bei der Ausbildung von Deutschlehrern stärker zu berücksichtigen.

Bei der Leseförderungen kritisieren die Autorinnen der entsprechenden Analysen die fehlenden Ressourcen und gehen mit der Bildungspolitik hart ins Gericht: "Solange nur 26 Prozent der Risikoleser angeben, häufig zu Förderkursen ermuntert worden zu sein, solange wird Österreich überdurchschnittlich viele Risikoleser haben."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-19 11:03:54
Letzte Änderung am 2012-06-19 17:15:47


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